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Breitbandausbau: Die umstrittenen Vectoring-Pläne der Telekom !
Der Breitbandausbau ist eines der großen Ziele in der digitalen Agenda der Bundesregierung, bis 2018 sollen Anschlüsse mit 50 Mbit/s flächendeckend verfügbar sein.
Allerdings gibt es kaum Vorgaben, wie der Breitbandausbau technisch realisiert werden soll.
Stattdessen diktiert der klamme Geldbeutel die Politik, sodass nun die Bundesnetzagentur die undankbare Aufgabe hat, mit der Regulierung des Vectoring-Ausbaus über die Breitbandzukunft in Deutschland zu entscheiden.
Denn die Kernfrage lautet momentan: Soll der vergleichsweise günstigen Vectoring-Pläne der Telekom gefördert werden?
Oder soll diese Technologie nur als Übergang für den Glasfaserausbau genutzt werden, der zwar deutlich teurer, doch langfristig nötig ist?
Vectoring als Sackgassen-Technologie
Konkret geht es dabei um den Vectoring-II-Antrag der Telekom.
Das Ziel des Bonner Konzerns ist, die Vectoring-Technologie im Nahbereich von 550 Metern um die rund 8.000 Hauptverteiler auszubauen.
So sollen weitere 5,9 Millionen Haushalte einen entsprechenden VDSL2-Anschluss erhalten, der Geschwindigkeiten von rund 100 Mbit/s ermöglicht.
Bis dato war der Ausbau von Vectoring-Technologie im Nahbereich nicht möglich, da Störungen im Netzbetrieb befürchtet werden.
Das Problem ist allerdings: Die Telekom beansprucht Exklusivität für die Ausbaupläne und will zudem von der Verpflichtung befreit werden, den Wettbewerbern das Schalten von VDSL-Anschlüssen in den Hauptverteilern zu ermöglichen.
Denn der Parallelbetrieb von VDSL über den Hauptverteiler und VDSL-Vectoring über den Kabelverteiler ist technisch nicht möglich.
Daher müssten auch bereits bestehende VDSL-Leitungen der Wettbewerber abgeschaltet werden.
Stattdessen sollen die Vorleistungsprodukte der Telekom nutzen, sofern der Antrag von der Bundesnetzagentur genehmigt werden sollte.
Dementsprechend klar ist auch, was die Konkurrenten von dem Vectoring-II-Antrag der Telekom halten: Überhaupt nichts.
Der Vorwurf von Provider-Verbänden wie dem VATM lautet: Von den 5,9 Millionen Haushalten, die die Telekom mit VDSL2-Vectoring-Anschlüssen versorgen will, würden etwa nur zehn Prozent tatsächlich profitieren.
Die übrigen könnten ohnehin schon Tarife buchen, die bereits vergleichbare Geschwindigkeiten bieten – etwa bei den Kabelnetzbetreibern.
Das Ziel der Telekom sei vielmehr, sich mit dem Vorstoß eine Monopolstellung in den besonders lukrativen Gebieten zu sichern und damit die Rosinen aus dem Breitbandkuchen zu picken.
Leidtragende bei diesen Plänen sind laut VATM-Präsident Martin Witt daher die Wettbewerber, da sowohl der Glasfaserausbau mittels FTTH als auch die Investitionen außerhalb der lukrativen Gebiete erschwert werden – und das Bremse den Breitbandausbau insgesamt aus.
Deswegen bestehe die Gefahr, dass es sich beim Vectoring nicht um eine Brückentechnologie, sondern letztlich um eine Sackgasse für den Breitbandausbau handelt.
Neben den Vectoring-Plänen kritisieren die Wettbewerber auch die Preispolitik der Telekom.
So kritisierte der Verband Breitbandkommunikation (Breko) in der letzten Woche, dass die Telekom mit den niedrigen Preisen für die MagentaZuhause-Tarife in Ballungsräumen den Wettbewerb verzerre.
Denn die Kosten für die Vorleistungsprodukte, mit denen Wettbewerber Anschlüsse über die Telekom-Infrastruktur schalten können, würden höher ausfallen als die Preise, die die Telekom den Endkunden berechnet.
