Wilhelm Weischedel - Die philosophische Hintertreppe 2
Weischedels Buch "Die philosophische Hintertreppe" ist nicht nur
ein Buch für den Philosophen schlechthin, sondern gerade für alle
philosophisch Interessierten. Weischedel beweist darin, daß man den
Zugang zur Geschichte der Philosophie nicht unbedingt durch umfang-
reiche Interpretationen einzelner Philosophen und ihrer Werke fin-
det, sondern daß man auch mit wenigen Worten philosophisches Ver-
ständnis vermitteln kann. In vierunddreißig Aufsätzen werden vier-
unddreißig Philosophen in Alltag und Denken beschrieben, angefangen
bei dem alten Thales, mit dem - so sagt man - die Geschichte der
Philosophie begann, über Kant, an dessen Werken man sich sonst die
Zähne ausbeißt, bis hin in die Neuzeit mit Wittgenstein etwa.
Jeder der einzelnen Aufsätze enthält kurze Beschreibungen des
Werdegangs des jeweiligen Philosophen, nennt ihre wichtigsten
Werke und Ideen und überrascht immer wieder mit Szenen aus ihrem
Alltag. So erfährt der Leser über Schopenhauer zum Beispiel, daß
er nicht nur ein Frauenhasser, sondern geradezu ein Menschenhas-
ser war: aus Angst, seine Mitmenschen könnten ihn während der
Nacht im Schlaf überraschen und ihm Böses wollen, hatte er stets
in seinem Schlafzimmer eine Waffe versteckt... wobei dies das
harmloseste Beispiel ist, aber ich will die Spannung nicht hin-
wegnehmen. Dieses Buch lohnt sich auf jeden Fall, denn es liest
sich nicht wie ein Geschichtsbuch, sondern eher wie ein Buch mit
Erzählungen, ein Buch also, was man auch abends im Bett lesen
kann. Und das erlebt man bei Philosophiebüchern nicht oft
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