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Verhandlungen mit Griechenland: IWF gibt den Bad Cop

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Die EU versucht, Griechenland im Euro zu halten. Doch sie ist nicht allein: Auch der IWF hat dem Land Kredite gegeben und müsste neuen Krediten zustimmen. Vor den entscheidenden Treffen signalisiert er Härte.

In den Verhandlungen mit Griechenland zeichnen sich Probleme ab. Nicht nur das Parlament in Athen könnte die sich abzeichnende Einigung noch kippen, auch auf der Seite der Gläubiger gibt es wohl Differenzen. Laut "Süddeutscher Zeitung" kritisiert der Internationale Währungsfonds (IWF) die zu weiche Haltung der anderen Gläubiger. Es sei "nicht hinnehmbar, wenn immer stärker von dem ursprünglichen Forderungspapier abgewichen werde".

Mit "ursprünglichem Forderungspapier" ist dabei ein Dokument gemeint, auf das sich der IWF mit der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB) Anfang Juni geeinigt hat. Damals wurde es als "letztes Angebot" an Griechenland bezeichnet. Anstatt dieses Papier als Vorlage zu nehmen und Änderungen daran vorzuschlagen, stellte die griechische Regierung aber eigene Sparvorschläge zusammen und präsentierte sie am Montag den drei Institutionen.
IWF "an einem Deal nicht interessiert"

Die EU signalisierte daraufhin, dass auch dieses Papier eine Arbeitsgrundlage sein könne: Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem sagte, die Griechen böten damit eine Basis für eine Einigung. Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und mehrere Staats- und Regierungschefs äußerten sich ähnlich. Doch der IWF ist offenbar anderer Meinung. Sich an dem Papier aus Athen zu orientieren, sei zu nachgiebig.

Auch in die andere Richtung wird Kritik geäußert: Die "Süddeutsche" zitiert einen EU-Diplomaten mit den Worten: "Der IWF scheint an einem Deal nicht interessiert zu sein." Der Fonds spiele mit dem Feuer.

IWF, EZB und EU-Kommission waren seit Herbst 2009 gemeinsam als "Troika" in Athen aufgetreten und hatten das Land auf einen harten Sparkurs gezwungen. Differenzen zwischen diesen Institutionen wurden nur selten bekannt. Die "Financial Times" berichtete jedoch im Mai, der IWF habe Griechenland davor gewarnt, die Unterstützung des Fonds zu verlieren. Er könne seinen Teil der nächsten Hilfstranche zurückhalten, so die Drohung. Außerdem unterstütze der IWF eine Erleichterung der Schuldenlast Griechenlands, so die "FT", also eine Art Schuldenschnitt.

Schuldenerlass unüblich


Die Darlehen, die der IWF Griechenland gewährte, wären davon wohl kaum betroffen: Der IWF erlässt Schulden in der Regel nur dann, wenn ein Land von einer Katastrophe betroffen ist. Zuletzt war das bei den von Ebola betroffenen Staaten und dem von einem Erdbeben zerstörten Haiti der Fall. Griechenland schuldet dem IWF derzeit knapp 11 Milliarden Euro, den Euro-Staaten ein Vielfaches davon.

Der IWF hat zuletzt schon einige Rückzahlungstermine verschoben: Alle im Juni anstehenden Zahlungen wurden auf das Monatsende verlegt. Zu diesem Zeitpunkt soll die letzte Kredittranche des zweiten Hilfspakets freigegeben sein – sollten die laufenden Verhandlungen also erfolgreich sein, hätte Griechenland genug Geld, den IWF auszuzahlen.

Damit sich die Staats- und Regierungschefs der Euro-Staaten am Donnerstag aber auf die Auszahlung einigen können, brauchen sie eine Empfehlung der Finanzminister, die sich an diesem Mittwoch treffen. Die Finanzminister wiederum sind auf eine Vorlage der drei Institutionen angewiesen. Vertreter dieser Institutionen wollen sich ab 12 Uhr treffen, ab 13 Uhr soll der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hinzukommen.

