Laut einem Insiderbericht drohen die deutschen Automobilhersteller BMW, Audi und Daimler, im Falle des Verkaufs von Nokia Here an einen anderen Bieter künftig auf Kartenmaterial von Dritten umzusteigen. BMW, Audi und Daimler selbst sind am Kauf des Kartendienstes interessiert.
Anfang April hatte es erste Gerüchte bezüglich des Verkaufs der Karten- und Navigationssparte Here gegeben. Seither kommen immer mehr Einzelheiten an die Öffentlichkeit. So hieß es erst in dieser Woche, dass Nokia mit einer ganze Reihe an potentiellen Übernahmepartnern im Gespräch ist. Neben dem Bieterkonsortium aus BMW, Audi und Daimler, sind für Nokia demnach vor allem Apple, Amazon, Alibaba, Baidu, Facebook, der Satelliten-Radio-Betreiber Sirius XM und der Audio-Hersteller Harman International interessant.
Laut einem Bericht von Dow Jones Newswires spielen die deutschen Autobauer dazu jetzt eine besondere Karte aus: sie drohen bei dem Verkauf der Sparte an einen Branchenfremden mit einem Wechsel zu einem anderen Kartenanbieter.
Drohen mit Auftragsentzug
Potentiell könnten das TomTom und auch Google sein. Werden sie also nicht selbst den Zuschlag erhalten, könnte das gleich mit einem großen Auftragsverlust für den neuen Here-Eigentümer einhergehen. Experten beziffern den Anteil von BMW, Audi und Daimler am Umsatz von Nokia Here auf gut 30 Prozent. Das würde sich wiederum gleich auf den Wert des Unternehmens auswirken. Aktuell soll rund die Hälfte des Umsatzes bei Here mit der Automobilbranche gemacht werden. Wenn davon ein Drittel wegfällt, könnte das schon relevant sein.
Die Informationen stammen von einem Insider, der Mitglied des deutschen Bieter-Konsortium sein soll. Auf Nachfrage von Dow Jones Newswires wollten die Automobilriesen diese Gerüchte aber nicht bestätigen.
Nokia hatte 2008 Navteq, den ursprünglichen Anbieter des Navigations- und Kartenmaterials, aufgekauft. Seither ist der Wert der Sparte stetig gesunken. Nokia selbst hatte damals noch 8,1 Milliarden US-Dollar bezahlt. Zuletzt wurde der Geschäftsbereich aber nur noch mit 2 Milliarden US-Dollar bewertet. Mit einem Verkauf sollen bis zu fünf Milliarden US-Dollar erlöst werden.



