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Griechenland-Pleite oder -Rettung?: Im stillen Kämmerlein geht es hoch her

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Griechenland-Pleite oder -Rettung?: Im stillen Kämmerlein geht es hoch her

Tsipras stellt Plan in Brüssel vor: Berlin und Paris machen kleine Zugeständnisse

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Im griechischen Schuldendrama berät Regierungschef Tsipras zur Stunde mit EU-Kommissionspräsident Juncker über die neuesten Athener Pläne zur Beilegung der Krise. Zuvor war aus Berlin und Paris ein Entgegenkommen angedeutet worden.

Mit einem Spitzengespräch versuchen Griechenland und die EU-Kommission, den Weg für eine Rettung des pleitebedrohten Landes zu ebnen. Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras kam am Abend in Brüssel mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zusammen. Er will seinen Plan mit Reformen vorstellen, die Voraussetzung für weitere Finanzhilfen sind. Athen vermeldete vor dem Treffen ein Entgegenkommen der Hauptgläubigerstaaten Deutschland und Frankreich.

Juncker und Tsipras äußerten sich bei ihrer Begrüßung nicht, für die Fotografen gab es ein Händeschütteln, Juncker klopfte Tsipras auf die Schulter. Die EU-Kommission ging im Vorfeld des Treffens nicht davon aus, dass dieses bereits einen Durchbruch bringen würde. "Wir erwarten kein abschließendes Ergebnis heute Abend", sagte ein Sprecher Junckers. "Das ist eine erste Diskussion und keine abschließende."

Auch Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem als Vertreter der Länder der Währungsunion reiste nach Brüssel. Er sprach nach seiner Ankunft von einem "wichtigen Treffen", erwartete aber gleichfalls keine Einigung am Abend. Er traf Juncker schon vor Tsipras. Die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) als weitere Griechenland-Gläubiger entsandten dagegen keine Vertreter.

Sein Reformplan solle für Griechenland "Raum für Erholung schaffen und Grexit-Szenarien beenden", sagte Tsipras kurz vor seinem Abflug nach Brüssel mit Blick auf eine drohende Euro-Mitgliedschaft Griechenlands. Nach griechischen Presseberichten umfasst das 46-seitige Dokument unter anderem eine Reform der Mehrwertsteuer, eine Zusammenführung der Rentenkassen, die Abschaffung von Frühverrentungen und eine Beschleunigung der Privatisierungen.

Kleines Zugeständnis an Athen


Vor dem Treffen in Brüssel telefonierte Tsipras mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande. Beide hätten die "Notwendigkeit" zugestanden, die Ziele für den griechischen Primärüberschuss zu senken, hieß es kurz vor dem Brüsseler Treffen aus Regierungskreisen. Ein Sprecher der Bundesregierung bestätigte das Telefongespräch, wollte sich aber nicht zum Inhalt äußern. Der Primärüberschuss ist der Haushaltssaldo ohne Zinszahlungen und Schuldentilgung.

Athen verhandelt seit Monaten mit seinen internationalen Kreditgebern über die Bedingungen, zu denen in Aussicht gestellte Hilfsgelder von 7,2 Milliarden Euro ausgezahlt werden sollen. Nun drängt die Zeit, weil das griechische Hilfsprogramm zum Monatsende ausläuft und Athen im Juni insgesamt 1,6 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen muss, was das Land überfordern dürfte. Die erste Rate von 300 Millionen Euro wird am Freitag fällig.

Ein Sprecher von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte in Berlin, EU-Kommission, EZB und IWF hätten sich am Montag darauf verständigt, einen "eigenen Vorschlag" für die Reformen zu unterbreiten. Dieser werde für die Gläubiger "die relevante Gesprächsgrundlage sein". Schäuble selbst sah vorerst keinen Anlass zum Optimismus. Von der neuen griechischen Reformliste habe er bisher nur "ansatzweise ein bisschen gehört", sagte er. Dies ändere an seiner bisherigen skeptischen Einschätzung nichts, sondern "es bestätigt sie eher".

 
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Griechenland-Pleite oder -Rettung?: Im stillen Kämmerlein geht es hoch her

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Griechenland vor der Pleite retten, aber wie? Nach einer Lösung suchen EU-Kommissionspräsident Juncker, der griechische Regierungschef Tsipras und Eurogruppenchef Dijsselbloem. Experten sind skeptisch, ob dabei etwas Brauchbares zustandekommt.


