2000 Jahre Christentum (13 Teiler / Phoenix)
2000 Jahre Christentum
Keine andere Weltreligion hat die Geschichte Europas und große Teile des Globus so geprägt wie das Christentum.
Die Sendereihe beschreibt die Entwicklung der auf Jesus Christus und seiner Lehre gegründeten Religion von ihren Anfängen bis heute.
01 Von Jesus zu Christus - Eine jüdische Sekte wird Weltreligion
02 Fesseln der Macht - Untergrundbewegung wird Staatsreligion
03 Getrennte Wege - Neue Heimat für wandernde Völker
04 Kreuz und Schwert - Das Christentum wird Christenheit
05 Heilige und Dämonen - Das Christentum am Ende der Gewissheit
06 Diesseits des Himmels - Das Christentum im Zeitalter der Entdeckungen
07 Allein der Glaube - Zukunft durch Rückkehr
08 Himmel und Hölle - Die römisch-katholische Reformation
09 Neue Welten - Das Christentum hinter dem europäischen Horizont
10 Altar der Vernunft - Das Christentum in Aufklärung und Revolution
11 Menschen und Maschinen - Das Christentum und die Industrielle Revolution
12 Pforten der Hölle - Das Christentum in Weltkrieg und Diktatur
13 Chancen und Gefahren - Das Christentum a. d. Schwelle des 3. Jahrtausends
Teil 1 - Von Jesus zu Christus
Palästina zur Zeitenwende. Ein jüdischer Wanderprediger namens Jesus macht von sich reden. Er spricht von einem menschenfreundlichen Gott, lehrt die Umwertung aller Werte und verkündet das nahe Gottesreich. Einige Zeitgenossen lassen alles stehen und liegen und folgen ihm. Vielleicht ist er es ja, auf den sie seit langem warten, der Messias, der "Gesalbte des Herrn", der das geknechtete Israel wieder aufrichten werde. Die Jerusalemer Führungsschicht sieht das anders. Für sie ist er ein Aufrührer und Gotteslästerer. In einem Schauprozess fordert sie seine Verurteilung. Die römische Besatzungsmacht lässt ihn kreuzigen. Aber das Ende ist der Anfang. Die Jünger glauben an seine Auferstehung. Aus dem jüdischen Lehrer Jesus wird für sie ein theologisch gedeuteter Christus. In enger Gemeinschaft bleiben sie zusammen. Geleitet durch die Apostel löst sich die Jesusbewegung aus dem damaligen Judentum und breitet sich in Kleinasien aus. Ein Pharisäer namens Saulus wandelt sich vom Gegner zum glühenden Verfechter der "frohen Botschaft" von der Auferstehung. In drei großen Missionsreisen trägt er sie weit ins Römische Reich. Unter Kaiser Nero kommt es in Rom zu einer blutigen Verfolgung. Nach einem jüdischen Aufstand zerstören römische Legionen Jerusalem und den Tempel. Das Judentum zerstreut sich in der damaligen Welt.
Aus dem tiefen Asien kam der Kult des Midras. Diesem Gott zu Ehren tötete man während der Zeremonien einen Stier. In solchen Kulten suchten die Menschen wie zu allen Zeiten eine Antwort auf die Frage nach dem Woher und Wohin.
Erlösung durch Tod und Auferstehung Christi galt für alle, die an ihn glaubten. Doch diese Botschaft wurde jahrelang nur mündlich überliefert. Die Zeitgenossen Jesu starben aus. Man begann, die Erinnerung an sein Leben, an seine Worte festzuhalten. So entstanden die Evangelien. - Sie sind keine Biografien, keiner hat Jesus persönlich gekannt. Die Bibel ist das Ergebnis einer langen Entwicklung.