So wird der Tarif „MagentaZuhause M“, der eine Internet- und Telefon-Flatrate mit bis zu 50 Mbit/s im Downstream beinhaltet, in einigen Städten für 29,99 Euro in den ersten zwölf Monaten und in Köln zeitweise sogar für 24,99 Euro angeboten.
Da die Konkurrenten – abhängig vom Kontingent – zwischen knapp 20 Euro und rund 30 Euro für die Vorleistungsprodukte zahlen müssen, sei ein Wettbewerb auf Augenhöhe nicht möglich.
Vectoring als Brücken-Technologie
Mit dieser Argumentation nimmt die Debatte allerdings eine seltsame Wendung.
Denn in der Regel sind es die Telekom-Konkurrenten, die einen freien Wettbewerb zwischen den Unternehmen fordern – und als Vorteil unter anderem die niedrigen Preise für die Endkunden nennen.
Dementsprechend wirkt die Argumentation nun auch ein Stück weit irritierend.
Zumal die günstigen MagentaZuhause-Angebote auch eine Folge des Konkurrenzkampfes mit den Kabelnetzbetreibern sind, die die Telekom mit Anschlussgeschwindigkeiten von über 100 Mbit/s und günstigen Tarifen unter Druck setzen.
So erklärt auch der Konzernsprecher Philipp Blank: „Die Telekom muss auf regional unterschiedliche Wettbewerbssituationen reagieren können – in einigen Ballungsgebieten haben wir einen Marktanteil von unter 30 Prozent.“
Zumal die Telekom nicht einmal der günstigste Festnetzanbieter ist.
Blank verweist auf NetCologne und 1&1, die VDSL-Anschlüsse zu Konditionen anbieten, die noch unterhalb der MagentaZuhause-Tarife von der Telekom liegen.
Angesichts dieser Umstände sieht der Bonner Konzern den Beschwerden der Wettbewerber gelassen entgegen.
Ebenso verteidigt die Telekom den Vectoring-II-Antrag.
„Die Vorwürfe der Wettbewerber sind sachlich falsch und polemisch“, lautet der Kommentar von Telekom-Sprecher Blank.
Der Argumentation ist im Kern bereits bekannt: Von den Vectoring-Plänen würde demnach ein Großteil er 5,9 Millionen Haushalten im Nahbereich um die Hauptverteiler profitieren, weil diese bislang nur VDSL-Anschlüsse mit 50 Mbit/s buchen könnten – zumindest im Festnetz.
Denn die Telekom räumt selbst ein, dass bereits zwei Drittel dieser Haushalte auf entsprechende Angebote der Kabelnetzbetreiber zugreifen könnten.
Nichtsdestoweniger werden die Vorteile der Vectoring-Strategie betont.
Denn mittelfristig lautet das Ziel, bis 2018 rund 80 Prozent der Haushalte mit bis zu 100 Mbit/s zu versorgen.
Angesichts dieses flächendeckenden Ausbaus sei es also absurd, wenn die Wettbewerber von „Rosinenpicken“ sprechen, heißt es in einem Faktencheck.
Zudem wehrt sich die Telekom gegen den Vorwurf, dass es sich beim Vectoring um einen Sackgassen-Technologie handelt, die den Glasfaserausbau ausbremst.
Denn die Glasfaser wird im Rahmen des Vectoring-Ausbaus „bis an den Kabelverzweiger verlegt und kommt damit deutlich näher an die Haushalte.
So können mit beschränkten Mitteln viel mehr Haushalte schnellere Anschlüsse bekommen, als wenn einige wenige FTTH-Anschlüsse bekommen“, so Telekom-Sprecher Blank.
Vectoring als Gefahr für den Wettbewerb
Das Problem ist nun: Aufgrund der verworrenen Lage lässt sich letztlich nur schwer abschätzen, welche Vorwürfe korrekt sind und welche übertrieben – und zwar nicht nur für außenstehende Beobachter, sondern offenkundig auch für die Bundesnetzagentur.