 
Widerstand auch in Athen: Einigung im Griechenland-Reformstreit steht auf der Kippe



Der Poker um Griechenland geht in die nächste Runde: Nachdem Athen am Montag vor einem Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs zur Schuldenkrise neue Vorschläge für Reformen und Einsparungen vorgelegt hat, weist die griechische Regierung nun einen Gegenvorschlag der Gläubiger zurück. Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras verhandelt deshalb noch vor dem EU-Finanzministertreffen mit den Spitzen der drei Geldgeber in Brüssel über eine Lösung im Schuldenstreit. Aber auch innerhalb der Regierungspartei Syriza gibt es Zoff.


 
Gespräche stocken: Tsipras: Gläubiger lehnen Hellas-Paket ab

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Aus Zuversicht wird langsam Ernüchterung: Der jüngste Reform-Vorschlag aus Athen trifft offenbar nicht die Erwartungen der Gläubiger. Das könnte die Verhandlungen deutlich erschweren - im besten Fall.

Der Streit um Finanzhilfen und Reformauflagen für Griechenland spitzt sich zu. Ministerpräsident Alexis Tsipras sagte nach Auskunft eines Regierungsvertreters, dass die Gläubiger die griechische Vorschläge nicht akzeptiert hätten, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Laut einem Regierungssprecher ist der Grund für deren Standpunkt, dass sie entweder keinen Deal wollten oder bestimmten Interessen in Griechenland dienen wollten, sagte er.

Ein EU-Vertreter nannte Renten und Steuern als Hauptstreitpunkte mit Griechenland. Bei den Gesprächen am Vortag habe es nicht viele Fortschritte gegeben. Die Positionen zwischen den Geldgebern und der griechischen Regierung seien noch immer auseinander. Eine Umschuldung sei kein Thema gewesen. Nach übereinstimmenden Berichten der griechischen Presse soll der Internationale Währungsfonds (IWF) zahlreiche Athener Sparvorhaben als Maßnahmen kritisiert haben, die die Rezession förderten.

Derweil haben sich Griechenlands Geldgeber sich in Brüssel zu einer neuen Krisensitzung getroffen. Vor der Zusammenkunft der Euro-Finanzminister beriet sich EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker mit dem Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, sowie der IWF-Präsidentin, Christine Lagarde. Mit dabei waren auch Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem und der Chef des Euro-Rettungsschirms ESM, Klaus Regling. Dem Vernehmen nach haben sie Athen neue Gegenvorschläge präsentiert, um die Differenzen zu überbrücken.

"Wir haben noch Arbeit vor uns."


Die Geldgeber wollten ihre Positionen noch einmal auf Spitzenebene abstimmen, hieß es. Dijsselbloem sagte unmittelbar vor dem Treffen auf die Frage, ob es eine Einigung gebe: "Wir haben noch Arbeit vor uns." Regling betonte: "Wir arbeiten hart daran." Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras sollte gegen 13.00 Uhr zu dem Treffen stoßen.

Am Abend sollen die Finanzminister der Eurozone bei einem Sondertreffen darüber entscheiden, ob Griechenland kurz vor Ablauf der Frist doch noch die notwendige nächste Tranche an Hilfsgeldern erhält, die das Land zahlungsfähig und damit auch im Euro halten kann.

In Reaktion aus Tsipras Worte fielen die Kurse an den Aktienmärkten in einer schnellen Bewegung deutlich zurück. Im Tagestief rutschte der Dax mit Minus von 1,5 Prozent ab, fing sich dann aber. Auch an der Börse in Athen geht es abwärts mit den Kursen, der dortige Index gibt um 3,6 Prozent nach.

 
Athen könnte der Verlierer sein: Mit einer Einigung ist ein "Grexident" nicht vom Tisch



Zum dritten Mal binnen einer Woche beraten die Euro-Finanzminister über griechische Sparpläne. Auch wenn das Krisentreffen in Brüssel eine Einigung bringen sollte, könnte Griechenland der große Verlierer sein. Denn die Probleme des Landes blieben bestehen. Und auch ein "Grexident", ein unbeabsichtigter Euro-Austritt, wäre noch immer nicht vom Tisch.
 