Teil 2 - Fesseln der Macht
Die Botschaft der Christen kommt an. Eben noch unscheinbare Randgruppe des Judentums, verbreitet sie sich in wenigen Jahrzehnten im ganzen Römischen Reich. "In der Welt, aber nicht von der Welt"; der Staat wird misstrauisch. Wilde Gerüchte gehen um von Ritualmord und Geheimbündelei. Als sich die Christen dem offiziellen Kaiserkult verweigern, werden sie in mehreren Wellen verfolgt. Viele sterben den Märtyrertod. In den ruhigen Phasen findet die junge Kirche festere Formen für Taufe und Abendmahl, Diakonie und Liturgie. Schriftsteller verteidigen sie gegen Angriffe, philosophisch gebildete Theologen deuten die Glaubensgeheimnisse. Kaiser Konstantin reißt das Ruder der römischen Politik herum. Das Christentum erhält die volle Freiheit, sich zu entfalten. Der Kaiser traut ihm die Kraft und die Rolle zu, das von seinen Widersprüchen zerrissene Reich wieder zu einen. Die Kirche wird zur "Jedermannskirche" und hat nun große Möglichkeiten, die Gesellschaft zu gestalten. Jetzt muss sie aber auch immer wieder Kompromisse schließen, die ihre eigentliche Botschaft verdunkeln. Die Bischöfe verstehen sich als Nachfolger der Apostel und beanspruchen deren Autorität. Kaiser Konstantin verlegt seine Hauptstadt in das griechische Byzanz am Bosporus. Konstantinopel wird das zweite Rom. Im ganzen Reich entstehen großartige Kirchenbauten, die den Sieg des Christentums über die Andersgläubigen zum Ausdruck bringen. Einzelne Christen ziehen sich in die Einsamkeit, abseits von den Versuchungen und Ablenkungen der "Welt", zurück. Einige schließen sich zu klösterlichen Gemeinschaften zusammen. Das theologische Rätselraten um den Glauben macht große Fortschritte. Vor allem geht es um die Natur Christi und das Geheimnis der Dreifaltigkeit. Mehrfach ruft der Kaiser die Bischöfe des Reiches zu einem Konzil zusammen und zwingt sie, sich zu einigen. Er selbst wahrt Distanz. Erst auf dem Sterbebett lässt er sich taufen.
Teil 3 - Getrennte Wege
Germanische Völker überrennen die Grenzen des Römischen Reiches. Dabei übernehmen sie das Christentum. Im Osten wird die Kirche mehr und mehr "Reichskirche" unter der Kontrolle des Kaisers. Im Westen gewinnt der Bischof von Rom eine Vorrangstellung. Mit wachsendem Selbstbewusstsein fordert er die oberste Gewalt der Lehre und Rechtsprechung in der Kirche. Damit vertieft sich der Gegensatz zwischen Ost und West. Auf dem Monte Cassino gründet Benedikt von Nursia ein Kloster. Mit Gebet und Arbeit sollen die Mönche den Tag verbringen. Die Idee macht Schule. Benediktinerklöster werden die wichtigsten Kulturträger des Abendlandes. Zu Anfang des 7. Jahrhunderts taucht aus dem arabischen Raum eine neue Religion auf: der Islam. Auch er versteht sich als Offenbarung des einen Gottes und entwickelt einen enormen Expansionsdruck. In kürzester Zeit erobert der Islam den vorderen Orient, den Balkan und dringt über Afrika bis Spanien vor. Erst die Franken können ihn aufhalten. Sie haben in West- und Mitteleuropa ein stabiles Reich etabliert und nehmen das römische Christentum an. In enger Verbindung mit dem Papst organisiert der angelsächsische Mönch Bonifatius die fränkische Kirche. Als der Karolinger Pippin nach der Königsmacht greift, leistet ihm der Papst wichtige Schützenhilfe. Dafür übernimmt der König den Schutz und das Wächteramt über die Kirche. Sein Nachfolger Karl führt zahlreiche Eroberungskriege gegen die germanischen Stämme und unterwirft sie dem Christentum. Am Weihnachtsabend des Jahres 800 lässt er sich in Rom von Papst Leo III. zum Kaiser krönen, ein Schritt von welthistorischer Bedeutung. Die Wiederbelebung des römischen Kaisertums symbolisiert den Fortbestand des antiken Imperiums. Mit dem Pakt zwischen geistlicher und weltlicher Macht entsteht ein problematisches Wechselspiel der Interessen, das in den nächsten Jahrhunderten für Spannung sorgt.
Teil 4 - Kreuz und Schwert
Nach dem Tod Karls des Großen zerfällt das karolingische Reich. Die regionalen Teilgewalten treten wieder hervor. Das nützliche Bündnis zwischen Papst und Kaiser steht auf schwachen Füßen. Auch die Spannungen zwischen Rom und Konstantinopel verschärfen sich. Sie führen 1054 zur Spaltung der Christenheit. Die slawischen Völker entscheiden sich für die orthodoxe Variante. In Deutschland stabilisiert sich die Lage. Otto I. setzt auf die Bischöfe und gibt ihnen eine wichtige machtpolitische Rolle. Im "christlichen Abendland" gilt das irdische Dasein als Vorspiel für das himmlische. Die Künste setzen eindrucksvolle Zeichen des Glaubens und der kirchlichen Macht. Vom burgundischen Kloster Cluny gehen starke Impulse aus zur Reform kirchlicher Missstände. Auch der Einfluss weltlicher Gewalten auf die Kirche soll beseitigt werden. Das führt zu einem dramatischen Konflikt zwischen Kaiser und Papst. Auf dem Höhepunkt muss König Heinrich IV. als Büßer nach Canossa gehen, um sich vom Bann zu lösen und seine Krone zu retten.
