Polizei schleppt in Bayern vorsorglich Autos ab: "Schwimmen sonst bis Österreich" !
Die massiven Regenfälle erreichen den Süden Deutschlands und Österreich, ein Mensch kommt ums Leben.
In Passau steigen die Pegel um zwei Meter, deshalb bringen Beamte Autos in Sicherheit.
Anwohner hätten sie trotz Hochwasserwarnungen nicht umgeparkt.
Die Hochwasserlage in Teilen Bayerns bleibt angespannt.
Betroffen war am Morgen besonders der Osten Bayerns vom Berchtesgadener Land bis Passau.
Ergiebiger Stark- und teils Dauerregen hatte am Alpenrand sowie im Bayerischen Wald die Wasserstände massiv ansteigen lassen.
In Passau schleppte die Polizei vorsorglich Autos auf Parkplätzen an der Donau ab, wie eine Sprecherin sagte.
Anwohner hätten trotz Hochwasserwarnungen versäumt, ihre Fahrzeuge umzuparken.
"Wenn wir sie nicht abschleppten, dann schwimmen die Dinger bis Österreich", so die Polizeisprecherin.
Der Pegel der Donau war nach Angaben des Hochwassernachrichtendienstes im Laufe des Samstags um fast 2 Meter auf 7,80 Meter gestiegen.
Der Wasserstand der Inn stieg in den vergangenen zwölf Stunden von 3,30 auf 5,40 Meter.
An der Donau im Bereich Passau gibt es laut der Sprecherin aktuell Überschwemmungen der Meldestufe 3.
Hier sei der Scheitel im Laufe des Tages erreicht.
Die Wasserstände würden aber noch bis Montag auf diesem Niveau bleiben.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann wollen am Nachmittag ins Hochwassergebiet in Südostbayern fahren.
Das verlautete am Vormittag aus Regierungskreisen in München.
Die beiden CSU-Politiker wollten sich ein Bild von der Lage machen, hieß es.
Der oberbayerische Landkreis Berchtesgadener Land hatte in der Nacht den Katastrophenfall ausgerufen.
Zwei Menschen starben in dem Hochwassergebiet.
Ein Opfer starb allerdings an einer natürlichen Ursache, wie Landrat Bernhard Kern am Morgen erklärte.
Die Feuerwehr war am Samstagabend im Dauereinsatz.
Das Wasser schieße aus den Bergen, gleichzeitig stiegen die Pegelstände des Flusses Ache an, sagte ein Sprecher der Integrierten Leitstelle Traunstein.
Betroffen waren vor allem die Orte Berchtesgaden, Bischofswiesen, Schönau am Königssee, Marktschellenberg und Ramsau im äußersten Südosten Bayerns.
Dort trat das Wasser stellenweise über die Ufer und überflutete Straßen.
Hänge rutschten ab.
Medien berichteten von Rekord-Pegelständen an der Ache - bis 22 Uhr lagen sie schon bei etwa 3,75 Metern.
Bilder zeigen Straßen, die sich in reißende Bäche verwandeln.
Menschen waten knietief im Wasser.
Alle paar Hundert Meter sei die Feuerwehr im Einsatz, berichtete ein Augenzeuge.
Traktoren räumten Schutt beiseite.
Zum Teil stehe das Wasser bis zu 50 Zentimeter hoch.
Rund 130 Menschen mussten aus ihren Häusern in Sicherheit gebracht werden.
Darunter seien 80 Menschen aus einer Siedlung in Schönau am Königssee, die angesichts von "geologischen Problemen" weggebracht wurden, sagte Landrat Bernhard Kern.
Unklar war, ob die Siedlung länger gesperrt werden muß.
Der Bahnverkehr zwischen Bad Reichenhall und Berchtesgaden sei eingestellt, so Kern.
Auch Straßen seien "extremst in Mitleidenschaft gezogen" worden.
890 Hilfskräfte sind in dem Landkreis derzeit im Einsatz.
Inzwischen gebe es viel Unterstützung aus anderen Regionen, sagte Kern am Morgen.
Die örtlichen Hilfskräfte seien seit Samstagabend im Dauereinsatz.
Der Landkreis hatte nach starken Regenfällen den Katastrophenfall ausgerufen.
Der Fluss Ache trat über die Ufer und Hänge rutschten ab.
Der Einsatzleiter sprach von dramatischen Szenen.
Es habe bis zu 500 Einsätze gegeben. Häuser hätten evakuiert werden müssen, weil diese vom Einsturz bedroht seien.
Menschenleben seien in Gefahr gewesen.
Die Lage bleibt angespannt, denn die nächste Regenfront ist bereits angekündigt.
Ebenso trat in Chamerau in der Oberpfalz der Roßbach wegen Starkregens über die Ufer.
Ein Gebäude sei mit Sandsäcken vor den Wassermassen geschützt worden, sagte ein Sprecher der Polizei.
Im gesamten Landkreis gab es fünf weitere Einsätze der Feuerwehr aufgrund von vollgelaufenen Kellern oder überschwemmten Straßen.
Überschwemmungen an Inn, Iller und Regen
Sintflutartige Regenfälle erfassten in der Nacht auch weite Teile Österreichs.
An den Zuflüssen zum Inn, am Inn selbst sowie im Gebiet von Iller und Regen gebe es an vielen Flüssen Überschwemmungen der Meldestufe 1.
An der Donau könne es bis Kelheim zu Überschwemmungen bis zur Meldestufe 2 kommen.
Sowohl in Salzburg als auch in Tirol und der Bundeshauptstadt Wien waren die Feuerwehren im Dauereinsatz, wie die Agentur APA meldete.
Im Stadtgebiet von Hallein sei Zivilschutzalarm ausgelöst worden, ebenso wie in Mittersill im Pinzgau sowie in Kufstein in Tirol.
In der Stadt Salzburg wurde der Hochwasserschutz entlang der Salzach aufgebaut.
In Hallein überfluteten die Wassermassen Teile der Altstadt.
Ein Bach hatte sich am Abend zu einem reißenden Strom entwickelt, wie die Polizei bestätigte.
Nach Angaben der Feuerwehr lagen am späten Abend keine Meldungen über Vermisste, Verletzte oder gar Tote vor.
In Kufstein sind die Menschen aufgefordert, Gebäude nicht zu verlassen und sich in höhere Stockwerke zurückzuziehen.
Im Stadtgebiet erreichte das Wasser der Zulaufbäche des Inns bereits die Straßen.
Wegen möglicher Erdrutsche wurde ein Teil der Felbertauernstraße gesperrt.
In Wien sorgten starker Regen und Gewitter für Hochbetrieb bei den Feuerwehren.
Meist wurden die Feuerwehrleute wegen überfluteter Keller oder Unterführungen gerufen, bis zum Morgen berichtete die Berufsfeuerwehr von über 500 Einsätzen.