Angst vor Grexit wieder da: Athen: Eine Einigung ist schwierig

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Griechenland, EU, EZB und IWF pokern zur Stunde über die neuen Athener Sparvorschläge. Ministerpräsident Tsipras teilt mit, dass der IWF von zahlreichen Athener Sparvorhaben nicht überzeugt ist. In der griechischen Hauptstadt wächst die Sorge.

Griechenlands Gläubiger sollen Athen neue Gegenvorschläge präsentiert haben, um die Differenzen zu überbrücken. Das teilte ein Insider aus dem Umfeld der Verhandlungen mit. Details sind nicht bekannt. Zuvor hatte bereits der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras vor seinem Abflug nach Brüssel die Haltung der Geldgeber zu den griechischen Reformvorschlägen kritisiert. Athen habe Maßnahmen präsentiert, die den Anforderungen der Gläubiger genügten, sagte Tsipras.

Nach übereinstimmenden Berichten der griechischen Presse soll unter anderem der Internationale Währungsfonds (IWF) zahlreiche Athener Sparvorhaben als Maßnahmen kritisiert haben, die die Rezession förderten. Der IWF fordere, dass die von Athen vorgeschlagene Erhöhung der Unternehmen-Besteuerung von 26 auf 29 Prozent nicht gelten sollte. Höchstens sollte diese Belastung die 28 Prozent erreichen. Zudem sollen nach Ansicht des IWF die Renten gekürzt werden. Die Rüstungsausgaben sollen um weitere 200 Millionen Euro gekürzt werden. "Der IWF besteht auf allgemeine Kürzungen. Eine Einigung ist demnach schwierig", sagte Arbeitsminister Panos Skourlatis.

Der Chefunterhändler der Griechen, Euklides Tsakalotos, riet zum Abwarten. "Erst wenn wir ein umfassendes Bild haben, werden wir beurteilen können, was Sache ist", sagte er im Staatsfernsehen. Zur Stunde stimmen sich in Brüssel EU, EZB und IWF vor dem abendlichen Treffen der Euro-Finanzminister ab. Tsipras stieß am Mittag zu der Runde dazu.
Lösung ohne IWF nicht denkbar

Deutsche Regierungskreise rechnen mit einer gemeinsamen Einschätzung der drei Institutionen zu Griechenland. Eine Lösung ohne den IWF sei für die Bundesregierung nicht denkbar, hieß es. Zudem sei die Frage nach Schuldenerleichterungen derzeit kein Thema.

Der Sprecher von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagt, in den Verhandlungen mit Griechenland sei noch "ein weites Stück Weg" zurückzulegen. Es sei an den Griechen, sich zu bewegen. Regierungssprecher Steffen Seibert unterstreicht, Grundlage für die Befassung der Euro-Gruppe mit den Reformvorschlägen aus Athen sei eine gemeinsame Bewertung der drei Gläubiger-Institutionen EU, EZB und IWF.

Börsianer wieder mit zittrigen Händen

Die Anleger an den europäischen Aktienbörsen haben vor dem Showdown für Griechenland kalte Füße bekommen. Dax und EuroStoxx50 nahmen die negative Stimmung in Brüssel mit Bedenken auf und gaben rund ein Prozent auf 11.408 beziehungsweise 3593 Punkte ab. Nach dem Höhenflug der vergangenen Tage machten die Investoren sicherheitshalber Kasse. Die Hoffnung auf ein Happy End im Schuldenstreit hatte die Börsen seit Montag rund vier Prozent nach oben getrieben.

 
Gesundheitsminister im Interview: "Griechenland ist sehr krank"

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Griechenland gehe es seit Jahren fürchterlich. Der Patient brauche dringend die richtige Medizin, sagt Gesundheitsminister Panagiotis Kouroumplis im Gespräch mit n-tv.de

n-tv.de: Sie sind Gesundheitsminister eines Landes, dem es sehr schlecht geht. Wie kann man Griechenland helfen?

Panagiotis Kouroumplis: Wenn man feststellt, dass ein Mensch krank ist, muss man herausfinden, warum. Nur dann kann man ihn heilen. In den letzten fünf Jahren ging es meinem Land fürchterlich.

Und welche Medizin braucht der Patient?

Wachstum.