Diese hat die Entscheidung über den Vectoring-II-Antrag bereits mehrmals vertagt hat.
Auf Anfrage heißt es, die zuständige Beschlusskammer führt in dem „genannten Verfahren komplexe Ermittlungen durch.
Sie strebt auf der Basis einer umfassenden Interessenabwägung eine zügige Entscheidung an.“
Ein Termin wurde allerdings nicht genannt.
Medienberichten zufolge soll die Entscheidung aber womöglich erst im Spätsommer oder sogar erst im Herbst erfolgen.
Ohnehin zeigt sich bei dem aktuellen Streit, wie problematisch das Vectoring für den Breitbandausbau ist.
Denn das Problem ist: Lediglich ein Anbieter kann die entsprechende Technologie pro Kabelverzweiger aufschalten.
Das Splitten der Teilnehmeranschlussleitung ist zumindest auf physikalischen Weg nicht möglich.
Um trotzdem Chancengleichheit und Planungssicherheit für Investitionen zu gewährleisten, hatte die Bundesnetzagentur im letzten Jahr die Vectoring-Liste eröffnet.
So sollte es den Netzbetreibern ermöglicht werden, Kabelverzweiger (KVz) im Telekom-Netz für den Vectoring-Ausbau zu reservieren.
Erhält ein Anbieter den Zuschlag, müssen die entsprechenden Anschlüsse dann binnen eines Jahres geschaltet werden.
Sollten mehrere Netzbetreiber an einem Kabelverzweiger interessiert sein, gilt das „Windhund-Prinzip“: Wer den Vectoring-Ausbau am schnellsten umsetzen will, erhält den Zuschlag.
Dass der Vectoring-Ausbau so kontrovers diskutiert wird, liegt auch an der politischen Dimension des Themas.
Denn im Kern geht es um die Frage: Unterstützen die EU und die Bundesregierung den Vectoring-Ausbau und protegieren damit die ehemaligen Monopolisten wie die Telekom, die immer noch über einen Großteil der Telefonnetze verfügen.
Oder setzt man auf Glasfaserausbau und Wettbewerb, von dem insbesondere die Konkurrenten der Ex-Monopolisten profitieren.
Derzeit fehlt es aber noch an einer einheitlichen Linie.
So hatte sich EU-Digitalkommissar Günther stets auf die Seite der Branchengrößen geschlagen, während sich die Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager eher für einen ausgeglichenen Konkurrenzkampf einsetzt.
Dementsprechend ist auch die Entscheidung zu bewerten, dass der Breitbandausbau in Deutschland zwar mit drei Milliarden Euro gefördert werden darf.
Doch für Vectoring besteht eine Ausnahme, da ohne Vorleistungsprodukte wie VULA der Wettbewerb zu stark beeinträchtigt wird.
Bei VULA („virtual unbundled local access“) handelt es sich im Kern um einen virtuellen Zugangsdienst.
Das bedeutet: Ein Wettbewerber mietet nicht mehr direkt die Teilnehmeranschlussleitung, sondern kauft vielmehr den Datenstrom.
Der Anbieter – also in Deutschland etwa die Telekom – muss dafür sorgen, dass die Leitung nicht überbucht und der Datenverkehr nicht gedrosselt wird.
Eine physikalische Entbündelung der Teilnehmeranschlussleitungen wäre also nicht mehr nötig.
Was vor allem beim Einsatz von Vectoring-Technologie in den Kabelverzweigern äußerst praktisch ist, da es auf diese Weise mehreren Wettbewerbern ermöglicht wird, ihre Dienste zu schalten.
Glasfaser als Zukunftsmusik
Zudem fordert die EU, dass die Gelder in erster Linie in ländlichen und dünnbesiedelten Regionen fließen.
Denn das zentral Problem sind ohnehin nicht die Ballungsräume und Städte, in denen sich die Telekom, Festnetz-Wettbewerber und Kabelnetzbetreiber um das dickste Stück vom Kuchen balgen.