Mit einem Krisentreffen in Brüssel sind die Verhandlungen für die Rettung Griechenlands vor der Staatspleite in der entscheidenden Phase angelangt. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, der griechische Regierungschef Alexis Tsipras und Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem arbeiteten gemeinsam Kompromissvorschläge aus, berichteten Diplomaten. "Wir haben noch eine Menge Arbeit zu erledigen", sagte der Niederländer Dijsselbloem.

Viel Zeit bleibt Athen angesichts leerer Kassen nicht. Schon am Freitag ist eine Zahlung an den Internatio nalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 305 Millionen Euro fällig. Im laufenden Monat stehen Zahlungen an den Weltwährungsfonds von insgesamt knapp 1,6 Milliarden Euro an. Athen muss zusätzlich bis Monatsende fällige Staatsanleihen von gut 5 Milliarden Euro bedienen. Experten sehen das Land damit überfordert.

"Ehrenhafter Kompromiss"

Bei dem als privat bezeichneten Treffen im Brüsseler Europaviertel kamen zunächst Juncker und Tsipras zusammen. Dann wurde Dijsselbl oem, der vorher Juncker schon unter vier Augen gesehen hatte, in die Runde dazugebeten, hieß es aus EU-Quellen. Eine endgültige Vereinbarung über das von den Geldgebern geforderte Reformpaket wurde nicht erwartet.

Tsipras betonte vor seinem Abflug nach Brüssel, Griechenland habe im Tauziehen um weitere Milliardenhilfen einen Reformplan vorgelegt, der einen für alle Seiten "ehrenhaften Kompromiss" ermögliche. Auch die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB) und der IWF haben sich auf ein gemeinsames "allerletztes" Angebot an Athen verständigt. Beide Vorschläge sollen nun abgeglichen werden. Ohne einen Kompromiss auf Reformen - dazu gehören auch Privatisierungen - können blockierte Hilfsgelder von insgesamt 7,2 Milliarden Euro nicht fließen.

Zuvor hatte Tsipras von Brüssel aus mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsidenten François Hollande telefoniert. Sie hätten darin übereingestimmt, dass Athen künftig in seinem Staatshaushalt nur niedrige "primäre Überschüsse" (ohne Zinszahlungen für Staatsschulden)erwirtschaften müsse, hieß es aus Athen. Dies war eine der Forderungen Griechenlands.

Meinungen gehen auseinander

In EU-Kreisen war davon die Rede, dass angesichts akuter Geldnot in Athen auch Zwischenlösungen erwogen werden. Alle Optionen lägen auf dem Tisch. So könnte es darum gehen, die im Juni fälligen IWF-Kreditraten zusammenzufassen und sie erst am Monatsende von Athen zu fordern. Eine andere Möglichkeit sei eine Verlängerung des Ende Juni endenden Hilfsprogramms über den Sommer hinweg.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) glaubt nicht an einen schnellen Durchbruch. "Es wird weder heute noch morgen eine endgültige Lösung geben", sagte er dem "Tagesspiegel". Deutschland und Frankreich suchen nach Angaben Merkels mit Hochdruck nach einer Lösung der Griechenland-Krise. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) beurteilt den Kompromissvorschlag Athens allerdings skeptisch. Er könne den Optimismus der griechischen Regierung nach wie vor nicht teilen, sagte er in Berlin. Die EZB geht fest von einem Verbleib Griechenlands im Euroraum aus. "Es gibt einen großen Willen und eine starke Entschlossenheit, dass wir am Ende ein gutes Ergebnis finden", sagte Notenbank-Präsident Mario Draghi in Frankfurt.

In der Nacht zum Dienstag hatten Merkel und Hollande mit Juncker und IWF-Chefin Christine Lagarde sowie Draghi in Berlin einen Kompromiss ausgelotet. Details ihres «allerletzten Angebots» wurden nicht genannt. Nach Informationen der "Welt" bewegen sich die Gläubiger im Schuldenstreit auf Griechenland zu. So forderten sie bei Renten nur noch Kürzungen von einem Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Zuvor hatten sie noch Einsparungen in Höhe von 1,5 Prozent verlangt.

Hingegen zitierte das "Handelsblatt" eine gegensätzliche Stimme aus Verhandlungskreisen: "Da liegen Welten dazwischen." Tsipras soll nach griechischen Medienberichten bereits ein ganzes Stück von seinen Wahlversprechen abgerückt sein. Unter anderem lehne er Privatisierungen nicht mehr ab. Eine umstrittene Immobiliensteuer solle bleiben. Zudem soll es eine Mehrwertsteuerreform mit mehr als einer Milliarde Euro Mehrbelastungen für die Bürger geben.

 
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