Wie krank ist denn Ihr Land?

Sehr krank. Nehmen Sie das Gesundheitssystem: Mehr als 2,2 Millionen Menschen haben keine Krankenversicherung. Das Budget für das Gesundheitssystem wurde kräftig zusammengestrichen. Für die Krankenhäuser gab es 2014 Mittel im Volumen von 1,5 Milliarden Euro. Für dieses Jahr ist eine Milliarde Euro veranschlagt. In den letzten Jahren haben 23.000 Beschäftigte den Gesundheitsbereich verlassen - darunter Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern. Nicht alle gingen in Rente. Viele Ärzte zogen es wegen der Kürzungen ihres Gehalts ins europäische Ausland - auch nach Deutschland -, um dort eine bessere Zukunft zu haben.

Ministerpräsident Alexis Tsipras hat der Eurogruppe Vorschläge präsentiert. Sind diese nicht auch die falsche Medizin?

Die Vorschläge der griechischen Regierung enthalten die zwei entscheidenden Medikamente. Das erste sind Maßnahmen, die das Wachstum stimulieren. Das zweite ist eine Umstrukturierung der Schulden. Ohne das würde es Griechenland schlechter und schlechter gehen.

Wäre es angesichts der bisherigen Bilanz der Rettungspakete für Griechenland nicht besser, die Eurozone zu verlassen?

Wenn das passiert, wäre das eine große Katastrophe für ganz Europa.

Wie optimistisch sind Sie, dass es noch eine Einigung gibt?

Ich hoffe sehr, dass es eine Lösung gibt, die für Griechenland und ganz Europa gut ist - und dass niemand gedemütigt wird.

Sie erblindeten im Alter von zehn Jahren durch die Explosion einer deutschen Granate, ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Hat das Auswirkungen darauf, wie Sie das Verhalten der Bundesregierung im Schuldenstreit beurteilen?

Nein. Zu 100 Prozent nicht. Ich erkenne die Anstrengungen des deutschen Volkes nach dem Zweiten Weltkrieg an. Was mir Sorge macht: Deutschland war zweimal sehr mächtig und konnte damit nicht umgehen. Wenn Deutschland diesen Fehler der Vergangenheit wiederholen sollte, dann wäre das ein großes Unglück - für ganz Europa.
 
Liveticker zu den Griechenland-Verhandlungen: +++ 22:00 Syriza-Koalitionspartner distanziert sich von Auschwitz-Tweet +++

Die rechtspopulistische Partei Unabhängige Griechen (Anel) hat sich von einem ihrer eigenen Abgeordneten, Dimitris Kammenos (nicht zu verwechseln mit seinem Namensvetter und Parteivorsitzenden Panos Kammenos), distanziert. Grund war ein Facebook-Eintrag Kammenos, auf dem er eine Fotomontage eines Bildes vom Tor zum Konzentrationslager Auschwitz gepostet hatte. Auf dem Bild war statt dem Schriftzug "Arbeit macht frei", "Wir bleiben in Europa" zu lesen.

Anel-Sprecherin Marina Chrysobeloni sagte, der Post des Juristen sei eine komplett persönliche Aktion gewesen. Das Zentralkomitee der Jüdischen Gemeinde in Griechenland (KIS) hatte den Eintrag als "beschämend" bezeichnet. Daraufhin hatte sich Kammenos entschuldigt und von einem "Missverständnis" gesprochen.

"Vielleicht war der Vergleich unglücklich, aber mein Land erlebt gerade einen wirtschaftlichen Holocaust", schrieb er auf Facebook. Ob es besser ist, einen schlechten Vergleich durch einen anderen zu ersetzen, ließ er offen.

Anel bildet zusammen mit der Syriza-Partei unter Alexis Tsipras eine Koalitionsregierung. Parteivorsitzender Panos Kammenos hat das Amt des Verteidigungsministers inne.

