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Ultimatum oder Kompromiss? : Athens Gläubiger suchen die Entscheidung

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Ultimatum oder Kompromiss? : Athens Gläubiger suchen die Entscheidung

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Um Griechenlands Regierung zum Einlenken zu bewegen, senden die Gläubiger Athen ein neues Angebot. Angeblich soll es die letzte Offerte sein – und zugleich eine Lösung ermöglichen.

Der Streit zwischen Griechenland und den internationalen Geldgebern scheint auf ein baldiges Ende zuzusteuern – der Ausgang bleibt allerdings offen. Die Gläubigergruppe aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds wollen der griechischen Regierung noch im Laufe des Tages ein Angebot unterbreiten, um eine Einigung zu erzielen. Obwohl über den Inhalt nichts offiziell bekannt ist, interpretieren viele Beobachter die Offerte als Ultimatum frei nach dem Motto: "Friss oder stirb."

Mit anderen Worten: Sollte Griechenland die Bedingungen nicht akzeptieren, werden die zurückgehaltenen 7,2 Milliarden Euro aus dem laufenden Hilfsprogramm nicht ausbezahlt. In diesem Falle wäre Athen wohl sehr bald pleite.

Dabei ist es durchaus möglich, dass auf Grundlage des neuen Papiers tatsächlich eine Einigung erzielt wird. Das hängt vor allem ab, wie weit sich beide Seiten aufeinander zubewegen. Und Medienberichten sind sowohl die Gläubiger als auch Athen zu Zugeständnissen bereit: Tsipras soll in Sachen Pensionen einen Kompromiss in Aussicht stellen. Die Geldgeber sollen bereit sein, die Haushaltsvorgaben zu lockern.

Bislang verlangen die Gläubiger, dass Athen in diesem Jahr einen Primärüberschuss (also den Haushaltssaldo ohne Zinszahlungen und Schuldentilgung) von 3,5 Prozent und im kommenden Jahr von 4,5 Prozent. Die griechische Regierung will dagegen dieses Jahr maximal einen Überschuss von 1 Prozent und im kommenden Jahr von 1,5 Prozent erreichen. Selbst wenn Athen das durchsetzen könnte, stünde die Regierung vor großen Anstrengungen. Denn für dieses Jahr wird bisher allgemein mit einem Defizit gerechnet. Zudem schrumpft Griechenlands Wirtschaft wieder.

Vor diesem Hintergrund ist es wahrscheinlich, dass die Gläubiger die Vorgabe senken. Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman hat ausgerechnet, was den Unterschied zwischen einem Primärüberschuss von 4,5 und einem von 1,5 Prozent ausmacht: Der höhere würde Griechenland etwa 8 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts kosten - zusätzlich zu dem bereits vorhandenen Einbruch.

Gerüchte und Geraune

Ein Kompromiss ist auch bei den geforderten Privatisierungen möglich. Tsipras hatte in der Vergangenheit Entgegenkommen signalisiert. Schwieriger scheint eine Einigung in Sachen Arbeitsmarktreform zu sein. Die griechische Regierung will den Mindestlohn erhöhen, was die Gläubiger ablehnen. Dagegen fordern sie eine Deregulierung des Arbeitsmarkts und stößt damit auf Widerstand bei Tsipras.

Ein weiterer Streitpunkt ist das Rentensystem. Die Gläubiger halten das Rentenniveau in Griechenland für zu hoch und zu teuer. Zugeständnisse in diesem Bereich dürften für Tsipras angesichts seiner Wahlversprechen ein großes Problem sein. Doch angeblich ist er bereit, "rote Linien" zu überschreiten und unter Umständen Rentenkürzungen und ein höheres Renteneintrittsalter zu akzeptieren.

Um solche Maßnahmen durch das griechische Parlament zu bekommen, wären Zugeständnisse der Gläubiger hilfreich. Vor diesem Hintergrund wird kolportiert, die Geldgeber würden ein Entgegenkommen in Sachen Schuldenschnitt in Aussicht stellen. Was das konkret bedeutet, ist nicht klar. Und der gestrige Tag hat gezeigt, was Geraune in Sachen Griechenland häufig wert ist: nichts. Das plötzlich in die Welt gesetzte Gerücht, eine Einigung stehe kurz bevor, sorgte für Aufregung an den Finanzmärkten – bevor es nach wenigen Minuten wieder kassiert wurde.

