Michael Schmidt Salomon - Jenseits von Gut und Boese
Schmidt-Salomon zufolge existiere kein „Böse“ oder „Gut“ an sich, dabei handele es sich vielmehr um eine „Wahnidee“. Das „Gut-und-Böse-Schema“ und das damit verbundene „moralische Dreigestirn“ von „Schuld, Sühne, Strafe“ seien archaische Denkmuster. Von einem Verzicht auf diese Muster verspricht er sich paradoxerweise eine Stärkung des ethischen Bewusstseins und zugleich eine „entspanntere [...] Weltsicht“, nicht im Sinne eines „Paradies[es] auf Erden“ ohne Konflikte, aber einer vernünftigeren, gelasseneren und humorvollen Grundhaltung des Menschen. Das Buch richtet sich gegen zwei Thesen, die der Autor als „Sündenfall-Syndrom“ pathologisiert:
„Gut“ und „Böse“ würden als objektive moralische Kategorien existieren.
Der Mensch besitze als einziges Lebewesen einen freien Willen.
Schmidt-Salomon verwendet den biblischen Sündenfall dabei als Grundmetapher, da diese Geschichte die beiden Thesen illustriert und zur Grundlage der christlichen Erbsündelehre macht. Folglich benennt er den ersten Teil des Buches, in welchem er für eine Beseitigung des Syndroms plädiert, „Die neuen Früchte der Erkenntnis“. Dabei widmet sich das erste Kapitel „Abschied von Gut und Böse“ der Widerlegung der ersten These, nach der moralische Zuschreibungen objektiv erfolgen könnten. Das zweite Kapitel, „Abschied von der Willensfreiheit“, versucht durch das Referat verschiedener wissenschaftlicher Studien ein klares Bild von der Bedingtheit menschlichen Wollens und Handelns zu vermitteln. Das dritte Kapitel, „Falsche Konsequenzen“, analysiert die Willensfreiheit und die These von der objektiven Moral als kulturelle Muster, die der verantwortungsvollen Selbstentfaltung des Menschen schaden würden. Die drei Kapitel des zweiten Teils – „Das entspannte Ich“, „Entspannte Beziehungen“ und „Die entspannte Gesellschaft“ – sollen einen Entwurf liefern, wie ein Leben ohne den Einfluss des Sündenfall-Syndroms aussehen könnte. Diesen Entwurf bezeichnet Schmidt-Salomon in Anlehnung an Milan Kundera als „Die neue Leichtigkeit des Seins“. Dabei untersucht er die drei Ebenen des individuellen Gewissens, der wechselseitigen Beziehung und der Gesellschaft, und fordert für alle Ebenen eine Reduktion von Spannungen und Konflikten, wie er sie im Kapitel „Falsche Konsequenzen“ aufgezeigt hat. Das Schlusskapitel „Die frohe Botschaft für nackte Affen“ schließlich betrachtet die Ebene der Menschheit. Wenn die Existenz der Menschheit nicht als Teil eines kosmischen Kampfes zwischen Gut und Böse verstanden werde, sondern als winzige und zufällige Episode der Naturgeschichte, so erscheine die Sorge um den moralischen Wert des eigenen Verhaltens statt der Sorge um dessen reale Konsequenzen als lächerlich.
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Sprache: Deutsch
Format: PDF
Größe: 3 MB
Parts: 1
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