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"Bevölkerung sollte selbst wählen": Sisi verspricht Wahlen noch 2015

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"Bevölkerung sollte selbst wählen": Sisi verspricht Wahlen noch 2015

Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi beginnt seinen zweitägigen Besuch in Deutschland. Zum Auftakt wird der Ex-General von Bundespräsident Joachim Gauck, dann von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit militärischen Ehren begrüßt. Zu viel der Ehre, wie Kritiker meinen.



 
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Claqueure im Kanzleramt: Eklat bei Pressetermin mit Al-Sisi

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Der umstrittene ägyptische Präsident Al-Sisi besucht Berlin. Beim obligatorischen Pressetermin mit Bundeskanzlerin Merkel verstoßen erst die meisten mitgereisten Journalisten aus Ägypten gegen die Spielregeln. Dann beschimpft eine Frau den Staatsgast.

Die Pressekonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi endete in Berlin mit einem Eklat. Nachdem eine in Deutschland lebende arabische Journalistin nicht die Gelegenheit bekam, eine Frage zu stellen, rief sie in Richtung des ägyptischen Präsidenten: "Er ist ein Mörder." Sie wurde dann von Sicherheitskräften abgedrängt. Die ägyptische Presse-Delegation sprang daraufhin nahezu geschlossen auf und schrie im Chor zurück: "Es lebe Ägypten, es lebe Ägypten."

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Zuvor verstießen die meisten ägyptischen Journalisten gegen die Gepflogenheiten im Kanzleramt, indem sie Al-Sisi während seines Statements laut applaudierten. Die Medienbetreuer des Kanzleramts hatten Mühe, die Ägypter zu beruhigen.

Merkel und Al-Sisi beendeten die Pressekonferenz noch mit dem üblichen Händedruck vor den Flaggen beider Länder. Zuvor hatte Merkel auch das Todesurteil gegen den früheren ägyptischen Präsidenten Mohamed Mursi kritisiert und Menschenrechtsverletzungen angesprochen. Vor dem Kanzleramt demonstrierten sowohl Anhänger als auch Gegner Al-Sisis, der als Armeechef im Juli 2013 an die Macht in Kairo gekommen war. Mittlerweile wurde er in einer Wahl als Präsident bestätigt.

 
Ägyptischer Präsident im Kanzleramt: Tumult beim Staatsbesuch

Obwohl er sein Land noch strenger regiert als seine Vorgänger, bereitet die Bundesregierung dem ägyptischen Machthaber einen großen Empfang. Eine Frau stört al-Sisis Inszenierung. Aber sie ist nicht die einzige, die das Protokoll missachtet.

Die Pressekonferenz im Bundeskanzleramt läuft an diesem Tag etwas anders als bei anderen Staatsbesuchen. Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi ist gekommen und mit ihm eine große Delegation. Die Ägypter tragen Buttons mit dem Konterfei des Präsidenten. Während al-Sisi spricht, applaudieren sie auf einmal wie auf Kommando. Die deutschen Journalisten schauen sich verwundert um. Geklatscht wird an diesem Ort sonst nie. Ein ägyptischer Journalist beginnt seine Frage damit, dass er dem Präsidenten für all das Gute dankt, was er für sein Land tue.

Am Ende dieser Pressekonferenzen führt Angela Merkel ihren Gast vor die Landesflaggen, die neben den Rednerpulten aufgebaut sind. Kaum sind die beiden dort angekommen, ruft eine Frau etwas auf Arabisch: "Er ist ein Mörder!" Polizisten halten sie zurück, die Begleiter al-Sisis stürzen sich auf sie. Wie bei einem Fußballspiel skandieren die Gäste "Es lebe Ägypten", bis die Frau abgeführt wird. Die Frau trägt ein Kopftuch und ist in Deutschland als Journalistin akkreditiert, stellt sich später heraus. Merkel und al-Sisi brechen den Fototermin vor den Flaggen ab und verschwinden.