Vielmehr ist für einen flächendeckenden Ausbau entscheidend, dass auch dünn besiedelte und bislang nicht erschlossene Regionen an das Breitband-Netz angebunden werden.
Allerdings sind es diese entlegenen Winkel, die die Kosten nach oben treiben.
Laut der Breitband-Studie von TÜV Rheinland sind Investitionen in Höhe von 11,8 Milliarden Euro nötig, wenn 95 Prozent der Haushalte mit 50 Mbit/s versorgt werden sollen.
Der Ausbau bei den übrigen fünf Prozent kostet dann allerdings nochmals 7,7 Milliarden Euro – das sind 3.850 Euro pro Haushalt.
Nach wie vor fehlt für diese entlegenen Regionen aber ein sinnvolles Förderkonzept, um den Ausbau der Glasfasernetze voranzutreiben, wie etwa der Deutsche Landkreistag erst vor kurzem kritisiert hat.
Die Frage ist nun: Wie soll dieses Konzept aussehen?
Die Telekom spricht sich für eine technologieneutrale Förderung aus, bei der die öffentlichen Gelder sowohl in den Glasfaser- als auch in den Vectoring-Ausbau fließen sollen.
Die Konkurrenten wollen hingegen – wenig überraschend – in erster Linie den Glasfaserausbau voranbringen.
So fordert etwa der VATM, dass FTTH-Konzepte bei Ausschreibungen eher berücksichtigt und mehr Gelder erhalten sollten.
In dieselbe Kerbe schlägt auch Thomas Braun vom Kabelnetzbetreiber-Verband Anga: „Sinnvolle Förderpolitik muss Wert auf nachhaltigen Ausbau mit Glasfaser legen statt auf die Förderung von Übergangslösungen.“
Vectoring sei aber lediglich eine Brückentechnologie, die den Bandbreitenbedarf nur kurzzeitig deckt.
Das ist einer der entscheidenden Knackpunkte in der Debatte, denn aufgrund der stetig wachsenden Transfervolumina führt früher oder später kein Weg an Glasfaser vorbei.
Selbst wenn die Telekom mit der Super-Vectoring-Technologie irgendwann Download-Raten von über 200 Mbit/s erreicht, ändert dies nichts an dem Problem, dass die herkömmlichen Kupferkabel der Telefonnetze am Limit sind.
Das verdeutlichen auch die Magenta-Hybrid-Tarife, bei denen die Telekom zwar Download-Geschwindigkeiten von bis zu 250 Mbit/s verspricht und sich damit in der Gewichtsklasse der Kabelnetzbetreiber bewegt.
Möglich ist dies aber nur, weil LTE als Ergänzung zu dem VDSL2-Vectoring-Anschluss genutzt wird.
Immerhin: Mit diesen Geschwindigkeiten liegt die Telekom deutlich über dem 50-Mbit/s-Ziel der Bundesregierung.
Politisch also alles in Ordnung, selbst wenn Glasfaser-Geschwindigkeiten von über 1 Gbit/s noch in weiter Ferne liegen.
Perspektivisch sollen zwar mit G.Fast auch Geschwindigkeiten von bis zu 1 Gbit/s über Kupferkabel erreicht werden – allerdings ist das nur über eine kurze Reichweite.
So könnte vor allem der Glasfaserausbau von dieser Technologie profitieren, da die entsprechenden Kabel nur bis zu den Häusern verlegt werden müssen (FTTH).
Innerhalb könnte der Datenverkehr dann mittels G.Fast über die bestehenden Kupferkabel annähernd in Glasfasergeschwindigkeit übertragen werden.
Doch das ist bislang noch Zukunftsmusik, da G.Fast noch nicht marktreif ist und zudem Ende 2014 erst 4,4 Prozent der Haushalte über einen FTTH-Anschluss verfügten, wie ein Blick in den Breitbandatlas zeigt.
Doch solange bei der Bundesregierung in erster Linie der klamme Geldbeutel und kein stimmiges FTTH-Konzept das politische Handeln bestimmt, gilt für die nächsten Jahre: Der Streit zwischen der Telekom und den Wettbewerbern um Regulierungen und Fördergelder wird weitergehen.