Teil 5 - Heilige und Dämonen
1347 bricht ein furchtbares Verhängnis über Europa herein. Die Pest, der "Schwarze Tod", rafft innerhalb von drei Jahren ein Drittel der Bevölkerung dahin. Die Menschen reagieren unter Schock. Geißlerzüge und Judenpogrome werden zur weiteren Seuche. Der festgefügte Kosmos des Mittelalters bekommt tiefe Risse. Der planende Schöpfergott erscheint nun als unberechenbarer Herrscher. Die Menschen suchen Zuflucht in Prozessionen, Wallfahrten und im Reliquienkult. Die Päpste geraten in Abhängigkeit vom französischen König und verlegen ihre Residenz nach Avignon. Man spricht von der "Babylonischen Gefangenschaft der Kirche". Verschwenderische Hofhaltung, Ämterschacher und Geldschneiderei zeigen den moralischen Niedergang. Die Zeit ist aus den Fugen. Die gotischen Kathedralen werden zur "fiebrigen" Flamme und erreichen die Grenzen ihrer physikalischen Möglichkeiten. Eine große Sehnsucht nach der Nähe des Heiligen beseelt die Menschen. Die christliche Mystik bringt Frauen und Männer mit visionärer Begabung hervor. Sie empfinden die Offenbarung als Einbruch Gottes in ihr ganz persönliches Dasein. Aber auch die Mächte der Finsternis durchdringen den Alltag. Teufel und Dämonen scheinen allgegenwärtig. Die Kirche, die den heidnischen Aberglauben einst so erfolgreich bekämpfte, verliert viel von ihrer befreienden Kraft. Die Päpste kehren nach Rom zurück, bleiben aber im Widerstreit der Parteien. Gegenpäpste stehen auf. Das "Große Abendländische Schisma" stürzt die Christenheit in tiefe Zweifel und Unruhe. Immer lauter wird der allgemeine Ruf nach einer "Reform an Haupt und Gliedern". 1414 soll ein Konzil in Konstanz die Wende bringen. Es scheitert am Widerstand der Kurie und an nationalen Einzelinteressen, düster beleuchtet durch den Scheiterhaufen, auf dem der tschechische Reformer Johannes Hus qualvoll stirbt.
Teil 6 - Diesseits des Himmels
Türkische Janitscharen erobern Konstantinopel, das Zentrum der orthodoxen Christenheit. Deren Schwerpunkt verlagert sich ins "hölzerne" Moskau, das "dritte Rom". Der türkische Halbmond verdrängt das Kreuz und dringt bis tief in den Balkan vor. Im Westen leiden viele Christen an den Widersprüchen von Kirche, Staat und Gesellschaft. Sie suchen einen Ausweg nach innen und finden neue Formen der "Nachfolge Christi". Italien steht ganz im Zeichen von Humanismus und Renaissance. Philosophen, Wissenschaftler und Künstler machen aufregende Entdeckungen an der Welt und an sich selbst. Immer häufiger und immer mutiger durchstoßen sie die traditionellen Grenzen. In den oberitalienischen Stadtrepubliken entsteht ein selbstbewusstes Bürgertum. Neue Wirtschaftsmethoden häufen enorme Reichtümer an. Die Adelsfamilien wetteifern als Förderer von Kunst und Wissenschaft. Kaum anders verstehen sich die Päpste in Rom. Sie führen das ausschweifende Leben kleiner Fürsten, treiben skrupellose Familienpolitik und schrecken auch vor Gift und Dolch nicht zurück. Gleichzeitig sind sie unersättliche Auftraggeber und Kunstmäzene. Das im Mittelalter zerfallene Rom ist jetzt eine einzige Baustelle. Es soll aller Welt den Triumph der Kirche vor Augen führen. Die größten Künstler der Epoche wirken mit. Was für den Papst der neue Petersdom, ist für die kleinen Leute der "Peterspfennig". Sie zahlen die Zeche. In Florenz klagt der Dominikanermönch Savonarola Papst und Kurie wegen ihres sündigen Treibens an. Rom schlägt zurück. Der "heilige Ketzer" wird verbrannt. Auch ein Wissenschaftler kommt in große Gefahr. Galilei gelingt es, das Weltmodell des Kopernikus zu beweisen. Ein Inquisitionsprozess zwingt ihn zum Widerruf. Naturwissenschaft und Glaube gehen getrennte Wege.