+++ 21:25 Eurogruppen-Treffen verschwendet Flugmeilen +++
Nachdem die Eurogruppe wieder ohne ein Ergebnis auseinandergegangen ist, stellen sich Beobachter erneut die Frage, wozu die vielen Minister seit Tagen immer wieder in ihre Flugzeuge springen, um nach Brüssel zu eilen: "Ich würde wirklich gerne den CO2-Fußabdruck dieser Veranstaltung kennen", twittert unter anderem Ann Sylvaine Chassany, die Pariser Redaktionsleiterin der Financial Times.

Schon vor dem Treffen der Euro-Finanzminister am Montagmittag hatte sich der finnische Minister Alexander Stubb ähnlich geäußert: Die Veranstaltung sei eine Verschwendung von Flugmeilen.

Wer von den Gesprächsteilnehmern am Abend in Brüssel blieb und wer nach Hause flog, war zunächst unklar. Von Bundesfinanzminister Schäuble hieß es, er habe sich ein Hotelzimmer reservieren lassen. EZB-Chef Mario Draghi stieg nach dem schnellen Ende des Treffens erstmal in seine wartende Limousine.

+++ 20:58 Finnland: Eurogruppe auf Donnerstag vertagt +++
War das das kürzeste Eurogruppen-Treffen aller Zeiten? Die Gespräche zu Griechenland werden nach nicht einmal einer Stunde wieder beendet. "Das war es für heute Abend", schrieb der finnische Finanzminister Alexander Stubb am Mittwoch im Kurznachrichtendienst Twitter. "Wird morgen um 13.00 Uhr fortgesetzt"

"Das letzte Mal, dass ein Eurogruppen-Treffen gleichzeitig mit einem EU-Gipfel stattfand, war in der Zypern-Krise. Kein gutes Zeichen", unken Beobachter.

+++ 20:30 Nach Euro-Gruppe weiteres Treffen mit Tsipras +++
Griechischer Regierungsvertreter: Ministerpräsident Alexis Tsipras wird nach dem Treffen der Euro-Finanzminister seine Gespräche mit den Gläubigern fortsetzen.

Die Gläubiger haben laut dem Regierungsvertreter neue Vorschläge gemacht, die Rentner und Angestellte in einer unfairen Weise belasten würden. Einem solchen Ansatz könne Griechenland nicht zustimmen. Die Gespräche würden aber fortgesetzt.

+++ 19:46 Schäuble rechnet nicht mit Ergebnis +++
Bei den Verhandlungen wird nach Ansicht von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble heute wohl kein Ergebnis mehr erzielt. Er habe das Gefühl, dass es seit Montag nicht viel Neues gebe. "Mein Gefühl ist: Wir sind noch nicht viel weiter als am Montag. Aber jetzt fangen wir ja erst an", betonte er.

Am Montag hatte Schäuble erklärt, nichts Neues seit dem vorhergehenden Donnerstag gesehen zu haben. Da war das erste EU-Finanzministertreffen zu Griechenland ergebnislos beendet worden. Dem in der Nacht von Sonntag auf Montag vorgelegten Reformplan aus Athen konnte der Finanzminister nichts abgewinnen.

+++ 19:05 Kurzes Treffen erwartet - "no paper" +++
Die EU-Finanzminister machen sich auf den Weg zu ihrem Treffen, das schon um 19:00 anfangen sollte. Während EZB-Chef Mario Draghi schon Platz genommen haben soll, ist Eurogruppen-Chef Jeroen Dijesselbloem noch auf dem Weg. Das Treffen soll EU-Kreisen zufolge ohnehin kurz werden: Es gebe kein Dokument, über das zu entscheiden wäre, heißt es. Das Treffen mit Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras habe nicht viele Fortschritte gebracht.



+++ 19:05 Finanzminister-Treffen zu Griechenland verzögert sich deutlich +++
Die Journalisten haben die Caféteria-Signale (s.u.) richtig gelesen: Der Beginn des möglicherweise entscheidenden Treffens der EU-Finanzminister zur Lösung der Griechenland-Krise dürfte sich deutlich verzögern. Es gebe noch eine Menge ungelöster Probleme, hieß es aus der griechischen Delegation in Brüssel.