Die Aussage, dass al-Sisi ein Mörder ist, liegt nicht ganz fern. Die Justiz in Ägypten verurteilt Angeklagte zu Hunderten zum Tode, ohne sich auch nur zu bemühen, für die Vergehen jedes Einzelnen Beweise zu sammeln. Auch das Leben des einstigen Präsidenten Mursi hängt nur noch an dem guten Willen eines Geistlichen, der das Todesurteil noch zurückweisen kann. 22.000 Menschen hat das Regime nach eigenen Angaben festnehmen lassen. Menschenrechtsorganisationen berichten, es seien fast doppelt so viele. Schon wer seine Sympathie mit der verbotenen Muslimbruderschaft bekundet, kann dafür eingesperrt werden. Proteste wie die der Frau im Kanzleramt würden in Kairo hart bestraft.
Westlich von Ägypten zerfällt Libyen

Trotzdem steht al-Sisi nun mitten in Berlin und bekommt von der Bundesrepublik das ganz große Programm: Empfang beim Bundespräsidenten mit militärischen Ehren, Pressekonferenz mit der Bundeskanzlerin, Treffen mit Unternehmern im Wirtschaftsministerium. Nur Bundestagspräsident Norbert Lammert weigert sich demonstrativ, mit al-Sisi zu sprechen. Auf der Fahrt ins Kanzleramt stehen rund hundert Ägypter an der Straße. Als der Präsident in der Ferne vorbeifährt, lassen sie auf Kommando eines Botschaftsmitarbeiters Luftballons steigen und jubeln. Al-Sisi hat viele von ihnen aus Ägypten mitgenommen, um die Inszenierung perfekt zu machen.

Natürlich sagt die Bundeskanzlerin bei der gemeinsamen Pressekonferenz auch, dass sie die Todesstrafe ablehnt und die Rechte religiöser Minderheiten geachtet werden müssen. Das Thema dieses Termins sind aber nicht die Menschenrechte.

Stattdessen geht es um Stabilität. Ägypten ist das größte Land der arabischen Welt. Es grenzt im Nordosten an den Gazastreifen, in dem der Nahostkonflikt ausgetragen wird und im Westen an Libyen, dessen Zerfall den Europäern derzeit besonders große Sorge bereitet: nicht nur wegen der Flüchtlingsboote, die von hier in See stechen, sondern vor allem wegen des Islamischen Staates, dessen Ableger sich hier breit macht. Keine der beiden konkurrierenden Regierungen Libyens hat die Kontrolle über das Land. Darum könnte es zum neuen Rückzugsort des internationalen Terrorismus werden. Merkel sagt, Deutschland wolle als "Partner" helfen, Wohlstand und Sicherheit in Ägypten zu schaffen. "Sicherheit" bedeutet allerdings auch, einen weiteren Umsturz in Kairo zu verhindern. Denn der würde es den Terroristen leicht machen, zwischen Libyen und Ägypten zu reisen.

Lässt sich Ägypten überhaupt stabilisieren?

Die Bundesregierung schaut dezent zur Seite, wenn es um Menschenrechtsthemen und um Demokratie geht. Dass Ägypten derzeit kein Parlament hat und al-Sisi auch keine Wahlen ansetzt, kommt gar nicht erst zur Sprache. Stattdessen darf der Präsident unwidersprochen ausführen, dass in seinem Land gerade "Wunderbares" passiert und Deutschland diesen sehr guten Prozess unterstützen solle. Was die Todesurteile angeht, hätten die Deutschen halt eine eigene Perspektive, die er respektiere. Nur sollte dann eben auch seine Perspektive respektiert werden.

Die Bundesregierung hat akzeptiert, dass Ägypten von einem Militärregime geführt wird, weil sie Stabilität über Menschenrechte stellt. Die Kanzlerin will darin nichts Besonderes sehen: Auch mit den Vorgängern Hosni Mubarak und Mohammed Mursi habe sie sich getroffen, sagte sie.

Aber kann diese Strategie langfristig erfolgreich sein? Es gibt Zweifel. Wissenschaftler der Stiftung Wissenschaft und Politik beschreiben das Land als wirtschaftlich instabil, weil Reformen nicht angegangen werden und nichts gegen die Korruption getan wird. Unter diesen Bedingungen sei auch nicht mit nennenswerten ausländischen Investitionen zu rechnen. Diese wären aber notwendig, wenn sich aber die Lebensverhältnisse der Menschen bessern sollen. Passiert das nicht, könnten sich die Ägypter bald daran erinnern, dass sie in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich darin waren, Regierungen zu Fall zu bringen.

