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Clint Eastwood wird 85: Ein Mann, in Stein gemeißelt

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Clint Eastwood wird 85: Ein Mann, in Stein gemeißelt

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Das Gesicht von Clint Eastwood steht für Männerkino. Rauchende Colts und brutale Cops haben einen Großteil seiner Karriere bestimmt. Erst später, hinter der Kamera, fand die Filmlegende neue Themen und neuen Erfolg. Es ist ein Leben voller Widersprüche.

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Woran man einen Clint-Eastwood-Film erkennt? Vielleicht an der recht hohen Dichte an Waffen. Vielleicht an der Gewalttätigkeit oder der wortkargen Hauptfigur. Schwer zu sagen, denn Eastwood hat in den vergangenen 60 Jahren an mehr als 50 Filmen mitgewirkt. Vor und hinter der Kamera, als Schauspieler, Regisseur, Produzent und Komponist. Die einen bewundern ihn als legendären Westerndarsteller. Die anderen erinnern sich an den zynischen Cop "Dirty Harry" oder an die unzähligen Actionfilme seiner Karriere. Wieder andere haben Eastwood in den letzten Jahren als Filmemacher schätzen gelernt, der nachdenkliche Stoffe auf die Leinwand bringt und damit Oscars einsammelt.

Eastwood hat kleine Filme gedreht und Streifen mit recht großen Budgets (die im Vergleich zu heutigen Blockbustern aber wie Mini-Produktionen anmuten). Er hat großartige Werke geschaffen und Mittelmaß. Er hat Herzensprojekte realisiert und Dokus vorgelegt. Es ist schwer, all diese Werke und Facetten unter einen Hut zu bringen, vor allem seit Eastwood in den 80er-Jahren seine ausgetretenen Western- und Action-Pfade verließ und sich ambitionierteren Projekten widmete, vom Musikfilm "Bird" bis zum Boxerstreifen "Million Dollar Baby".

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Die Karriere des Amerikaners, der am 31. Mai vor 85 Jahren in San Francisco geboren wurde, ist lang, wendungsreich und reich an Widersprüchen. "Konservativer Rebell" wurde er einmal genannt. Und als das Filmfestival von Cannes ihm 2009 die Goldene Palme für sein Lebenswerk verlieh, begründete sie dies mit Eastwoods Fähigkeit, eine "Synthese des klassischen und des modernen amerikanischen Kinos" zu schaffen.

Dreckig, gewalttätig, pessimistisch

Klassisch waren lange die Rollen, die der 1,93 Meter große Eastwood spielte: Revolverhelden, Polizisten, Soldaten oder Draufgänger. Sein kantiges Gesicht stand für Männlichkeit, die Gewalttätigkeit seiner Figuren für pures Testosteron. Doch die Ausgestaltung dieser Rollen war modern: Sein dreckiger, auf einem Zigarrenstummel herumkauender Pistolero, den er in "Für eine Handvoll Dollar" von Sergio Leone etablierte und in "Zwei glorreiche Halunken" zur Vollendung brachte, ist wortkarg und geht über Leichen. Er hat nichts vom klassischen Westernhelden. Sein Cop Harry Calahan ist zynisch und aggressiv. Er steht im krassen Gegensatz zum properen Polizisten.

Die Grenzen zwischen Gut und Böse werden in diesen Figuren aufgelöst. Sie passten in die Zeit, in die 60er- und 70er-Jahre, als die Jugend gegen das überkommene gesellschaftliche System rebellierte, so wie in Filmen der glänzende Lack von den Bildern gekratzt wurde. Ein Sommer der Liebe waren Eastwoods Filme aber nie. Sie waren dreckig, gewalttätig und pessimistisch. Dem Publikum gefiel das, Eastwood gehörte lange Jahre zu den erfolgreichsten Schauspielern an den Kinokassen. Kritiker geißelten dagegen seine Filme als gewaltverherrlichend und reaktionär.

Eastwood machte nie einen Hehl aus seiner konservativen Einstellung: Er ist für die Todesstrafe, gegen staatliche Eingriffe und gegen militärische Auslandseinsätze der USA. Er bezeichnet sich selbst als ökonomisch-libertär, aber sozial-liberal, setzt sich etwa für den Umweltschutz und die Ehe für alle ein. Zwei Jahre war er Bürgermeister im kalifornischen Carmel. 2012 leistete er sich dann aber auch einen sehr peinlichen Auftritt beim republikanischen Parteitag.

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Der Erfolg gibt ihm recht

Die konservative Einstellung spiegelte sich oft auch in seinen Western und Actionfilmen, die schon mal politisch einfältig oder allzu patriotisch daherkommen. Irgendwann wurden seine Anti-Helden selbst zu Stereotypen: der verwahrloste und wortkarge, aber überaus coole Revolvermann und der brutale Cop, der Gesetze bricht. Eastwood muss irgendwann gemerkt haben, dass er sich im Kreis dreht. Jedenfalls wandte er sich neuen Themen zu, neuen Perspektiven, vor allem hinter der Kamera, wo er eine große Experimentierfreude an den Tag legte und sich in den verschiedensten Genres ausprobierte.

