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Nach vollstreckten Todesurteilen: Heftiger Protest regt sich gegen Indonesien

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Nachdem Indonesien acht Drogenschmuggler rigoros hingerichtet hat, hagelt es international Kritik. Die Bundesregierung bezeichnet das Vorgehen als "unmenschlich", in Australien formiert sich ein Boykott der Inselnation.

Die Hinrichtung von acht Drogenschmugglern in Indonesien hat international scharfe Kritik und auch diplomatische Verstimmungen ausgelöst. Australien wollte seinen Botschafter zu Konsultationen zurückrufen. Der australische Regierungschef Tony Abbott sprach von "grausamen und unnötigen Hinrichtungen". Zwei der Männer, die kurz nach Mitternacht vor ein Erschießungskommando gestellt wurden, kamen aus Australien. Seine Regierung könne "nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", sagte Australiens Premier Abbott. Die Beziehungen beider Länder hätten Schaden genommen.

Menschenrechtsorganisationen reagierten betroffen und erschüttert. "Es ist äußerst bedauerlich und äußerst traurig, dass diesen Menschen das Leben genommen wurde", erklärte ein Sprecher des UN-Hochkommissars für Menschenrechte in Genf. Amnesty International sprach von einem "sinnlosen, tragischen und verheerenden, vom Staat sanktionierten Mord".
Todesstrafe wegen Drogendelikten verboten

Indonesien beharrt darauf, dass die Geißel des Drogenkonsums nur mit abschreckenden Strafen bekämpft werden kann. Der Sprecher des Auswärtigen Amts, Martin Schäfer, sagte: "Aus Sicht der Bundesregierung ist die Todesstrafe eine unmenschliche und grausame Art der Bestrafung, die wir unter allen Umständen ablehnen." Er verwies auch auf einen Beschluss des Menschenrechtsausschusses der Vereinten Nationen, der die Todesstrafe wegen Drogendelikten für unzulässig erklärt habe. Zudem sei es nach allen wissenschaftlichen Erkenntnissen "sehr zweifelhaft", dass die Todesstrafe abschreckend wirke.

UN-Chef Ban und die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini riefen die indonesische Regierung auf, alle Exekutionen in dem Land auszusetzen. Ban sagte, die Todesstrafe habe keinen Platz im 21. Jahrhundert. Die EU erklärte, sie sei überdies bereit, Indonesien beim Kampf gegen den Drogenhandel zu unterstützen.

Die französische Regierung versucht indes, die Hinrichtung eines Landsmanns zu verhindern, der ebenfalls wegen Drogenschmuggels zum Tode verurteilt worden war. "Frankreich (...) erinnert an seine Ablehnung der Todesstrafe an allen Orten und unter allen Umständen", erklärte ein Sprecher des Außenministeriums in Paris.

Boykottaufrufe gegen Indonesien

Außer den zwei Australiern wurden ein Brasilianer, ein Indonesier und vier Nigerianer exekutiert. Die Hinrichtung einer 30-jährigen Philippinerin wurde in letzter Minute ausgesetzt. Stunden vorher hatte sich auf den Philippinen eine Frau der Polizei gestellt, die die 30-jährige Mutter von zwei Kindern ohne ihr Wissen als Drogenkurierin ausgenutzt haben soll.

Canberra protestierte seit Wochen scharf gegen die Todesurteile. Die beiden Australier hätten Reue gezeigt und sich im Gefängnis völlig gewandelt. In Australien war die Empörung groß. In sozialen Netzwerken kursierten Boykottaufrufe unter dem Hashtag #BoycottIndonesia oder #Boycottbali. Die Ferieninsel Bali ist fest in australischer Hand, vergleichbar mit dem Ferienziel Mallorca für die Deutschen.

Abbott warnte indes vor Boykott-Maßnahmen. Die Beziehungen zu Indonesien seien wichtig: "Wir müssen sicherstellen, dass unser Ärger eine schlimme Situation nicht noch schlimmer macht." Indonesien zeigte sich unbeeindruckt von möglichen Handelssanktionen. "Wir importieren mehr von Australien als umgekehrt. Wenn der Handel eingefroren wird, leiden die Australier stärker", meinte Vizepräsident Jusuf Kalla nach Angaben der Zeitung "Jakarta Post".
 