Bei EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker dauerten die Vorverhandlungen auf Spitzenebene an. Am Tisch saßen unter anderen EZB-Chef Mario Draghi und IWF-Christine Lagarde. Es sei kein Ende dieser Runde absehbar, hieß es aus Diplomaten-Kreisen. Bevor diese Gespräche nicht fertig seien, werde die Eurogruppe nicht beginnen. Ein Knackpunkt sei, dass Athen eine Verlagerung der Schulden auf den Euro-Rettungsschirm ESM verlange. Das lehnten die Geldgeber ab.

Der Beginn des Treffens der Finanzminister war ursprünglich auf 19.00 Uhr angesetzt.

Beim Warten auf die Verhandlungsergebnisse lesen Sie bei uns, warum EZB-Chef Mario Draghi bei den Verhandlungen die Zügel in der Hand hat und der IWF den Bad Cop gibt.

+++ 18:45 Lange Verhandlungsnacht in Brüssel: Caféteria bis 24:00 Uhr geöffnet +++
Wenn sie die Zeichen richtig deuten, dann haben die Journalisten in Brüssel eine lange Nacht vor sich: "Die Caféteria bleibt bis 24:00 Uhr offen", twittert Eleni Varvitsiotis, EU-Korrespondentin der griechischen Zeitung Kathimerini. Ein Follower macht sich Sorgen, dass das aber nur noch Automatenfutter bedeutet: Die Kaffeemaschinen werden schließlich um 17:00 Uhr abgestellt.

+++ 18:00 Lagarde: Auch Gläubiger müssen sich bewegen +++
Eine griechische Erholung erfordert nach Ansicht von IWF-Chefin Christine Lagarde nicht nur Reformen. Auch die europäischen Gläubiger müssten sich bewegen, um sicherzustellen, dass die Schuldenlast tragbar sei. Der griechische Reformplan darf sich wiederum ihrer Ansicht nach nicht alleine auf Steuererhöhungen stützen.

In einem Interview mit einem französischen Magazin betonte Lagarde zudem, dass sie keinen Grexit wolle.

+++17:45 Griechen stecken ihr Geld in Gold +++
Auf der Suche nach krisenfesten Investments investieren viele Griechen ihr Geld derzeit verstärkt in Gold. Bei Edelmetall-Händlern in Deutschland legten die Aufträge aus Griechenland zuletzt deutlich zu. Der Frankfurter Internet-Händler Coininvest zählte nach eigenen Angaben in der vergangenen Woche dreimal so viele Aufträge für Münzen und Barren wie sonst. Normalerweise liege der Wochenumsatz in Griechenland bei 200.000 Euro. In der vergangenen Woche seien es 600.000 Euro gewesen. Vor allem Großaufträge einzelner Kunden hätten stark zugenommen.

+++ 17:30 Syriza-Vertreter - Gläubiger-Vorschläge "absurd"+++
Ein griechischer Regierungsvertreter bezeichnet die jüngsten Vorschläge der Gläubiger nach Angaben eines Syriza-Mitglieds dem politischen Komitee der Regierungspartei gegenüber als "absurd".

+++ 17:00 S&P warnt vor Dominoeffekt +++
Griechenlands Schuldenprobleme bedrohen nach Einschätzung der US-Ratingagentur Standard & Poor's die Bonitätsnoten mehrerer südosteuropäischer Länder. Für Bulgarien, Mazedonien, Albanien, Rumänien und Serbien könnte sich die enge Verflechtung ihrer Finanzsysteme mit griechischen Banken negativ auswirken, teilte S&P mit.

Sollte Griechenland aus der Euro-Zone ausscheiden, wäre ein Domino-Effekt zu befürchten: Griechische Banken drohten bei einem Bankrott ihre Tochtergesellschaften in den südosteuropäischen Staaten mit in den Abgrund zu reißen.

+++ 16:24 "Keine Diskussionsgrundlage" +++
Die Deutsche Presse-Agentur meldet, die drei Institutionen hätten sich bis zum Nachmittag noch nicht mit der griechischen Regierung auf eine grundsätzliche Vereinbarung für ein Spar- und Reformpaket verständigt. Bisher gebe es "keine Diskussionsgrundlage" für das Treffen der Euro-Finanzminister, das eigentlich am Abend stattfinden soll.

