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NEWS zur PKW-Maut !

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EU geht gegen PKW-Maut vor !

Im Mai 2015 stimmte der Bundesrat der PKW-Maut zu und so unterschrieb Bundespräsident Gauck vor wenigen Tagen beide Gesetze.
Das war der Startschuss für die EU-Kommission juristisch dagegen vorzugehen.
Die Kommission beschloss jetzt ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland.
Als Begründung nannte Brüssel, die Maut sei ausländischen Autofahrern gegenüber diskriminierend.

Die PKW-Maut ist in zwei Gesetze gegliedert: Das eine beschließt die Maut für In- und Ausländer, das andere regelt die Entlastung der Inländer über die Kfz-Steuer.
Genau hier liegt laut EU die Diskriminierung vor.
Wie auch die EU-Verkehrskommissiarin Violeta Bulc durch einen Sprecher mitteilen ließ, verstoße die PKW-Maut damit gegen europäisches Recht.

Deutschland wird nun zunächst ein Mahnbrief aus Brüssel vorgelegt und Berlin erhält eine Frist von zwei Monaten, um die Pläne zu überarbeiten.
Sollte bis dahin keine Einigung getroffen werden, droht der Fall vor den Europäischen Gerichtshof zu gehen.
Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, können bis zu einem Urteil zwei Jahre vergehen.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) verschob deshalb die Einführung der Maut bis zu einer Gerichtsentscheidung.
Dennoch hält er an der Vorbereitung des Mautbetriebs fest.
„Von unserem Kurs, mehr Gerechtigkeit auf der Straße zu schaffen, lassen wir uns nicht abbringen", sagte Dobrindt und argumentierte weiter, „Niemand wird diskriminiert, alle Pkw-Halter entrichten die Infrastrukturabgabe.
Was wir mit der Kfz-Steuer machen, ist ausschließlich nationale Hoheit, Brüssel hat da keine Kompetenzen."

Die Kommission hatte sich anfangs der Einführung sogenannter Infrastrukturabgaben nicht entgegengestellt.
Da es in Europa aber bereits verschiedene Maut-Systeme gibt, ist ein einheitliches System eher unwahrscheinlich.
Dazu äußerte sich der verkehrspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion Ulrich Lange, „Die EU-Kommission sollte jetzt aber auch konsequent sein und alle Mautsysteme in Europa auf den Prüfstand stellen."
Die Grünen und die FDP hingegen sehen die Maut weiter skeptisch und fordern eine generelle Rücknahme.

Sollte die Maut letztendlich nicht eingeführt werden und die Reform der Kfz-Steuer bestehen bleiben, würde sich für den Haushalt eine Einnahmelücke von rund 3,7 Milliarden Euro ergeben, so die FAZ.
Eine Maut, die Inländer doppelt belastet, lehnt Dobrindt weiterhin offiziell ab.


 
Dobrindts Maut-Debakel: Aufgeschoben ist doch aufgehoben !

Berlin. Bundesverkehrsminister (CSU) stoppt die Einführung der Straßengebühr, bis der Rechtsstreit mit der EU-Kommission geklärt ist.
Und das kann dauern.

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Alexander Dobrindt hat eine schwere Schlappe erlitten, doch er lässt sich nichts anmerken.
„Brüssel irrt, unsere Pkw-Maut entspricht voll dem Europarecht“, sagt der Verkehrsminister am Donnerstag im Bundestag.
„Wir werden eine sehr harte Auseinandersetzung führen.“
Der CSU-Politiker wirkt provozierend gelassen bei seinem Auftritt, er vermeidet scharfe Angriffe, dabei ist das politische Debakel doch mit Händen zu greifen.

Am Vormittag ist in seinem Ministerium ein Brief der EU-Kommission eingetroffen, in dem ein Vertragsverletzungs-Verfahrens angekündigt wird.
Die bereits per Gesetz beschlossene Gebühr für Fernstraßen in Deutschland diskriminiert aus Brüsseler Sicht ausländische Fahrer, weil die unterm Strich als einzige belastet werden.

Auf unbestimmte Zeit verschoben
Der Minister zieht umgehend die Notbremse: Die Einführung der für 2016 geplanten Pkw-Maut wird auf unbestimmte Zeit verschoben - bis das höchste EU-Gericht entschieden hat, wie Dobrindt ankündigt.
Solange soll offenbar auch die für 2016 terminierte Absenkung der Kfz-Steuer auf Eis liegen.

Es spricht einiges dafür, dass die umstrittene Maut nun gar nicht mehr kommt, der Minister mit seinem wichtigsten, allein von der CSU forcierten Projekt gescheitert ist.
Dabei will er, allen Warnungen zum Trotz, fest an den Erfolg geglaubt haben: „Für uns war klar, dass die EU-Kommission bereit ist, unseren Weg mitzugehen“, berichtet er in seinem Ministerium.
Es habe intensive Debatten gegeben und eine „sehr einvernehmliche Lösung.“
Sogar die Preise für Kurzzeit-Vignetten seien auf Brüsseler Anregung noch verändert worden.