 
Ägyptischer Präsident in Berlin: "Ehrungen für Al-Sisi sind eine Schande"

Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi wird in Berlin mit allen Ehren empfangen. Die Presse sieht die Bundesregierung in einem Widerspruch: Einerseits wisse sie um die Menschenrechtslage in Ägypten, andererseits würden Milliardendeals eingefädelt.

Ägypten sei für Deutschland einfach zu wichtig, als dass es wegen der Menschenrechtsdefizite links liegen gelassen werden könnte, konstatiert die "Volksstimme" aus Magdeburg. Im Kommentar der Zeitung heißt es: "Ägypten ist wichtig als Bollwerk gegen den Terrorismus, als Partner Israels und wegen seiner wirtschaftlichen Bedeutung - so begründete die deutsche Politik ehedem die gedeihlichen Beziehungen zum ägyptischen Ex-Diktator Husni Mubarak. Das kann als Blaupause für den jetzigen Staatschef Abdel Fattah al-Sisi dienen."

Eine ähnliche Richtung schlägt die "Welt" ein und wird dabei noch deutlicher. "Vier Wesenszüge bestimmen die deutsche Nahostpolitik: Moralismus, Unkenntnis, Größenwahn und Kurzatmigkeit. Immerhin sind die vier Eigenarten legitimiert. Die Mehrheit der Bevölkerung teilt sie mit der Politik." Daraus leitet der Kommentator ab, dass "Deutschland in der Welt ziemlich einsam wäre, wenn es nur mit Demokraten verkehrte". Außerdem könnten "selbst Schurken für Sicherheit und Stabilität sorgen (...), und diese Stabilität (kommt) auch uns zugute (...). Was folgt daraus? Gäste wie der ägyptische Präsident sind wichtige Gesprächspartner. Schafft er es, sein Land von der Anarchie zu retten, nutzt es auch den Europäern."

Genau daran stört sich der "Trierische Volksfreund". Die Visite von Sisi bei Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck zeige vor allem eines: "Auch den Deutschen geht das Interesse an der eigenen Sicherheit und an Stabilität in der Region inzwischen vor Prinzipien. Moralischer Rigorismus ist in der Außenpolitik sicher fehl am Platze." Das Blatt stellt deshalb die Frage danach, wie man "auch solchen Leuten" gegenüber deutlich den Anspruch auf die universellen Menschenrechte und die Werte der Demokratie formulieren könne. - "So, wie die Vertreter der Bundesregierung es gestern in Berlin taten, war es jedenfalls zu leise."

Das "Straubinger Tagblatt" und die "Landshuter Zeitung" veröffentlichen einen Kommentar, der an ein gebrochenes Versprechen Ägyptens erinnert. "Abdel Fattah Al-Sisi wurde unter der Voraussetzung nach Berlin eingeladen, dass in Ägypten demokratische Parlamentswahlen stattfinden. Das ist bis heute nicht geschehen. Dass er jetzt trotzdem kommen darf, ist ein fatales Signal." Das Beste daraus machen könnte die Kanzlerin nur, wenn sie "jetzt die Gelegenheit wenigstens nutzt, um ihm ins Gewissen zu reden. Erfahrungsgemäß wird ihn das aber nicht beeindrucken."

Die taz aus Berlin schreibt, es sei grundsätzlich gut, "auch den Dialog mit Leuten zu führen, deren Politik man verabscheut. Sonst gäbe es noch mehr Kriege auf der Welt, heiße und kalte." Doch muss ein solcher Dialog mit roten Teppichen und militärischen Ehren einhergehen? Die taz verneint dies. "Den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen, ist nicht dasselbe, wie jemanden zu hofieren. Die Ehrungen für den ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi (...) sind eine Schande."

Die "Thüringische Landeszeitung" erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass es auch anders geht. Denn Bundestagspräsident Norbert Lammert sagte sein Treffen mit Sisi ab. Das Blatt aus Weimar wertet das als wichtiges Zeichen. "Wie will der Repräsentant eines frei gewählten Parlaments mit einem Mann über Fragen der Demokratie sprechen, wenn dieser sein eigenes Parlament abgeschafft hat." Dennoch könne Deutschland nicht komplett auf Kontakt mit der ägyptischen Führung verzichten - wegen deren Rolle im Anti-Terror-Kampf.