Reihenweise dreht Eastwood seither Filme. Nicht alle taugen zum Klassiker, aber er will immer neue Geschichten erzählen. Eastwood arbeitet effizient, verzichtet auf viele Wiederholungen und Proben. Im Gegensatz zu vielen Kollegen hält er deshalb Drehzeit und Budget ein. Der Erfolg gibt ihm recht: Zwei Oscars erhielt er für "Erbarmungslos", einen für die Regie, einen als Produzent für den besten Film. Noch einmal interpretiert er darin den Westernmythos neu: Sein Revolverheld hat hier nichts mehr von der Coolness und Verschlagenheit aus den Leone-Filmen. Er ist alt geworden, züchtet Schweine, ist längst nicht mehr so treffsicher und fällt vom Pferd.

Es folgten Thriller wie "Absolute Power", Dramen wie "Mitternacht im Garten von Gut und Böse", ja selbst der augenzwinkernde Science-Fiction-Film "Space Cowboys" und die zärtliche Romanze "Die Brücken am Fluss". Für das bewegende Boxerdrama "Million Dollar Baby" erhielt er erneut zwei Oscars. Weitere Nominierungen folgten für die beiden kritischen Kriegsfilme "Flags of Our Fathers" und "Letters from Iwo Jima". "Gran Torino" von 2008 schließlich wirkte wie ein Abschluss, wie das Ende von Eastwoods Karriere. Da liegt Walt Kowalski erschossen am Boden, die Arme ausgestreckt. Er hat so getan, als zöge er seine Waffe. Doch es war eine Finte, der alte Mann hatte sein Gewehr beiseitegelegt. Es war eine Szene mit viel Symbolcharakter.

Eastwood aber mag nicht aufhören, er dreht weiter Filme, bis hin zu der unsäglichen Heldenverehrung "American Sniper". Nur vor die Kamera wird er wohl nicht mehr treten. Doch sein kantiges, wie in Stein gemeißeltes Gesicht hat sich ja längst eingebrannt in die Filmgeschichte. Es steht für hinterhältige Westernhelden und kriminelle Polizisten. Es steht für eine lange Hollywood-Karriere voller Widersprüche.

Es folgten Thriller wie "Absolute Power", Dramen wie "Mitternacht im Garten von Gut und Böse", ja selbst der augenzwinkernde Science-Fiction-Film "Space Cowboys" und die zärtliche Romanze "Die Brücken am Fluss". Für das bewegende Boxerdrama "Million Dollar Baby" erhielt er erneut zwei Oscars. Weitere Nominierungen folgten für die beiden kritischen Kriegsfilme "Flags of Our Fathers" und "Letters from Iwo Jima". "Gran Torino" von 2008 schließlich wirkte wie ein Abschluss, wie das Ende von Eastwoods Karriere. Da liegt Walt Kowalski erschossen am Boden, die Arme ausgestreckt. Er hat so getan, als zöge er seine Waffe. Doch es war eine Finte, der alte Mann hatte sein Gewehr beiseitegelegt. Es war eine Szene mit viel Symbolcharakter.

Eastwood aber mag nicht aufhören, er dreht weiter Filme, bis hin zu der unsäglichen Heldenverehrung "American Sniper". Nur vor die Kamera wird er wohl nicht mehr treten. Doch sein kantiges, wie in Stein gemeißeltes Gesicht hat sich ja längst eingebrannt in die Filmgeschichte. Es steht für hinterhältige Westernhelden und kriminelle Polizisten. Es steht für eine lange Hollywood-Karriere voller Widersprüche.

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Hollywoods unbremsbarer Rebell wird 85

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Clint Eastwood ist voller Widersprüche: knallharter Großstadt-Cop, wortkarger Westernheld und einfühlsamer Regisseur von Psychodramen. Er unterstützt die Republikaner und setzt sich gleichzeitig für liberale Anliegen wie die Homo-Ehe ein. Auf "politische Korrektheit" legt der Ex-Bürgermeister des kalifornischen Ortes Carmel keinen Wert. Gemessen an seiner Vielseitigkeit, Beliebtheit, Schaffenskraft und der Größe seiner Trophäensammlung reicht kein anderer Hollywoodstar an den 1,88 Meter großen Schauspieler, Regisseur, Produzenten und Komponisten heran.

Eastwood, der am Sonntag 85 Jahre alt geworden ist, steht ungebremst im Rampenlicht. Das Scharfschützendrama "American Sniper", sein 34. Regiewerk, spielte im Frühjahr allein in den USA fast 350 Millionen Dollar ein. Es ist Hollywoods erfolgreichster Kriegsfilm und Eastwoods bester Verdienst in seiner langen Karriere. Der Film über den hochdekorierten US-Scharfschützen Chris Kyle ist auch Stoff für eine heftige Debatte. Für das liberale Lager war es ein patriotisches Heldenepos. Regisseur Michael Moore heizte die Debatte mit der Bemerkung an, dass die meisten Amerikaner wohl nicht glauben, dass Scharfschützen Helden seien.