Der Breitbandausbau ist eines der großen Ziele in der digitalen Agenda der Bundesregierung, bis 2018 sollen Anschlüsse mit 50 Mbit/s flächendeckend verfügbar sein.
Allerdings gibt es kaum Vorgaben, wie der Breitbandausbau technisch realisiert werden soll.
Stattdessen diktiert der klamme Geldbeutel die Politik, sodass nun die Bundesnetzagentur die undankbare Aufgabe hat, mit der Regulierung des Vectoring-Ausbaus über die Breitbandzukunft in Deutschland zu entscheiden.
Denn die Kernfrage lautet momentan: Soll der vergleichsweise günstigen Vectoring-Pläne der Telekom gefördert werden?
Oder soll diese Technologie nur als Übergang für den Glasfaserausbau genutzt werden, der zwar deutlich teurer, doch langfristig nötig ist?
Vectoring als Sackgassen-Technologie
Konkret geht es dabei um den Vectoring-II-Antrag der Telekom.
Das Ziel des Bonner Konzerns ist, die Vectoring-Technologie im Nahbereich von 550 Metern um die rund 8.000 Hauptverteiler auszubauen.
So sollen weitere 5,9 Millionen Haushalte einen entsprechenden VDSL2-Anschluss erhalten, der Geschwindigkeiten von rund 100 Mbit/s ermöglicht.
Bis dato war der Ausbau von Vectoring-Technologie im Nahbereich nicht möglich, da Störungen im Netzbetrieb befürchtet werden.
Das Problem ist allerdings: Die Telekom beansprucht Exklusivität für die Ausbaupläne und will zudem von der Verpflichtung befreit werden, den Wettbewerbern das Schalten von VDSL-Anschlüssen in den Hauptverteilern zu ermöglichen.
Denn der Parallelbetrieb von VDSL über den Hauptverteiler und VDSL-Vectoring über den Kabelverteiler ist technisch nicht möglich.
Daher müssten auch bereits bestehende VDSL-Leitungen der Wettbewerber abgeschaltet werden.
Stattdessen sollen die Vorleistungsprodukte der Telekom nutzen, sofern der Antrag von der Bundesnetzagentur genehmigt werden sollte.
Dementsprechend klar ist auch, was die Konkurrenten von dem Vectoring-II-Antrag der Telekom halten: Überhaupt nichts.
Der Vorwurf von Provider-Verbänden wie dem VATM lautet: Von den 5,9 Millionen Haushalten, die die Telekom mit VDSL2-Vectoring-Anschlüssen versorgen will, würden etwa nur zehn Prozent tatsächlich profitieren.
Die übrigen könnten ohnehin schon Tarife buchen, die bereits vergleichbare Geschwindigkeiten bieten – etwa bei den Kabelnetzbetreibern.
Das Ziel der Telekom sei vielmehr, sich mit dem Vorstoß eine Monopolstellung in den besonders lukrativen Gebieten zu sichern und damit die Rosinen aus dem Breitbandkuchen zu picken.
Leidtragende bei diesen Plänen sind laut VATM-Präsident Martin Witt daher die Wettbewerber, da sowohl der Glasfaserausbau mittels FTTH als auch die Investitionen außerhalb der lukrativen Gebiete erschwert werden – und das Bremse den Breitbandausbau insgesamt aus.
Deswegen bestehe die Gefahr, dass es sich beim Vectoring nicht um eine Brückentechnologie, sondern letztlich um eine Sackgasse für den Breitbandausbau handelt.
Neben den Vectoring-Plänen kritisieren die Wettbewerber auch die Preispolitik der Telekom.
So kritisierte der Verband Breitbandkommunikation (Breko) in der letzten Woche, dass die Telekom mit den niedrigen Preisen für die MagentaZuhause-Tarife in Ballungsräumen den Wettbewerb verzerre.
Denn die Kosten für die Vorleistungsprodukte, mit denen Wettbewerber Anschlüsse über die Telekom-Infrastruktur schalten können, würden höher ausfallen als die Preise, die die Telekom den Endkunden berechnet.