Eine lesenswerte Einschätzung der Verhandlungen durch den Wirtschaftswissenschaftler Christian Odendahl finden Sie hier.

+++ 16:15 Gegenvorschlag der Institutionen im "Änderungen nachverfolgen"-Modus +++
Auch die "Financial Times" hat den Gegenvorschlag der Gläubiger ausgewertet. Drei der wichtigsten Punkte:

Griechenland soll das reale Renteneintrittsalter bis 2022 auf 67 erhöhen (statt bis 2025; ursprünglich hatte Athen 2036 anvisiert).
Der sogenannte Solidaritätszuschlag für besonders arme Rentner soll 2017 auslaufen (statt 2020).
Die meisten der von der griechischen Regierung geplanten Steuererhöhungen, die Unternehmen getroffen hätten, wurden von den Gläubigern gestrichen.

Die Überarbeitung wurde von den Institutionen im "Änderungen nachverfolgen"-Modus vorgenommen. Selbst Kommata hat der zuständige Sachbearbeiter ergänzt, das Wort "moreover" (ferner) wurde durch "in addition" (zusätzlich) ausgetauscht. In einem Satz wurde das Wort "medizinische Bedarfsgüter" durch "Medikamente" ersetzt (die, wie Bücher, unter einen speziellen Mehrwertsteuersatz von 6 Prozent fallen sollen).

Laut FT ähnelt dieser Vorschlag sehr dem Papier, das Tsipras vor drei Wochen übergeben wurde – in der Logik der Verhandlungen könnte sich die griechische Regierung folglich beschweren, keine "neuen Vorschläge" aus Brüssel vorgelegt bekommen zu haben.

+++ 15:14 "Wer blinzelt zuerst?" +++
Kollege Marcus Walker vom "Wall Street Journal" bringt die politische Zwickmühlen in drei Sätzen auf den Punkt: "Tsipras will Kürzungen vermeiden. Der IWF will Kürzungen oder einen Schuldenerlass. Merkel will einen Schuldenerlass vermeiden. Wer blinzelt zuerst?"

+++ 14:20 Schäuble-Sprecher: Athen muss sich bewegen +++
Das Bundesfinanzministerium äußert sich zurückhaltend zu den Erfolgsaussichten des Treffens der Euro-Finanzminister heute Abend. "Wir gehen mit realistischen Erwartungen in diese Sitzung", sagt der Sprecher von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, Martin Jäger. "Es liegt da noch ein weites Stück Weg vor uns." Nachdem die Gläubiger-Institutionen Athen sehr weit entgegengekommen seien, gehe Berlin "davon aus, dass es nun an der griechischen Seite ist, sich zu bewegen".

+++ 14:18 Institutionen fordern stärkere Rentenkürzungen +++
Das "Wall Street Journal" hat Details über die Differenzen zwischen Griechenland und den Institutionen. So habe die griechische Regierung die Unternehmenssteuern auf 29 Prozent anheben wollen. Die Gläubiger wollen diese Steuer laut WSJ auf 28 Prozent beschränken. Dem Bericht zufolge akzeptieren die Gläubiger auch nicht die geplante Sondersteuer für Unternehmen mit Gewinnen über 500 Millionen Euro.

Bei den Renten fordere der IWF weitere Einschnitte, beispielsweise auf einen Verzicht von Sonderleistungen für die ärmsten Rentner. Die griechische Regierung hatte dagegen die Arbeitgeberbeiträge zu den Sozialversicherungen anheben und die Frühverrentung einschränken wollen. Zudem wollen die Institutionen die Einsparungen beim Militärhaushalt auf 400 Millionen Euro verdoppeln. (Seit 2009 hat Griechenland seine Militärausgaben um knapp 48 Prozent zurückgefahren.)

Das pdf mit den Änderungen der Institutionen finden Sie hier.

Angesichts dieser gravierenden Unterschiede zwischen dem Vorschlag der griechischen Regierung und dem Gegenvorschlag der Institutionen ist unklar, ob und wie heute eine Einigung erreicht werden kann. Entsprechend sorgenvoll sah Tsipras aus, als er zum Treffen mit den Institutionen ging.