Die "Neue Osnabrücker Zeitung" schließlich schlägt den Bogen zu den wirtschaftlichen Interessen, die für Deutschland eine Rolle spielen. "In München freut sich (...)der Siemens-Konzern über den größten Einzelauftrag in seiner Geschichte, abgeschlossen am Rande des Besuchs von Al-Sisi. Einmal mehr erweist sich ein Milliardendeal als Türöffner für einen höchst umstrittenen Machthaber."

 
Während Al-Sisi-Besuch in Berlin: Siemens erhält Milliarden-Aufträge aus Ägypten

Siemens besiegelt beim Deutschland-Besuch von Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi den größten Einzelauftrag in der Firmengeschichte. Konzernchef Joe Kaeser und Al-Sisi unterzeichneten mehrere Aufträge zum Bau von drei Gaskraftwerken und bis zu zwölf Windparks im Gesamtwert von acht Milliarden Euro.






 
Jubel-Bilder für die Heimatfront: Merkel bot al-Sisi eine Propaganda-Bühne

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In Ägypten bröckelt die Zustimmung für den autokratischen Präsidenten al-Sisi, er braucht dringend internationalen Rückhalt. Die liefert ihm Bundeskanzlerin Merkel - und viele schöne Bilder noch dazu.

Eklat im Bundeskanzleramt nach der gemeinsamen Pressekonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem despotischen Gast aus Kairo, Tumulte bei einem Fachgespräch der Grünen-Bundestagsabgeordneten Franziska Brantner und Omid Nouripour zur Menschenrechtslage in Ägypten am Dienstag, peinliche Jubel-Ägypter in der Berliner Innenstadt: Nach dem Besuch des ägyptischen Staatspräsidenten Abdel Fattah al-Sisi ist klar, dass die Bundesregierung sich hat instrumentalisieren lassen.

Al-Sisi bot alles auf, um seinen ersten offiziellen Deutschland-Besuch zu einem Triumphzug werden zu lassen. Den hat er auch bitter nötig, denn Ägyptens Bevölkerung wird ungeduldig und erwartet von al-Sisi die Einlösung von Wahlversprechen - vor allem ein Ende der anhaltenden Wirtschaftskrise am Nil.

Derweil geht sein Regime weiterhin gnadenlos gegen die islamistische und linksliberale Opposition vor. Regimekritiker und Journalisten werden verhaftet, Zivilgesellschaft und Menschenrechtsorganisationen stehen unter Druck wie selten zuvor. Al-Sisis Regierung lässt der Opposition keine Luft zum Atmen. Ihr Mittel, die Bevölkerung von seiner Politik zu überzeugen, ist der Anti-Terror-Kampf. Doch das Land liegt wirtschaftlich am Boden und die Kritik an ihm wächst. Er muss politische Erfolge vorweisen. Da bot Merkels Einladung nach Deutschland die perfekte Chance, sich öffentlichkeitswirksam für die Heimat zu inszenieren.

Al-Sisi kam nicht alleine nach Berlin. Mit im Flugzeug saßen bekannte ägyptische Schauspielerinnen wie Elham Shahin und Yousra, die 60 Jahre alte Ikone des ägyptischen Kinos. Im Laufe von al-Sisis Aufenthalt in der deutschen Hauptstadt zeigten sie auf Pro-Regime-Kundgebungen Flagge und warfen sich für "ihren" Präsidenten in den Ring. Ebenfalls mit dabei: Dutzende Journalisten regimenaher Staats- und Privatmedien wie der kontroverse Showmaster Ahmed Moussa oder der Moderator Tamer Amin. Auch sie jubelten Ägyptens Staatschef zu, wo sie nur konnten, und ließen seinen Staatsbesuch damit zu einem peinlichen und grotesken Auftritt verkommen.

"Triumphzug" durch Europa

Während die offenbar geplanten Missachtungen der politischen Etikette in Deutschland heftiges Kopfschütteln auslösten, produziert sein Besuch die perfekten Bilder für die Heimatfront. Nahaufnahmen der europaweit zusammengetrommelten al-Sisi-Unterstützer bei ihren zahlreichen Kundgebungen in der Berliner Innenstadt, ausgerüstet mit Fotos des Autokraten und unzähligen ägyptischen Flaggen, versprühten genau das Straßenbild, dass der Despot in Ägypten derzeit gebrauchen kann: Selbst in Deutschland stehen die dort lebenden Ägypter hinter ihm.