Teil 7 - Allein der Glaube
Amtsmissbrauch von Papst und Kurie, sittliche Verwahrlosung des Klerus und hemmungslose Vermarktung der Seelsorge: Die Leitung der Kirche steckt in der eigenen Sackgasse und scheint unfähig, sich zu befreien. Der Augustinermönch Martin Luther quält sich mit der Frage nach der Rechtfertigung des Menschen vor Gott. Im Römerbrief des Hl. Paulus findet er eine lange verschüttete Antwort: Die Gnade Gottes ist unverdientes Geschenk. Nicht fromme Werke, sondern allein der Glaube führt zum Heil. Eine Ablasskampagne Roms zündet den Funken. Mit 95 Thesen wendet sich Luther an die Öffentlichkeit. Der junge Buchdruck verbreitet sie in ganz Deutschland. Der Papst droht mit dem Bann. Luther bestreitet das Recht der Kirche, sich zwischen die Gläubigen und Gott zu stellen. Vor dem Reichstag in Worms soll er widerrufen. Er weigert sich standhaft, und man erklärt ihn für vogelfrei. Sein Kurfürst versteckt ihn auf der Wartburg. Hier übersetzt er die Bibel ins Deutsche und schafft ein Sprachdenkmal von hohem Rang.
Inzwischen entstehen in der Schweiz weitere Reformationen. Zwingli in Zürich und Calvin in Genf finden eigene Varianten und können sie politisch absichern. Ab 1525 erschüttern Aufstände der unterdrückten Bauern das Reich. Sie bauen auf Luthers Unterstützung. Der entscheidet sich jedoch für die Gegenseite. Der Bauernkrieg endet in einem blutigen Strafgericht. Die Reformation beginnt, den Alltag der Menschen umzugestalten. Luther heiratet die Nonne Katharina von Bora. Er ist jetzt glücklicher Familienvater, führt Tischgespräche mit seinen Freunden und verfasst geistliche Lieder. 1530 legen die lutherischen Stände dem Reichstag in Augsburg eine umfassende Bekenntnisschrift vor. Der Kaiser setzt jedoch auf Krieg, um die Glaubensfrage mit Waffengewalt zu beantworten. Vergeblich. Die Zeit der Kirche ist in Deutschland vorbei. Die Zeit der Kirchen hat begonnen.
Teil 8 - Himmel und Hölle
Der große Reformstau bringt viele Reformationen hervor. Sie verbinden sich mit den regionalen Bestrebungen nach Unabhängigkeit. Das Konzil von Trient kann die Kirchenspaltung nicht mehr verhindern, es modernisiert jedoch die Innenwelt des Katholizismus. Neuartige Orden wie die "Gesellschaft Jesu" des spanischen Ritters Ignatius von Loyola werden zur Elitetruppe der Gegenreformation. Während der Augsburger Religionsfrieden in Deutschland eine gespannte Ruhe erzeugt, toben in Frankreich die grausamen Hugenottenkriege. In England führen die Eheprobleme Heinrichs VIII. zur Trennung von Rom. Eine düstere Rolle spielt das reiche und mächtige Spanien. Philipp II. setzt alle Mittel ein, um die mittelalterliche Einheit von Macht und Glaube zu rekonstruieren. Die Inquisition führt einen Vernichtungskampf gegen jeden freien Gedanken. Als sich die niederländischen Provinzen dem Calvinismus öffnen, antwortet Philipp mit beispiellosem Terror. Der Freiheitskampf der Niederlande wird zum Vorbild aller künftigen Freiheitsbewegungen in Europa.
Teil 9 - Neue Welten
Die überlieferten Aufzeichnungen und Tagebücher geben nachhaltig Auskunft über die Beweggründe der spanischen und portugiesischen Seefahrer, die dem Westkurs des Kolumbus folgten: Ruhm, Reichtum und Abenteuer. Innerhalb von nur vier Jahrzehnten entdeckten und eroberten sie Mittel- und Südamerika. Welche Rolle spielte die Kirche dabei? Zunächst einmal sah sie ihre wichtigste Aufgabe in der Missionierung der riesigen Gebiete. Der neue Kontinent sollte zum christlichen Glauben bekehrt werden. Die Eroberung, Befriedung und Verwaltung der neuen Länder überließ sie den Konquisatoren, getreu dem Grundsatz: "Die Seelen für Gott, das Land dem König"! Die Missionsarbeit der Bettelorden, der Franziskaner und Dominikaner, wurde allerdings durch materielle Interessen der Eroberer stark behindert.
