Der Zettel !
Eines schönen Tages ging Fritzchen mit seinem Freund nach draußen in die Sonne, um mit ihm zu spielen.
Bei diesem Unterfangen bemerkte Fritzchen auf einmal einen kleinen beschrifteten Zettel auf dem Boden.
Nun war er allerdings noch zu jung, Fritzchen war gerade erst 4, und konnte noch nicht lesen.
Allerdings war sein Freund, mit dem er unterwegs war, glücklicherweise ein Jahr älter und ihm wurde bereits von seinen Eltern das Lesen beigebracht.
Er nahm also den Zettel auf und ging damit zu seinem Freund und fragte ihn, ob er ihm den Zettel vorlesen könne.
Dieser nahm ihn, las ihn sich durch, wurf ihn auf den Boden, schrie Fritzchen an, wieso er das gemacht habe, und lief weinend davon.
Fritzchen war natürlich total baff und ziemlich niedergeschlagen.
Er nahm also den Zettel mit nach Hause und erzählte seiner Mutter, was geschehen war.
Diese hörte verständnisvoll zu, und meinte schließlich, dass es da sicherlich ein Missverständnis gab.
Immerhin sei sein Freund erst 5, und er hätte sicherlich nicht ganz verstanden, was auf dem Zettel stand.
Daher gab Fritzchen seiner Mutter den Zettel, die somit Licht ins Dunkle bringen sollte.
Sie las ihn durch, und.. setzt ihn vor die Tür.
Einen solchen Sohn wolle sie nicht haben, er soll nie wiederkehren, schrie sie, und knallte die Tür hinter ihm zu.
Er verstand die Welt nicht mehr und weinte einfach nur noch.
Eine zeitlang irrte er umher, bis ein Penner ihn fand.
Dieser Penner wunderte sich über Fritzchen, noch nie war ihm ein so junger Mensch bereits auf der Straße begegnet.
Der Penner hatte viel erlebt, doch dies sei ihm noch nicht untergekommen.
So fragte er also Fritzchen, wie er in eine solche Lage geraten konnte.
Dieser fing an zu erzählen, von dem Zettel, seinem Freund, seiner Mutter.
Er verstand es einfach nicht, und an allem wäre nur dieser Zettel schuld, und, dass er nicht lesen könne.
Der Penner jedoch war guter Dinge, denn er ging davon aus, bereits alles Leid der Welt gesehen zu haben, viele Monate und Jahre hatte er körperliche und seelische Schmerzen ertragen.
Er wollte also diesen Zettel von Fritzchen sehen, und, auch wenn dieser kein gutes Gefühl hatte, gab er dem Penner den Zettel, denn Fritzchen dachte, schlimmer könne es eh kaum noch kommen.
Nun, es kam, wie es kommen musste, auch der Penner hatte mit so etwas nicht gerechnet, und wand sich unter wüsten Beschimpfungen von Fritzchen ab und ging davon.
Nun konnte Fritzchen nicht mehr.
Er heulte einfach nur noch.
Seine Augen waren so vertränt, dass er den Lastwagen nicht kommen sah und von ihm erfasst wurde und starb.
Er erwachte wieder vor der großen Himmelspforte und wurde von Petrus begrüßt.
Dieser bedauerte es, dass wieder ein Kind so jung sterben musste, und versicherte ihm, dass in diesem Alter das Herz noch nicht befleckt sein kann.
Allerdings benötige er für das Protokoll die Ursache und den Anlass seines Todes, und so begann Fritzchen erneut die Mär mit dem Zettel zu schildern.
Nebenbei fiel ihm auf, dass er immer noch nicht wisse, was drauf stehe.
Dass dem abgeholfen werden kann, war sich Petrus sicher.
Er nahm den Zettel, las ihn durch, und sprach, dass er seine Aussage revidieren müsse.
Er sagte, Fritzchen müsse sich in der Hölle verantworten dafür, was er da getan hat.
Und so schickte er ihn in die Hölle.
Sogleich wurde er dort empfangen von dem Teufel.
Der Teufel lachte, wunderte sich, ein Kind, hier bei ihm.
Das hätte es noch nie gegeben, und er könne sich kaum vorstellen, was geschehen sei.
Fritzchen wusste eh, was passieren würde, gab ihm den Zettel, und der Teufel hob seine Augenbrauen.
Fritzchen müsse ohne Zweifel zum Oberteufel.
Dem Herrn des Bösen und der Unterwelt.
Nur er könne entscheiden, wie hier verfahren werden soll.
Und so kam Fritzchen in den Thronsaal des Oberteufels, des Beelzebubs.
Er staunte nicht schlecht, und das tat er zu recht.
Die allerwenigstens Menschen hatten ihn je gesehen, und seine eindrucksvolle Erscheinung strahlte eine Macht und Bosheit aus, wie man es noch nie erlebt hatte.
Der Oberteufel selbst bestand aus purem Feuer, und auch in dem Thronsaal loderten die Höllenfeuer wie man es sich nicht vorstellen könnte.
So sah er auf Fritzchen herab und gebot mit einer furcherregenden Stimme, die direkt in das Herz drang:
"WER WAGT ES, MIR UNTER DIE AUGEN ZU TRETEN?!"
Fritzchen hatte Angst, er zitterte..
Er wusste nicht, was passieren würde, wenn das gleiche wäre, wie es bei allen anderen war.
Irgendetwas sagte ihm, dass er nicht tiefer als bis zum Oberteufel fallen könnte, und so begann er, ganz ausführlich..
Wie er den Zettel aufgehoben habe..
Wie ihn der Freund verlassen hat..
Wie ihn die Mutter hinauswarf..
Wie ihn selbst der Penner verließ..
Wie er starb..
Wie er von Petrus in die Hölle geschickt wurde..
Und schließlich wie er vom Teufel hierher gebracht wurde.
Alles wegen einem einzelnen Zettel, auf dem etwas stand, was er nicht lesen konnte.
Zu seiner Verwunderung entgegnete der Oberteufel:
"HAHAHAHA.. ICH GLAUBE ICH WEISS, WAS AUF DEM ZETTEL STEHT. REICHE IHN MIR BITTE RÜBER."
Und er streckte den Arm raus und so tat es der Oberteufel mit seiner riesigen Pranke... er näherte sich den Zettel, nahm ihn..