Juncker zweifelte
Erst als EU-Kommissar Jean-Claude Juncker vor zwei Wochen öffentlich Zweifel am Gesetz äußerte, ahnten sie im Verkehrsministerium, dass etwas schief gegangen war.
Es gebe Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Maut, weil sie ausländische Fahrzeughalter diskriminiere, moniert die Kommission nun offiziell in ihrem Mahnschreiben.
Deutsche Nutzer zahlten die Maut in Wahrheit nicht, weil für sie die Kfz-Steuer abgesenkt werde.
Der Minister nennt die keineswegs neue Einwände unverständlich: Die Senkung der Kfz-Steuer sei allein eine nationale Angelegenheit, „das geht Brüssel nichts an“.
Es müsse möglich sein, eine Doppelbelastung heimischer Autofahrer bei dem auch von der EU befürworteten Systemwechsel zu verhindern.
So sei in Großbritannien vor einem Jahr parallel zur Einführung der Lkw-Maut die Kfz-Steuer für Lastwagen abgesenkt worden, erzählt Dobrindt.

Innerhalb der nächsten zwei Monate muss die Bundesregierung Stellung zu den Brüsseler Bedenken nehmen.
Theoretisch hätte Berlin die Möglichkeit, das Gesetz nachzubessern.
Die Kommission hatte schon als Fingerzeig ins Gespräch gebracht, Maut und Steuersenkung zeitlich zu entkoppeln.
Die Koalition wird aber kein Modell mittragen, bei dem deutsche Autofahrer auch nur vorübergehend Mehrbelastungen tragen müssen.

Dobrindt schließt Nachbesserungen schon aus.
500 Millionen Euro - großzügig kalkuliert und verzichtbar
Der Minister weiß, dass ihm Moment nicht viel passieren kann.
Die Vereinbarkeit des ungeliebten Gesetzes mit EU-Recht hat die gesamte Bundesregierung bestätigt, dafür haftet er nicht allein.
Auf die ohnehin großzügig kalkulierten Nettoeinnahmen von rund 500 Millionen Euro im Jahr kann der Bund locker verzichten.

Der Verkehrsminister plant deshalb fest ein, dass die EU-Kommission im Sommer vor dem Europäischen Gerichtshof klagen wird.
Das muss noch nichts heißen: Die Kommission ist in letzter Zeit mit mehreren Klagen gegen Deutschland gescheitert.
Aber: Rund zwei Jahre dauert es im Schnitt, bis das höchste EU-Gericht ein Urteil fällt.
Gut möglich, dass die Wahlperiode 2017 zu Ende geht, bevor die Richter entscheiden - und die nächste Koalition eine noch gar nicht eingeführte Pkw-Maut gleich wieder kippt.

Zeichen der Erleichterung?
Dobrindt reagiert auf seine Weise. Sogar die zeitaufwändige Ausschreibung für das Mautsystem soll erst nach einem Gerichtsurteil beginnen.
Daher würde die Maut selbst im günstigsten Fall ihren Praxistest erst nach der Wahl 2017 erleben.
Das hat für Dobrindt durchaus Reiz: Das eigentliche Risiko bestand für ihn bisher in einem Pannen-Start der Pkw-Maut - der für Januar 2016 geplante Beginn ist längst abgesagt, zuletzt hieß es, die Gebühr solle „im Laufe 2016“ kommen.
Ob bis dahin das technische System steht, ist ebenso ungewiss wie die Frage, ob die Einnahmen überhaupt die Kosten decken.

Ist Dobrindts zur Schau getragene Gelassenheit über das Brüsseler Bremsmanöver also in Wahrheit ein Zeichen der Erleichterung?
Diesen Eindruck wehrt er ab.
Er sei „durchaus verärgert“, versichert Dobrindt ruhig.
Er hoffe jetzt aber, dass auch in der CSU alle die Entscheidung zur Verschiebung mittragen.


 
Peinliche Notbremsung !

Ist das Theater um die umstrittene Pkw-Maut denn nie zu Ende?
Der Verkehrsminister gibt sich zwar überrascht, die vielen Kritiker der Pkw-Maut dagegen fühlen sich einmal mehr bestätigt: Es war zu erwarten, dass die EU-Kommission auf dem Rechtsweg gegen die deutsche Straßengebühr vorgeht.
Da droht eine große Blamage für Dobrindt und seine CSU, eine mit langer Ansage obendrein.

Gewiss, eine Klage der EU-Kommission bedeutet für sich gesehen noch nicht das Scheitern des Maut-Projekts.
Wie am Ende ein EU-Gericht entscheidet, ist offen. Aber in diesem Fall wiegen die Zweifel an der Vereinbarkeit mit EU-Recht schwer.
Dobrindt weiß schon, warum er jetzt eilig die Einführung der elektronischen Vignette stoppt und in Ruhe das Gerichtsurteil abwarten will; das Risiko, andernfalls viele Millionen für die Vorbereitung in den Sand zu setzen, ist hoch.

So peinlich die Notbremsung für die CSU – und für die Koalition insgesamt – ist, so hilfreich dürfte sie für die Verkehrspolitik insgesamt sein.
Die Pkw-Maut war von Anfang an ein unsinniges, überflüssiges Projekt.
Der bürokratische Aufwand steht in keinem Verhältnis zu den erhofften Erlösen.
Wenn nicht EU-Richter dieses Vorhaben stoppen, sollte es der nächste Bundestag tun.


 
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