Teil 10 - Altar der Vernunft
Der Mensch ist sein eigener Herr. Zu einer glücklichen Entwicklung der Gesellschaft braucht es weder Gott noch Gebete, es genügen vernünftige Gesetze. - Die neue Zeit entsteht in den Köpfen. "Ich denke, also bin ich" schreibt René Descartes und gibt dem europäischen Geist eine neue Strömungsrichtung. Das Universum erscheint jetzt als ein mechanisches Uhrwerk. Wer seine Gesetze versteht, kann es beherrschen. Gott ist darin nur noch eine unbeweisbare Annahme, die Kirche allenfalls eine moralische Anstalt zur sittlichen Erziehung der Bürger. Glaubenskriege, Inquisition und Aberglaube werden vor der Sonne der Vernunft wie alter Schnee vergehen. Die neuen Ideen dringen bis in die höchsten Kreise des Adels vor. In Preußen und Österreich kommen aufgeklärte Regenten an die Macht. Sie werben für Bildung und Toleranz und drängen den Einfluss der Kirche zurück. Im Staat Friedrichs des Großen soll jeder "nach seiner Fasson" selig werden. 1789 hebt der unterdrückte Dritte Stand sein Haupt. In einem Jahrzehnt fegt die Französische Revolution die Reste des Mittelalters beiseite. Unter heftigen Wehen wird der moderne Nationalstaat geboren. Die Kirche war Stütze des alten Regimes und sitzt nun mit diesem auf der Anklagebank. Die Priester sollen einen Eid auf die Verfassung leisten. Wer sich weigert, stirbt unter der Guillotine. Die Volksheere Napoleons exportieren die neuen Ideen weit über die Grenzen Frankreichs hinaus. 1803 werden fast alle geistlichen Fürstentümer abgeschafft und Kirchengut im großen Stil enteignet. 1804 "zitiert" der Korse den Papst nach Paris, um sich vor dessen Augen selbst zum Kaiser zu krönen, eine Gebärde, die den alten Anspruch der Päpste verhöhnt. Der Wiener Kongress versucht, die Zeit zurückzudrehen. Auf den Barrikaden von 1848 stehen - vereinzelt - auch Christen und kämpfen für Pressefreiheit, Menschenrechte und Demokratie.
Teil 11 - Mensch und Maschinen
Die Romantik träumt sich in ein legendäres Mittelalter zurück. Die katholische Kirche mit ihren Bräuchen und sinnenfrohen Inszenierungen kommt wieder in Mode, zumindest bei Künstlern und Literaten. Sie trauert jedoch den verlorenen Privilegien nach und sieht im Streben der Völker nach Demokratie und nationaler Unabhängigkeit gefährliche Entwicklungen. Darwins Entdeckung der Evolution ist für viele Christen ein Schock. Der Mensch, das "Ebenbild Gottes", in gemeinsamer Ahnenreihe mit Einzellern und Schimpansen? Das ist schwer zu verkraften. Wissenschaft und Glaube erscheinen als unversöhnliche Gegensätze. Der Atheismus, früher eine gefährliche Verrücktheit am Rande - wird jetzt zur selbstverständlich lebbaren Alternative.
Säkulare Regierungen versuchen, die Kirche aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen. In Preußen kommt es zu einem Kulturkampf, aus dem die katholische Kirche jedoch mit neuer Geschlossenheit und gewachsenem Ansehen hervorgeht. Das unabhängige Italien beseitigt den Kirchenstaat. Schmollend vergräbt sich der Papst hinter die Mauern des Vatikans. Die wirklichen Probleme der Zeit liegen woanders. Die Dampfmaschine löst eine industrielle Revolution aus. In den explosiv wachsenden Städte sammeln sich entwurzelte Menschen. Ihre Suche nach Lebenssinn bleibt lange ohne Antwort. Die Kirchen sind blind für das Elend der Arbeiterschaft. Marxismus und Sozialdemokratie bieten ideologischen Ersatz. Einzelne Christen übernehmen jedoch Verantwortung. Heinrich Wichern, Adolf Kolping oder Bischof Ketteler in Mainz kämpfen gegen die Not und für die Rechte der Arbeiter. Erst die Sozialenzyklika Leos XIII. versucht einen großen Entwurf für die Neuordnung der Gesellschaft. Die europäischen Kolonialmächte gebärden sich als Heilsbringer der Welt und versuchen, sich gegenseitig zu verdrängen. Am Horizont steigen düstere Wolken auf.
Teil 12 - Pforten der Hölle
Das 20. Jahrhundert beginnt voller Optimismus. Technischer Fortschritt und Weltverkehr scheinen ein goldenes Zeitalter heraufzuführen. Wenig später taumelt Europa in den Ersten Weltkrieg. In nationalistischer Verblendung fallen die "christlichen" Völker übereinander her. In der "Blutmühle" von Verdun werden die Menschen zum anonymen Objekt der Materialschlacht. Der Zusammenbruch stürzt vor allem das landeskirchliche Luthertum in eine tiefe Krise. In Russland bringt die Oktoberrevolution eine atheistische Diktatur an die Macht. Für Stalin ist die Vernichtung des Christentums erklärtes Ziel. Zahlreiche Priester, Mönche und Gläubige fallen den großen Säuberungen zum Opfer. In Italien findet die "Römische Frage" in den Lateranverträgen eine Lösung. Der Vatikan wird zum unabhängigen Staat.