So wird der Tarif „MagentaZuhause M“, der eine Internet- und Telefon-Flatrate mit bis zu 50 Mbit/s im Downstream beinhaltet, in einigen Städten für 29,99 Euro in den ersten zwölf Monaten und in Köln zeitweise sogar für 24,99 Euro angeboten.
Da die Konkurrenten – abhängig vom Kontingent – zwischen knapp 20 Euro und rund 30 Euro für die Vorleistungsprodukte zahlen müssen, sei ein Wettbewerb auf Augenhöhe nicht möglich.
Vectoring als Brücken-Technologie
Mit dieser Argumentation nimmt die Debatte allerdings eine seltsame Wendung.
Denn in der Regel sind es die Telekom-Konkurrenten, die einen freien Wettbewerb zwischen den Unternehmen fordern – und als Vorteil unter anderem die niedrigen Preise für die Endkunden nennen.
Dementsprechend wirkt die Argumentation nun auch ein Stück weit irritierend.
Zumal die günstigen MagentaZuhause-Angebote auch eine Folge des Konkurrenzkampfes mit den Kabelnetzbetreibern sind, die die Telekom mit Anschlussgeschwindigkeiten von über 100 Mbit/s und günstigen Tarifen unter Druck setzen.
So erklärt auch der Konzernsprecher Philipp Blank: „Die Telekom muss auf regional unterschiedliche Wettbewerbssituationen reagieren können – in einigen Ballungsgebieten haben wir einen Marktanteil von unter 30 Prozent.“
Zumal die Telekom nicht einmal der günstigste Festnetzanbieter ist.
Blank verweist auf NetCologne und 1&1, die VDSL-Anschlüsse zu Konditionen anbieten, die noch unterhalb der MagentaZuhause-Tarife von der Telekom liegen.
Angesichts dieser Umstände sieht der Bonner Konzern den Beschwerden der Wettbewerber gelassen entgegen.
Ebenso verteidigt die Telekom den Vectoring-II-Antrag.
„Die Vorwürfe der Wettbewerber sind sachlich falsch und polemisch“, lautet der Kommentar von Telekom-Sprecher Blank.
Der Argumentation ist im Kern bereits bekannt: Von den Vectoring-Plänen würde demnach ein Großteil er 5,9 Millionen Haushalten im Nahbereich um die Hauptverteiler profitieren, weil diese bislang nur VDSL-Anschlüsse mit 50 Mbit/s buchen könnten – zumindest im Festnetz.
Denn die Telekom räumt selbst ein, dass bereits zwei Drittel dieser Haushalte auf entsprechende Angebote der Kabelnetzbetreiber zugreifen könnten.
Nichtsdestoweniger werden die Vorteile der Vectoring-Strategie betont.
Denn mittelfristig lautet das Ziel, bis 2018 rund 80 Prozent der Haushalte mit bis zu 100 Mbit/s zu versorgen.
Angesichts dieses flächendeckenden Ausbaus sei es also absurd, wenn die Wettbewerber von „Rosinenpicken“ sprechen, heißt es in einem Faktencheck.
Zudem wehrt sich die Telekom gegen den Vorwurf, dass es sich beim Vectoring um einen Sackgassen-Technologie handelt, die den Glasfaserausbau ausbremst.
Denn die Glasfaser wird im Rahmen des Vectoring-Ausbaus „bis an den Kabelverzweiger verlegt und kommt damit deutlich näher an die Haushalte.
So können mit beschränkten Mitteln viel mehr Haushalte schnellere Anschlüsse bekommen, als wenn einige wenige FTTH-Anschlüsse bekommen“, so Telekom-Sprecher Blank.
Vectoring als Gefahr für den Wettbewerb
Das Problem ist nun: Aufgrund der verworrenen Lage lässt sich letztlich nur schwer abschätzen, welche Vorwürfe korrekt sind und welche übertrieben – und zwar nicht nur für außenstehende Beobachter, sondern offenkundig auch für die Bundesnetzagentur.