 
"Kompletter Plan übermittelt": Tsipras kontert Ultimatum der Gläubiger

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Griechenlands Gläubiger wollen die seit Monaten festgefahrenen Verhandlungen mit einem finalen Vorschlag endlich lösen. Doch Athen weicht der Entscheidung aus. Angeblich liegt bereits ein umfassender griechischer Plan vor.


Im Streit um die Lösung der griechischen Schuldenkrise hat die Regierung in Athen nach eigenen Angaben den Gläubigern einen umfassenden Reformplan vorgelegt. "In der vergangenen Nacht wurde ein kompletter Plan übermittelt", sagte Regierungschef Alexis Tsipras in Athen. Es seien "realistische" Vorschläge, um das Land aus der Krise zu führen. Die Entscheidung liege nun bei den politisch Verantwortlichen in Europa. Weitere Details zu seinem Plan nannte er nicht.

Damit gibt Tsipras die Verantwortung für die Lösung des seit Monaten ungelösten Schuldenstreits an die Gläubiger zurück. Diese hatten Berichten zufolge gerade in der vergangenen Nacht bei einem Spitzentreffen in Berlin ein "letztes" Angebot an Athen vorbereitet, um den festgefahrenen Verhandlungen zu einem Durchbruch zu verhelfen.

Dieses Angebot wies die Athener Regierung allerdings schon vor Bekanntwerden irgendwelcher Details empört zurück. Die Regierung werde keine "Ultimaten" akzeptieren und auch keine "Erpressung" durch die Geldgeber, teilte der stellvertretende Regierungschef Yanis Dragasakis auf Twitter mit. Die griechische Gesellschaft und die Wirtschaft könnten keine weiteren harten Sparmaßnahmen ertragen, fügte der für die Finanzen zuständige Vizeregierungschef in einer weiteren Nachricht hinzu.

Gabriel drängt Athen zur Zustimmung

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel forderte Athen dagegen auf, den jüngsten, noch nicht öffentlich vorgestellten Kompromissvorschlag seiner Gläubiger anzunehmen. "Ich hoffe sehr, dass die griechische Regierung darauf eingeht", sagte Gabriel. Er sei "sehr froh", dass bei dem nächtlichen Treffen im Berliner Kanzleramt noch einmal ein Versuch zu einer Lösung unternommen worden sei, sagte Gabriel. "Die politische Konsequenz einer Insolvenz Griechenlands in der Eurozone wäre gigantisch."

Viele Menschen hätten wohl den Eindruck, besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende, so Gabriel. "Die Wahrheit ist, dass, wenn der erste Stein aus dem europäischen Haus herausbrechen würde, Europa in einem anderen Aggregatzustand wäre."

Am Abend zuvor hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident François Hollande und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker mit IWF-Chefin Christine Lagarde und EZB-Präsident Mario Draghi über das weitere Vorgehen in der Griechenlandkrise beraten. Dieses Treffen diente nach Aussagen einer informierten Person dazu, ein finales Angebot an den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras auszuarbeiten.

Beobachter werten dies als eindeutiges Zeichen, dass die Geldgeber nach dem monatelangen Hin und Her in den Verhandlungen die Geduld verlieren. Nachdem sich Tsipras lange Zeit dagegen gesträubt hat, einschneidende Maßnahmen zu Reformen und Ausgabenkürzungen zu akzeptieren, dürfte ihm nun ein Dokument vorgelegt werden, das ihn ein schweres Dilemma stürzen dürfte. Lehnt er es ab, würde Griechenland auf Zahlungsunfähigkeit, Kapitalkontrollen und möglicherweise den Abschied aus dem Euro zusteuern. Akzeptiert er es, könnte es zu einer Spaltung der Regierungspartei Syriza kommen, die die Parlamentswahlen im Januar mit dem Versprechen gewonnen hatte, die dem Land von den Kreditgebern auferlegten massiven Sparanstrengungen zu beenden und umzukehren.

 
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