Unter dem Nationalsozialismus verwandelt sich Deutschland in eine rassistische Diktatur. Alle Großgruppen der Gesellschaft werden gleichgeschaltet. Der Vatikan hofft über ein Konkordat auf berechenbare Verhältnisse. Die Evangelische Kirche soll in eine rassisch reine "deutsche Reichskirche" verwandelt werden. "Pfarrernotbund" und "Bekennende Kirche" organisieren den Widerstand. Inzwischen sind die jüdischen Mitbürger der systematischen Vernichtung ausgesetzt. Die Kirchen wagen keinen öffentlichen Protest. Widerstand oder Anpassung? Das persönliche Bekenntnis zu Christus und zum christlichen Menschenbild wird zur inneren und äußeren Überlebensfrage. Während die Kirchenorganisationen versuchen, mit mancherlei Kompromiss zu überwintern, gehen einzelne Christen in den Widerstand. Viele werden verhaftet und ermordet. Menschen wie Dietrich Bonhoeffer, Maximilian Kolbe, Edith Stein oder die Widerstandsgruppe der "Weißen Rose" setzen dem verbrecherischen Staat eine unwiderrufliche Grenze und retten das Christentum über den Untergang der Diktatur hinweg.
Teil 13 - Chancen und Gefahren
Am Ende des Zweiten Weltkriegs steht der Blitz über Hiroshima. Seitdem bedroht die Atombombe alles Leben auf dem Planeten, seine Vergangenheit und seine Zukunft. Die christlichen Kirchen stellen sich nur langsam auf die neue Situation ein. Sie bekennen sich mitschuldig an der Katastrophe. Sie beginnen zögernd, sich aus der engen Verbindung mit der weltlichen Macht zu lösen. Die verschiedenen Bekenntnisse gehen aufeinander zu. Fernziel: Einheit der Christen. Die Bevölkerungsexplosion in der Dritten Welt verschiebt die Gewichte. Die "jungen" Kirchen finden und behaupten eigene Gestaltungen der christlichen Botschaft. Das 2. Vatikanische Konzil stößt die Türen der Katholischen Kirche auf. Sie hofft auf eine wichtigere Rolle in der modernen Welt, ohne sich dem Zeitgeist zu unterwerfen. Für den polnischen Papst Johannes Paul II. ist der Vatikan nur noch die Basis für Reisen in zahlreiche Länder der Erde. Gegen Ende der 80er Jahre bricht das Ost-West-System zusammen. Damit wachsen die Chancen einer friedlichen Weltgesellschaft, es brechen aber auch ethnische Bürgerkriege aus.
Größe: 13x ca. 400-420MB (insg. 5,24GB) MB (Xvid) | Dauer: jeweils ca. 43min
Hoster:
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2000 Jahre Christentum
Keine andere Weltreligion hat die Geschichte Europas und große Teile des Globus so geprägt wie das Christentum.
Die Sendereihe beschreibt die Entwicklung der auf Jesus Christus und seiner Lehre gegründeten Religion von ihren Anfängen bis heute.
01 Von Jesus zu Christus - Eine jüdische Sekte wird Weltreligion
02 Fesseln der Macht - Untergrundbewegung wird Staatsreligion
03 Getrennte Wege - Neue Heimat für wandernde Völker
04 Kreuz und Schwert - Das Christentum wird Christenheit
05 Heilige und Dämonen - Das Christentum am Ende der Gewissheit
06 Diesseits des Himmels - Das Christentum im Zeitalter der Entdeckungen
07 Allein der Glaube - Zukunft durch Rückkehr
08 Himmel und Hölle - Die römisch-katholische Reformation
09 Neue Welten - Das Christentum hinter dem europäischen Horizont
10 Altar der Vernunft - Das Christentum in Aufklärung und Revolution
11 Menschen und Maschinen - Das Christentum und die Industrielle Revolution
12 Pforten der Hölle - Das Christentum in Weltkrieg und Diktatur
13 Chancen und Gefahren - Das Christentum a. d. Schwelle des 3. Jahrtausends
Teil 1 - Von Jesus zu Christus
Palästina zur Zeitenwende. Ein jüdischer Wanderprediger namens Jesus macht von sich reden. Er spricht von einem menschenfreundlichen Gott, lehrt die Umwertung aller Werte und verkündet das nahe Gottesreich. Einige Zeitgenossen lassen alles stehen und liegen und folgen ihm. Vielleicht ist er es ja, auf den sie seit langem warten, der Messias, der "Gesalbte des Herrn", der das geknechtete Israel wieder aufrichten werde. Die Jerusalemer Führungsschicht sieht das anders. Für sie ist er ein Aufrührer und Gotteslästerer. In einem Schauprozess fordert sie seine Verurteilung. Die römische Besatzungsmacht lässt ihn kreuzigen. Aber das Ende ist der Anfang. Die Jünger glauben an seine Auferstehung. Aus dem jüdischen Lehrer Jesus wird für sie ein theologisch gedeuteter Christus. In enger Gemeinschaft bleiben sie zusammen. Geleitet durch die Apostel löst sich die Jesusbewegung aus dem damaligen Judentum und breitet sich in Kleinasien aus. Ein Pharisäer namens Saulus wandelt sich vom Gegner zum glühenden Verfechter der "frohen Botschaft" von der Auferstehung. In drei großen Missionsreisen trägt er sie weit ins Römische Reich. Unter Kaiser Nero kommt es in Rom zu einer blutigen Verfolgung. Nach einem jüdischen Aufstand zerstören römische Legionen Jerusalem und den Tempel. Das Judentum zerstreut sich in der damaligen Welt.