Diese hat die Entscheidung über den Vectoring-II-Antrag bereits mehrmals vertagt hat.
Auf Anfrage heißt es, die zuständige Beschlusskammer führt in dem „genannten Verfahren komplexe Ermittlungen durch.
Sie strebt auf der Basis einer umfassenden Interessenabwägung eine zügige Entscheidung an.“
Ein Termin wurde allerdings nicht genannt.
Medienberichten zufolge soll die Entscheidung aber womöglich erst im Spätsommer oder sogar erst im Herbst erfolgen.
Ohnehin zeigt sich bei dem aktuellen Streit, wie problematisch das Vectoring für den Breitbandausbau ist.
Denn das Problem ist: Lediglich ein Anbieter kann die entsprechende Technologie pro Kabelverzweiger aufschalten.
Das Splitten der Teilnehmeranschlussleitung ist zumindest auf physikalischen Weg nicht möglich.
Um trotzdem Chancengleichheit und Planungssicherheit für Investitionen zu gewährleisten, hatte die Bundesnetzagentur im letzten Jahr die Vectoring-Liste eröffnet.
So sollte es den Netzbetreibern ermöglicht werden, Kabelverzweiger (KVz) im Telekom-Netz für den Vectoring-Ausbau zu reservieren.
Erhält ein Anbieter den Zuschlag, müssen die entsprechenden Anschlüsse dann binnen eines Jahres geschaltet werden.
Sollten mehrere Netzbetreiber an einem Kabelverzweiger interessiert sein, gilt das „Windhund-Prinzip“: Wer den Vectoring-Ausbau am schnellsten umsetzen will, erhält den Zuschlag.
Dass der Vectoring-Ausbau so kontrovers diskutiert wird, liegt auch an der politischen Dimension des Themas.
Denn im Kern geht es um die Frage: Unterstützen die EU und die Bundesregierung den Vectoring-Ausbau und protegieren damit die ehemaligen Monopolisten wie die Telekom, die immer noch über einen Großteil der Telefonnetze verfügen.
Oder setzt man auf Glasfaserausbau und Wettbewerb, von dem insbesondere die Konkurrenten der Ex-Monopolisten profitieren.
Derzeit fehlt es aber noch an einer einheitlichen Linie.
So hatte sich EU-Digitalkommissar Günther stets auf die Seite der Branchengrößen geschlagen, während sich die Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager eher für einen ausgeglichenen Konkurrenzkampf einsetzt.
Dementsprechend ist auch die Entscheidung zu bewerten, dass der Breitbandausbau in Deutschland zwar mit drei Milliarden Euro gefördert werden darf.
Doch für Vectoring besteht eine Ausnahme, da ohne Vorleistungsprodukte wie VULA der Wettbewerb zu stark beeinträchtigt wird.
Bei VULA („virtual unbundled local access“) handelt es sich im Kern um einen virtuellen Zugangsdienst.
Das bedeutet: Ein Wettbewerber mietet nicht mehr direkt die Teilnehmeranschlussleitung, sondern kauft vielmehr den Datenstrom.
Der Anbieter – also in Deutschland etwa die Telekom – muss dafür sorgen, dass die Leitung nicht überbucht und der Datenverkehr nicht gedrosselt wird.
Eine physikalische Entbündelung der Teilnehmeranschlussleitungen wäre also nicht mehr nötig.
Was vor allem beim Einsatz von Vectoring-Technologie in den Kabelverzweigern äußerst praktisch ist, da es auf diese Weise mehreren Wettbewerbern ermöglicht wird, ihre Dienste zu schalten.
Glasfaser als Zukunftsmusik
Zudem fordert die EU, dass die Gelder in erster Linie in ländlichen und dünnbesiedelten Regionen fließen.
Denn das zentral Problem sind ohnehin nicht die Ballungsräume und Städte, in denen sich die Telekom, Festnetz-Wettbewerber und Kabelnetzbetreiber um das dickste Stück vom Kuchen balgen.
Vielmehr ist für einen flächendeckenden Ausbau entscheidend, dass auch dünn besiedelte und bislang nicht erschlossene Regionen an das Breitband-Netz angebunden werden.