Eastwood scherzt über seine Senilität


Eastwood feuerte jüngst in bester Westernhelden-Manier zurück. "Alle sagten, dass ich damit gedroht hätte, Michael Moore zu töten, aber das stimmt nicht", erklärte der Regisseur im April auf der Kinomesse CinemaCon in Las Vegas. "Aber das ist gar keine schlechte Idee", fügte er augenzwinkernd hinzu. Nur Eastwood kann sich solche Machosprüche erlauben, ohne wirklich Ärger zu bekommen.

Auch seine bizarre "Stuhl"-Rede beim Parteitag der US-Republikaner vor drei Jahren konnte dem Image kaum schaden. Auf der Parteitags-Bühne hatte Eastwood zu einem leeren Stuhl gesprochen und einen unsichtbaren US-Präsidenten Barack Obama scharf angegriffen. Später scherzte er in der Talkshow von Ellen DeGeneres über sein Alter und seine Senilität. Er wollte einfach nur "ein bisschen Spaß haben", entschuldigte er den schrägen Auftritt und outete sich gleich dazu als Liberaler. Der Staat solle sich aus dem Privatleben der Bürger heraushalten, das gelte auch für die Homo-Ehe, betonte Eastwood.

Knallhart und unbarmherzig

Der Mann, der zu Beginn seiner Karriere als unbarmherziger Rächer in Italo-Western ("Für eine Handvoll Dollar") oder als knallharter Polizist ("Dirty Harry") Furore machte, zeigt als Regisseur längst eine einfühlsame Seite. Auf der CinemaCon-Messe im April erklärte Hollywoods sensibler Held das Westernepos "Erbarmungslos" (1993) und das Box- und Sterbehilfedrama "Million Dollar Baby" (2005) zu seinen Lieblingsfilmen. Seine vier Oscars gewann er als Produzent und Regisseur mit diesen beiden Werken.

Eastwood arbeitet schnell und preiswert. "Million Dollar Baby" drehte er in 37 Tagen mit einem Budget von nur 30 Millionen Dollar. "Ich habe Glück, dass ich noch arbeiten kann", bedankte sich Eastwood in der Oscar-Nacht 2005 für seinen doppelten Sieg.

Neun große Spielfilme hat er seither inszeniert, darunter die Kriegsdramen "Letters From Iwo Jima" und "Flags of our Fathers", das Polit-Drama "Invictus - Unbezwungen", über Nelson Mandelas Kampf gegen die Apartheid. In seinem sensiblen Regie-Werk "Hereafter – Das Leben danach" nahm er die Zuschauer auf eine Reise ins Jenseits mit.

Im Herzen ein Rebell

"Natürliche Neugier" gab er im April als Grund für den Wechsel hinter die Kamera an. Offensichtlich dachte er auch ans Alter. "Eines Tages schaust du auf der Leinwand auf Eastwood und du sieht einen Kerl, den du eigentlich nicht mehr sehen willst. Dann kannst du Regie führen", witzelte der ergraute Star auf der Kinomesse.

Doch glücklicherweise hat er sich noch nicht sattgesehen. Nach "Gran Torino" (2008), mit seiner meisterhaften Darstellung eines sturen Kriegsveteranen, hatte Eastwood angedeutet, dass er mit der Schauspielerei Schluss machen und sich nur noch der Regie widmen wolle. Doch vor drei Jahren meldete er sich mit der Sportkomödie "Back in the Game" als bärbeißiger, verwitweter Baseball-Scout zurück. Seine Figur ist deutlich in die Jahre gekommen, aber felsenfest davon überzeugt, noch nicht zum alten Eisen zu gehören. Das trifft auch auf Eastwood zu. Der Sohn eines Stahlarbeiters aus San Francisco ist im Herzen ein Rebell, der keine Ruhe gibt.

Konkurrenz durch seinen Sohn Scott

Nun bekommt er allerdings vom eigenen Nachwuchs Konkurrenz. In der Filmromanze "Kein Ort ohne dich" macht Eastwoods jüngster Sohn Scott (29) in Jeans und Holzfällerhemd derzeit Furore. In der Cowboy-Rolle zwinkert er manchmal so verschmitzt wie sein Vater früher. Er wollte den Film zwar sehen, sich aber mit Ratschlägen zurückhalten, sagte Eastwood Senior. "Es scheint ihm ohne mich gut zu gehen. Ich habe ihn in der letzten Zeit mit einigen Dates gesehen, das macht er viel besser als ich", witzelte er über das Liebesleben des Sprößlings.

Da mag er Recht haben. Eastwood ist Vater von sieben Kindern mit fünf Partnerinnen. Im vorigen Jahr wurde er nach 18 Jahren Ehe von seiner zweiten Frau Dina geschieden. Die Nachrichtensprecherin und Journalistin fand allerdings nach der Trennung noch nette Worte. "Ich möchte keine schlechten Dinge über Clint lesen", schrieb sie im Herbst 2013 beim Kurznachrichtendienst Twitter. "Er ist ein wundervoller, gutmütiger, geistreicher Mensch." Das bestätige sie - was auch immer passiert sei.

 
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