Aus dem tiefen Asien kam der Kult des Midras. Diesem Gott zu Ehren tötete man während der Zeremonien einen Stier. In solchen Kulten suchten die Menschen wie zu allen Zeiten eine Antwort auf die Frage nach dem Woher und Wohin.
Erlösung durch Tod und Auferstehung Christi galt für alle, die an ihn glaubten. Doch diese Botschaft wurde jahrelang nur mündlich überliefert. Die Zeitgenossen Jesu starben aus. Man begann, die Erinnerung an sein Leben, an seine Worte festzuhalten. So entstanden die Evangelien. - Sie sind keine Biografien, keiner hat Jesus persönlich gekannt. Die Bibel ist das Ergebnis einer langen Entwicklung.
Teil 2 - Fesseln der Macht
Die Botschaft der Christen kommt an. Eben noch unscheinbare Randgruppe des Judentums, verbreitet sie sich in wenigen Jahrzehnten im ganzen Römischen Reich. "In der Welt, aber nicht von der Welt"; der Staat wird misstrauisch. Wilde Gerüchte gehen um von Ritualmord und Geheimbündelei. Als sich die Christen dem offiziellen Kaiserkult verweigern, werden sie in mehreren Wellen verfolgt. Viele sterben den Märtyrertod. In den ruhigen Phasen findet die junge Kirche festere Formen für Taufe und Abendmahl, Diakonie und Liturgie. Schriftsteller verteidigen sie gegen Angriffe, philosophisch gebildete Theologen deuten die Glaubensgeheimnisse. Kaiser Konstantin reißt das Ruder der römischen Politik herum. Das Christentum erhält die volle Freiheit, sich zu entfalten. Der Kaiser traut ihm die Kraft und die Rolle zu, das von seinen Widersprüchen zerrissene Reich wieder zu einen. Die Kirche wird zur "Jedermannskirche" und hat nun große Möglichkeiten, die Gesellschaft zu gestalten. Jetzt muss sie aber auch immer wieder Kompromisse schließen, die ihre eigentliche Botschaft verdunkeln. Die Bischöfe verstehen sich als Nachfolger der Apostel und beanspruchen deren Autorität. Kaiser Konstantin verlegt seine Hauptstadt in das griechische Byzanz am Bosporus. Konstantinopel wird das zweite Rom. Im ganzen Reich entstehen großartige Kirchenbauten, die den Sieg des Christentums über die Andersgläubigen zum Ausdruck bringen. Einzelne Christen ziehen sich in die Einsamkeit, abseits von den Versuchungen und Ablenkungen der "Welt", zurück. Einige schließen sich zu klösterlichen Gemeinschaften zusammen. Das theologische Rätselraten um den Glauben macht große Fortschritte. Vor allem geht es um die Natur Christi und das Geheimnis der Dreifaltigkeit. Mehrfach ruft der Kaiser die Bischöfe des Reiches zu einem Konzil zusammen und zwingt sie, sich zu einigen. Er selbst wahrt Distanz. Erst auf dem Sterbebett lässt er sich taufen.