+++ 13:30 Verhandlungen schon jetzt in der Schwebe +++
Hier ein kurzer Überblick über den aktuellen Stand:

Am Vormittag ließ Ministerpräsident Tsipras in Athen verlauten, dass die internationalen Geldgeber die von seiner Regierung vorgeschlagenen Maßnahmen nicht akzeptieren.
Zur Mittagszeit heißt es in EU-Kreisen in Brüssel, die Verhandlungen mit Griechenland seien nicht abgebrochen worden. Das Treffen der Institutionen mit Tsipras werde wie geplant stattfinden.
Später meldet Reuters, die Gläubiger hätten der griechischen Regierung neue Gegenvorschläge präsentiert, um die Differenzen zu überbrücken. Hauptstreitpunkte sind nach wie vor die Mehrwertsteuer, das Rentensystem und die Unternehmensbesteuerung.

Um 12.32 Uhr twitterte Tsipras, "die wiederholte Zurückweisung gleichwertiger Maßnahmen durch bestimmte Institutionen gab es noch nie - weder in Irland noch in Portugal" - gemeint ist offenbar der IWF. Diese seltsame Haltung scheine darauf hinzudeuten, so Tsipras in einem zweiten Tweet, dass es entweder kein Interesse an einer Einigung gebe oder das Sonderinteressen unterstützt werden sollten. (Mit dem Hinweis auf die Sonderinteressen dürfte Tsipras meinen, dass seine Regierung aus dem Amt gefegt werden solle.)

Einen Artikel über die undurchsichtige Rolle des IWF lesen Sie hier.



+++ 13:09 Eurogruppe spricht über Schuldennachlass für Griechenland +++
Die Finanzminister der Eurozone werden nach Aussage des ehemaligen griechischen Ministerpräsidenten Lucas Papademos heute über eine weitere Schuldenerleichterung für Griechenland sprechen. Papademos äußerte sich bei einer Konferenz der Deutschen Bundesbank in Frankfurt ausführlich zur Notwendigkeit eines Schuldennachlasses, sagte dann aber auf eine Nachfrage: "Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen, weil die Eurogruppe heute Nachmittag darüber reden wird."

+++ 13:00 Letzter Akt? +++
Heute beginnt – wieder einmal – der letzte Akt im Drama um die griechischen Staatsschulden.

Zur Mittagszeit kommen EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, EU-Währungskommissar Pierre Moscovici, IWF-Chefin Christine Lagarde, EZB-Präsident Mario Draghi, Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem und der Chef des Euro-Rettungsschirms, Klaus Regling, im EU-Kommissionsgebäude in Brüssel zusammen.
Etwa eine Stunde später soll der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hinzustoßen.
Sollten sich Tsipras und die Geldgeber einigen, wird der berühmte Ball (der ja grundsätzlich "im Feld der anderen Seite" liegt) um 19.00 Uhr auf die andere Straßenseite vom EU-Kommissionsgebäude gespielt. Denn dann kommen die Euro-Finanzminister in einem Nebengebäude des EU-Rates zu einer Sondersitzung zusammen.
Falls es eine Einigung zwischen Institutionen und Griechenland gibt, könnte die Eurogruppe grünes Licht für die Auszahlung von Hilfsgeldern geben. Zunächst würde vermutlich das aktuelle Hilfsprogramm verlängert; Dijsselbloem hat bereits deutlich gemacht, dass eine Auszahlung der vollen Summe von 7,2 Milliarden Euro vor dem 30. Juni "undenkbar" ist.
Sollten die Verhandlungen scheitern, könnte die Eurogruppe erörtern, wie sich der Rest der Währungsunion auf einen Finanzkollaps in Athen vorbereiten soll.
Morgen Nachmittag treffen sich die Staats- und Regierungschefs zu ihrem regulären, zweitägigen Gipfel im Hauptgebäude des EU-Rates. Sie könnten einer Einigung ihren Segen geben. Eigene Entscheidungen, so viel hat Bundeskanzlerin Angela Merkel klargestellt, wollen die "Chefs" nicht fällen. Wenn es heute keine Einigung gibt, dürfte das Drama in einen weiteren "letzten" Akt gehen

 
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