Allerdings sind es diese entlegenen Winkel, die die Kosten nach oben treiben.
Laut der Breitband-Studie von TÜV Rheinland sind Investitionen in Höhe von 11,8 Milliarden Euro nötig, wenn 95 Prozent der Haushalte mit 50 Mbit/s versorgt werden sollen.
Der Ausbau bei den übrigen fünf Prozent kostet dann allerdings nochmals 7,7 Milliarden Euro – das sind 3.850 Euro pro Haushalt.
Nach wie vor fehlt für diese entlegenen Regionen aber ein sinnvolles Förderkonzept, um den Ausbau der Glasfasernetze voranzutreiben, wie etwa der Deutsche Landkreistag erst vor kurzem kritisiert hat.
Die Frage ist nun: Wie soll dieses Konzept aussehen?
Die Telekom spricht sich für eine technologieneutrale Förderung aus, bei der die öffentlichen Gelder sowohl in den Glasfaser- als auch in den Vectoring-Ausbau fließen sollen.
Die Konkurrenten wollen hingegen – wenig überraschend – in erster Linie den Glasfaserausbau voranbringen.
So fordert etwa der VATM, dass FTTH-Konzepte bei Ausschreibungen eher berücksichtigt und mehr Gelder erhalten sollten.
In dieselbe Kerbe schlägt auch Thomas Braun vom Kabelnetzbetreiber-Verband Anga: „Sinnvolle Förderpolitik muss Wert auf nachhaltigen Ausbau mit Glasfaser legen statt auf die Förderung von Übergangslösungen.“
Vectoring sei aber lediglich eine Brückentechnologie, die den Bandbreitenbedarf nur kurzzeitig deckt.
Das ist einer der entscheidenden Knackpunkte in der Debatte, denn aufgrund der stetig wachsenden Transfervolumina führt früher oder später kein Weg an Glasfaser vorbei.
Selbst wenn die Telekom mit der Super-Vectoring-Technologie irgendwann Download-Raten von über 200 Mbit/s erreicht, ändert dies nichts an dem Problem, dass die herkömmlichen Kupferkabel der Telefonnetze am Limit sind.
Das verdeutlichen auch die Magenta-Hybrid-Tarife, bei denen die Telekom zwar Download-Geschwindigkeiten von bis zu 250 Mbit/s verspricht und sich damit in der Gewichtsklasse der Kabelnetzbetreiber bewegt.
Möglich ist dies aber nur, weil LTE als Ergänzung zu dem VDSL2-Vectoring-Anschluss genutzt wird.
Immerhin: Mit diesen Geschwindigkeiten liegt die Telekom deutlich über dem 50-Mbit/s-Ziel der Bundesregierung.
Politisch also alles in Ordnung, selbst wenn Glasfaser-Geschwindigkeiten von über 1 Gbit/s noch in weiter Ferne liegen.
Perspektivisch sollen zwar mit G.Fast auch Geschwindigkeiten von bis zu 1 Gbit/s über Kupferkabel erreicht werden – allerdings ist das nur über eine kurze Reichweite.
So könnte vor allem der Glasfaserausbau von dieser Technologie profitieren, da die entsprechenden Kabel nur bis zu den Häusern verlegt werden müssen (FTTH).
Innerhalb könnte der Datenverkehr dann mittels G.Fast über die bestehenden Kupferkabel annähernd in Glasfasergeschwindigkeit übertragen werden.
Doch das ist bislang noch Zukunftsmusik, da G.Fast noch nicht marktreif ist und zudem Ende 2014 erst 4,4 Prozent der Haushalte über einen FTTH-Anschluss verfügten, wie ein Blick in den Breitbandatlas zeigt.
Doch solange bei der Bundesregierung in erster Linie der klamme Geldbeutel und kein stimmiges FTTH-Konzept das politische Handeln bestimmt, gilt für die nächsten Jahre: Der Streit zwischen der Telekom und den Wettbewerbern um Regulierungen und Fördergelder wird weitergehen.



