Lost River
Lost.River.2014.German.BDRiP.AC3.XViD-XDD
Dass Filme nicht immer zwingend eine Geschichte erzählen müssen, um als Gesamtkunstwerk anerkannt zu werden, beweist in konstanter Regelmäßigkeit das Arthouse-Kino in all seinen Facetten. Filmemacher wie Terrence Malick sind Meister auf dem Gebiet des nonlinearen Arrangements von Szenenfragmenten, die zusammengenommen zwar als Storymotiv funktionieren, allerdings in Gänze auf so etwas wie Spannungsbögen, klar definierte Höhepunkte, Pro- oder Epiloge verzichten. Was zählt, ist das ausschließlich auf die Sinne des Zuschauers abgestimmte Endergebnis. Dem Skandinavier Nicholas Winding Refn ("Drive") gelang als einem der ersten das Kunststück, den Anspruch eines solchen Erlebnisfilms mit der Konstanz eines weitestgehend normalen Plots zu kombinieren. Und weil Hollywood-Beau Ryan Gosling ("Crazy, Stupid, Love") nicht nur Refns Lieblings-Besetzungscoup darstellt, sondern obendrein auch noch ein großer Fan des Regisseurs ist, orientiert sich Gosling bei seinem Regiedebüt in Gänze an den vermeintlichen Erfolgsmechanismen seines großen Vorbilds. Dafür erntete er bei der Weltpremiere in Cannes Buhrufe, denn einen Sinn vermag man in der bedrückenden Gesellschaftsstudie "Lost River" auch bei näherem Hinsehen kaum zu erkennen. Als visueller Sinneseindruck in Spielfilmlänge funktioniert der surrealistische Albtraum hingegen ganz vortrefflich.
Es sind Bilder von Feuer, von Schmerz und von psychischer Qual, die "Lost River" dominieren und dem Mysterydrama eine ganz entscheidende Richtung vorgeben. Szenen, in welchen aus dem Nichts ein flammendes Fahrrad von rechts nach links über die Leinwand fährt oder der undurchsichtige Bully mit einer Schere Nagetiere tötet, brennen sich unter die Netzhaut des Zuschauers, der sich ganz bewusst auf die surrealistische Geisterbahnfahrt "Lost River" einlassen muss. Eine Story existiert allenfalls lose und erzählt von den Irrungen und Wirrungen innerhalb einer Familie, die am Rande des Existenzminimums vor sich hin vegetiert. Die einzelnen Szenen bauen grob aufeinander auf, doch für den Verlauf der Geschichte selbst scheint das Geschehen einzelner Szenen nie Auswirkungen zu haben. Gosling inszeniert die Bruchstücke seines Films ganz für sich und blickt dabei stur gerade aus. Am Ende sieht er das große Fragezeichen, das er sich vermutlich über sämtlichen Köpfen seiner Zuschauerschaft wünscht, denn "Lost River" ist ein Film der Auslegung und Interpretation. Hintergründe zu Figuren, geschweige denn eine sinnige Entwicklung einzelner Charakterzüge gibt es nicht. Taten haben keine Folgen und Szenen - allen voran die in einem äußerst ominösen und stark symbolisch aufgeladenen Nachtclub - finden zu keinem Ende. Dabei ist das Drehbuch nicht inkonsistent. Gosling, der ebenjenes auch schrieb, weiß um sein unübersichtliches Tohuwabohu und hat sichtlich Spaß an der visuell berauschenden Aufbereitung seiner Momentaufnahmen, die Noir-Experte Benoit Debie ("Spring Breakers") ganz hervorragend einzufangen weiß. Trotz des eher untergeordneten Faktors des Geschichtenerzählens fällt den Hauptdarstellern das nicht weniger wichtige Los zu, das Publikum durch den Wust an Sinneseindrücken zu führen. Trotz fehlender Charakterisierung ist die magische Ausstrahlung von Protagonist Bones dank Newcomer Iain De Caestecker ("Drecksau") stark. Er entführt das Publikum auf eine magische Reise, der er mit seiner kantigen Art seinen ganz eigenen Stempel aufdrückt. Auch Christina Hendricks ("Drive") überzeugt als verzweifelte Mutter mit dem unbändigen Willen, für ihre Kinder da zu sein, wohingegen Saoirse Ronan ("Grand Budapest Hotel") in ihrer kleinen Nebenrolle ebenso verschenkt ist wie Eva Mendes ("The Place Beyond the Pines") als vermeintlich undurchsichtige Cat, die vielmehr das Abziehbild einer Femme Fatale ausfüllt.
Fazit: Verkopftes Kunstkino als Erlebnis für die Sinne: Ryan Goslings Regiedebüt ist kein Film für die Masse und widersetzt sich in Gänze den Prinzipien des modernen Geschichtenerzählens. "Lost River" ist ein visuell herausragendes Klagelied auf die Einsamkeit - und ein Kinorausch, den man sich nicht entgehen lassen sollte.
Genre: Drama
Laufzeit:
Sprache/n:
Video Stream: BD-RIP
Audio Stream: Dolby Digital 5.1
Video Codec: MPEG-4 DivX / Xvid
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Größe: 1691.76 MB
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