Ungezügeltes Glücksgefühl in den Straßen Berlins machte die regimenahe Tageszeitung "Al-Watan" schon aus, als der Staatsbesuch offiziell angekündigt wurde. Der TV-Kanal Sada El Balad berichtete ausgiebig über Al-Sisis Ankunft am Berliner Flughafen. Der dem Regime nahestehende Sender inszenierte die Stippvisite in der Bundesrepublik als Triumphzug des Ex-Generals und früheren Armeechefs, nachdem er zuletzt bereits Spanien, Griechenland und Zypern besuchte hatte. Vor allem der in Tumulten ausgeartete Auftritt der ägyptischen Presse im Bundeskanzleramt war bizarr. Am Ende der Pressekonferenz beschimpfte eine als Journalistin akkreditierte verschleierte Ägypterin al-Sisi als "Mörder" und "Faschist", worauf die mitgereiste und im Saal anwesende ägyptische 30-köpfige Pressedelegation geschlossen aufstand und nationalistische Parolen wie "Es lebe Ägypten, es lebe Ägypten" brüllte. Der eigentlich obligatorische Fototermin fiel aus. Der gesamte Saal war im Aufruhr, alles lief und rief durcheinander. Merkel und al-Sisi wurden zügig vom Sicherheitspersonal aus dem Saal begleitet.

Währenddessen versammelten sich im Berliner Regierungsviertel mehrere Kundgebungen der Unterstützer des ägyptischen Autokraten und jubelten ihm zu. Auf sozialen Netzwerken hatten al-Sisi freundliche Gruppen schon seit Wochen für den Staatsbesuch in Deutschland mobilisiert und tatsächlich hunderte Menschen zusammentrommeln können, die behaupteten, al-Sisis Regentschaft sei demokratisch legitim und ein wichtiger Schritt in Richtung Demokratie. Die Realität in Ägypten sieht indes anders aus, was das Festhalten der Bundesregierung an dem umstrittenen Besuch hochproblematisch macht.

Schon vor seiner Ankunft war klar, dass das Regime jede Gelegenheit nutzen würde, die Visite zu instrumentalisieren und politisch auszuschlachten. Merkel betonte zwar, auch die Menschenrechtslage sei Thema gewesen bei den Gesprächen mit al-Sisi. Doch der Zweck des Treffens war vor allem wirtschaftlicher Natur. Damit bot die Bundesregierung dem ägyptischen Autokraten eine politische Bühne für seinen Kampf gegen die Opposition im eigenen Land. Sicher, ein politisch und wirtschaftlich stabiles Ägypten liegt im Interesse der deutschen Außenpolitik und auch der deutschen im arabischen Ausland operierenden Wirtschaft - doch ist das der Preis, den Deutschland zahlen will?"

 
"Bevölkerung sollte selbst wählen": Sisi verspricht Wahlen noch 2015


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Zwei Tage hält sich der ägyptische Präsident auf Staatsbesuch in Deutschland auf, lässt sich in Sachen Menschenrechte belehren und unterschreibt Milliardendeals. In einem Interview vollzieht er zum Abschluss noch eine gönnerhafte Geste.


Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi hat versprochen, die überfälligen Parlamentswahlen noch in diesem Jahr nachzuholen. "Eine Bevölkerung sollte die Herrscher selbst wählen und das sollte als Ergebnis akzeptiert werden", sagte Al-Sisi dem ZDF. Die Parlamentswahl werde kommen. "Wir wollen das auf jeden Fall noch in diesem Jahr vollbringen."

Auf die Angst vieler Ägypter vor Polizeigewalt angesprochen, sagte Al-Sisi: "Folter gibt es nicht, aber es gibt eine andere Art von Übergriffen." Kairo brauche deutsche Hilfe bei der Verbesserung der Polizei.

Al-Sisi, der 2013 mit einem Militärputsch an die Macht kam, hatte am Mittwoch in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gesprochen. Bei seinem zweitägigen Aufenthalt in Deutschland traf er Wirtschaftsvertreter und unterzeichnete Milliardenverträge mit deutschen Unternehmen

 
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