Hinrichtung in Indonesien: Mary Jane Veloso in letzter Minute gerettet



Mary Jane Veloso sitzt in einer Todeszelle in Indonesien. Sie ist eine von neun Gefangenen, die durch einen Schuss ins Herz hingerichtet werden sollen. Doch in letzter Minute nimmt eine andere Frau die Schuld auf sich. Kann das das Leben der 30-Jährigen retten?

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Nur wenige Stunden vor Mitternacht gab der indonesische Generalstaatsanwalt HM Prasetyo bekannt, dass "nach null Uhr neun Insassen des Todestraktes hingerichtet" werden sollen. Prasetyo lehnte damit die gemeinsame Bitte Australiens, Frankreichs und der EU ab, die Exekution der Häftlinge auszusetzen.

Schon eine halbe Stunde nach Mitternacht machten die ersten Meldungen die Runde, dass ein Erschießungskommando acht Menschen hingerichtet habe. Die Philippinerin Mary Jane Veloso war als einzige der Verurteilten verschont worden.

Veloso wurde nicht erschossen, weil sich in letzter Minute eine andere Frau der Polizei gestellt hatte. Die Frau, Maria Kristina Sergio, war wegen Menschenschmuggels gesucht worden. Bei der Polizei in der philippinischen Provinz Nueva Ecija gab sie an, die "unwissende Mary Jane als Drogenkurierin" missbraucht zu haben. Veloso war 2010 in der indonesischen Stadt Yogyakarta mit 2,2 Kilo Heroin im Koffer verhaftet worden. Sie beteuerte stets, nichts von den Drogen gewusst zu haben. Doch man hatte ihr nicht geglaubt und sie zum Tode verurteilt.

Was war passiert?

Die beiden Frauen kennen sich nach Velosos Angaben bereits seit ihrer Kindheit. Sie seien sogar entfernte Verwandte, hätten sich aber eher als Freundinnen verstanden - und sich gegenseitig geholfen. Im Jahre 2010 habe sich Sergio bei Veloso gemeldet und ihr eine Stelle als Hausmädchen in Malaysia angeboten, zu einem ordentlichen Gehalt. Zudem habe sie ihr ein Motorrad und ein Mobiltelefon versprochen.

In Malaysia angekommen soll Veloso von ihrer Freundin erfahren haben, dass der Job bereits vergeben sei, sie ihr aber umgehend eine adäquate Stelle vermitteln wolle. Schon nach kurzer Zeit soll Sergio fündig geworden sein – allerdings nicht in Malaysia, sondern in Indonesien. Veloso willigte ein und habe sich umgehend auf den Weg nach Yogyakata gemacht. Ihre Freundin habe ihr den Flug bezahlt, umgerechnet einige Hundert Euro Bargeld gegeben und einen neuen Koffer für das Gepäck.

In Yogyakarta endete schließlich die Reise der damals 25-jährigen zweifachen Mutter. Drogenfahnder beschlagnahmen ihren Koffer, in dem sich über zwei Kilo Heroin befanden.

Die junge Frau landet in einem Gefängnis, ohne dass ihre Familie und die philippinische Botschaft informiert werden. Erst nach drei Monaten wird die Geschichte der vermeintlichen Drogenkurierin publik gemacht.

Obgleich sich die Regierung in Jakarta umgehend für ihre Staatsbürgerin einsetzt, erhält Mary Jane Veloso in Indonesien keinen rechtsstaatlichen Prozess. Sie kann nicht einmal der Verhandlung richtig folgen, weil ihr das Gericht einen Dolmetscher verweigert. Obgleich die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe für Veloso fordert, verurteilt das Gericht sie zum Tode.

Alle Gnadengesuche abgelehnt

In den Folgejahren versuchen ihre Anwälte immer wieder, eine Wiederaufnahme des Verfahrens zu erwirken - bis heute ohne Erfolg. Sogar der philippinische Präsident bittet seinen indonesischen Amtskollegen um Gnade - ebenfalls ohne Erfolg. Auf den Philippinen wird Mary Jane als Opfer indonesischer Justizwillkür bekannt. Mehrere Opferverbände und Menschenrechtsgruppen gründen Initiativen zur Rettung Velosos. Auch im Internet schließen sich Hunderttausende unter #SaveMaryJane der Forderung an, die nunmehr 30-Jährige zu verschonen. Alles bislang vergebens.

