Kerstin Ekman - Am schwarzen Wasser
Sprache: Deutsch
Archivformat: RAR
Format: epub
Hoster: Uploaded.net
Größe: 3 MB
Parts: 1 Dateien
Als ich sechs Jahre alt war, ging ich eines Winterabends allein aus Richtung Storflon auf das Dorf zu. Es herrschte strenge Kälte, und die Sterne waren hoch und spitz. Der Tannenwald beiderseits der Straße machte mir angst. Der Schnee drückte die Äste nieder, und unter den Bäumen war es schwarz. Noch mehr Angst bekam ich, als auf der Brücke ein Schatten auftauchte. Er näherte sich und wurde immer größer. Die Zollstation war die einzige menschliche Behausung am Weg, aber dort war es dunkel. Der alte Grenzwächter war ja auch schon lange tot. Man konnte nirgendwohin ausweichen, und der Fluß toste schauerlich. Mir blieb nichts anderes übrig, als demjenigen, der da auf mich zukam, gegenüberzutreten, und sollte es der Flußgeist höchstpersönlich sein. Als er vor mir stand, wagte ich mich nicht zu rühren. Er sagte etwas, was ich nicht verstand. Trotzdem meinte ich es schon einmal gehört zu haben. Da faßte er mich an, unters Kinn faßte er mich. Es war, als wollte er mein Gesicht ins Sternenlicht heben. Ich hatte meine eigene Sprache vergessen, verstand jetzt aber, daß er wissen wollte, zu wem ich gehörte und wie ich hieße. Da sagte ich, daß ich die Ziehtochter vom Händler sei und Kristin heiße.
»Risten«, sagte er. »Risten, onne maana. Onne maana!«
Als er das sagte, wurde in meinem Inneren unsere Sprache wieder lebendig. Er sprach so, daß es sich wie Gesang anhörte.
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