Als Mary Jane Veloso am 28. April 2015 in ihrer Todeszelle auf das Erschießungskommando wartet, das sie mit einem Schuss in Herz hinrichten soll, ist ihr Sarg bereits gezimmert, das schlichte Holzkreuz beschriftet. Von ihren Angehörigen hatte sie sich am Vortag verabschieden dürfen. Ihren zwölf- und sechsjährigen Söhnen soll sie erklärt haben, "wenn Mama nicht nach Hause kommt, denkt einfach daran, dass Mama im Himmel ist".

Als schließlich die Meldung veröffentlich wurde, dass acht Männer hingerichtet worden seien, soll ihre Familie "ekstatisch, sprachlos und in Tränen aufgelöst" auf die Nachricht reagiert haben, die bedeuten musste, dass man Veloso in letzter Minute verschont hatte.

Nach Angaben der indonesischen Behörden wurde "die Hinrichtung von Mary Jane Veloso verschoben, weil der philippinische Präsident darum bat - wegen einer Verdächtigen, die sich auf den Philippinen gestellt hat". Der philippinische Staatschef Benigno Aquino ließ erklären, sein Land sei Indonesien dankbar. "Wunder werden wahr", sagte auch Velosos Mutter Celia einem philippinischen Radiosender.

Ob Veloso eines Tages wieder in ihre Heimat zurückkehren wird, ist noch unklar. Die indonesische Staatsanwaltschaft stellte klar, dass die Hinrichtung Velosos nur aufgeschoben sei, damit die zum Tode verurteilte Frau als Zeugin im kommenden Prozess gegen ihre ehemalige Freundin Maria Kristina Sergio aussagen könne. Nur wenn Sergio umfassend gesteht, dass sie Veloso ohne deren Wissen als Drogenkurierin missbrauchte, könnte das das Leben der nunmehr 30-Jährigen Philippinerin retten.

 
Indonesien nimmt Exekution vor: Acht verurteilte Drogenschmuggler sind tot

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Allen Gnadengesuchen zum Trotz hält Indonesien an dem Todesurteil für die neun ausländischen Drogenschmuggler fest. Acht Exekutionen sind bereits vollzogen, die Tötung einer Philippinerin erhält kurzfristig Aufschub.

In Indonesien sind acht wegen Drogenhandels zum Tode verurteilte Gefangene Medienberichten zufolge kurz nach Mitternacht durch ein Erschießungskommando exekutiert worden. Bei den Hingerichteten handele es sich um zwei Australier, einen Brasilianer, einen Indonesier und vier Afrikaner, berichteten der Sender MetroTV und die Zeitung "Jakarta Post" in der Nacht. Die Erschießung einer ebenfalls zum Tod verurteilten Philippinerin wurde demnach kurzfristig aufgeschoben.

Die Häftlinge warteten im Hochsicherheitsgefängnis auf der Insel Nusakambangan seit Tagen auf die Exekution durch ein Erschießungskommando, nachdem sämtliche Berufungsanträge und Gnadenappelle negativ beschieden worden waren. Unter den Todeskandidaten waren auch die beiden australischen Drogenhändler Myuran Sukumaran und Andrew Chan, die als Anführer der Drogenbande "Bali Nine" wegen Heroinschmuggels nach Indonesien zum Tode verurteilt worden waren.

Australien hatte wochenlang vergeblich gegen die Exekution der beiden Männer protestiert. Die Hinrichtung des Franzosen Serge Atlaoui wurde dagegen nach Protesten der französischen Regierung zunächst zurückgestellt. Trotz der internationalen Proteste hielt Indonesiens Präsident Joko Widodo an den Hinrichtungen fest, die seiner Darstellung nach notwendig sind, um einen nationalen Notstand wegen des steigenden Drogenkonsums zu bekämpfen.

Indonesien zählt zu den Ländern mit den strengsten Drogengesetzen weltweit. Erst im Januar waren unter internationalem Protest sechs Menschen wegen Drogendelikten hingerichtet worden, darunter fünf Ausländer.

 
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