Teil 3 - Getrennte Wege
Germanische Völker überrennen die Grenzen des Römischen Reiches. Dabei übernehmen sie das Christentum. Im Osten wird die Kirche mehr und mehr "Reichskirche" unter der Kontrolle des Kaisers. Im Westen gewinnt der Bischof von Rom eine Vorrangstellung. Mit wachsendem Selbstbewusstsein fordert er die oberste Gewalt der Lehre und Rechtsprechung in der Kirche. Damit vertieft sich der Gegensatz zwischen Ost und West. Auf dem Monte Cassino gründet Benedikt von Nursia ein Kloster. Mit Gebet und Arbeit sollen die Mönche den Tag verbringen. Die Idee macht Schule. Benediktinerklöster werden die wichtigsten Kulturträger des Abendlandes. Zu Anfang des 7. Jahrhunderts taucht aus dem arabischen Raum eine neue Religion auf: der Islam. Auch er versteht sich als Offenbarung des einen Gottes und entwickelt einen enormen Expansionsdruck. In kürzester Zeit erobert der Islam den vorderen Orient, den Balkan und dringt über Afrika bis Spanien vor. Erst die Franken können ihn aufhalten. Sie haben in West- und Mitteleuropa ein stabiles Reich etabliert und nehmen das römische Christentum an. In enger Verbindung mit dem Papst organisiert der angelsächsische Mönch Bonifatius die fränkische Kirche. Als der Karolinger Pippin nach der Königsmacht greift, leistet ihm der Papst wichtige Schützenhilfe. Dafür übernimmt der König den Schutz und das Wächteramt über die Kirche. Sein Nachfolger Karl führt zahlreiche Eroberungskriege gegen die germanischen Stämme und unterwirft sie dem Christentum. Am Weihnachtsabend des Jahres 800 lässt er sich in Rom von Papst Leo III. zum Kaiser krönen, ein Schritt von welthistorischer Bedeutung. Die Wiederbelebung des römischen Kaisertums symbolisiert den Fortbestand des antiken Imperiums. Mit dem Pakt zwischen geistlicher und weltlicher Macht entsteht ein problematisches Wechselspiel der Interessen, das in den nächsten Jahrhunderten für Spannung sorgt.
Teil 4 - Kreuz und Schwert
Nach dem Tod Karls des Großen zerfällt das karolingische Reich. Die regionalen Teilgewalten treten wieder hervor. Das nützliche Bündnis zwischen Papst und Kaiser steht auf schwachen Füßen. Auch die Spannungen zwischen Rom und Konstantinopel verschärfen sich. Sie führen 1054 zur Spaltung der Christenheit. Die slawischen Völker entscheiden sich für die orthodoxe Variante. In Deutschland stabilisiert sich die Lage. Otto I. setzt auf die Bischöfe und gibt ihnen eine wichtige machtpolitische Rolle. Im "christlichen Abendland" gilt das irdische Dasein als Vorspiel für das himmlische. Die Künste setzen eindrucksvolle Zeichen des Glaubens und der kirchlichen Macht. Vom burgundischen Kloster Cluny gehen starke Impulse aus zur Reform kirchlicher Missstände. Auch der Einfluss weltlicher Gewalten auf die Kirche soll beseitigt werden. Das führt zu einem dramatischen Konflikt zwischen Kaiser und Papst. Auf dem Höhepunkt muss König Heinrich IV. als Büßer nach Canossa gehen, um sich vom Bann zu lösen und seine Krone zu retten.
Teil 5 - Heilige und Dämonen
1347 bricht ein furchtbares Verhängnis über Europa herein. Die Pest, der "Schwarze Tod", rafft innerhalb von drei Jahren ein Drittel der Bevölkerung dahin. Die Menschen reagieren unter Schock. Geißlerzüge und Judenpogrome werden zur weiteren Seuche. Der festgefügte Kosmos des Mittelalters bekommt tiefe Risse. Der planende Schöpfergott erscheint nun als unberechenbarer Herrscher. Die Menschen suchen Zuflucht in Prozessionen, Wallfahrten und im Reliquienkult. Die Päpste geraten in Abhängigkeit vom französischen König und verlegen ihre Residenz nach Avignon. Man spricht von der "Babylonischen Gefangenschaft der Kirche". Verschwenderische Hofhaltung, Ämterschacher und Geldschneiderei zeigen den moralischen Niedergang. Die Zeit ist aus den Fugen. Die gotischen Kathedralen werden zur "fiebrigen" Flamme und erreichen die Grenzen ihrer physikalischen Möglichkeiten. Eine große Sehnsucht nach der Nähe des Heiligen beseelt die Menschen. Die christliche Mystik bringt Frauen und Männer mit visionärer Begabung hervor. Sie empfinden die Offenbarung als Einbruch Gottes in ihr ganz persönliches Dasein. Aber auch die Mächte der Finsternis durchdringen den Alltag. Teufel und Dämonen scheinen allgegenwärtig. Die Kirche, die den heidnischen Aberglauben einst so erfolgreich bekämpfte, verliert viel von ihrer befreienden Kraft. Die Päpste kehren nach Rom zurück, bleiben aber im Widerstreit der Parteien. Gegenpäpste stehen auf. Das "Große Abendländische Schisma" stürzt die Christenheit in tiefe Zweifel und Unruhe. Immer lauter wird der allgemeine Ruf nach einer "Reform an Haupt und Gliedern". 1414 soll ein Konzil in Konstanz die Wende bringen. Es scheitert am Widerstand der Kurie und an nationalen Einzelinteressen, düster beleuchtet durch den Scheiterhaufen, auf dem der tschechische Reformer Johannes Hus qualvoll stirbt.
Teil 6 - Diesseits des Himmels
Türkische Janitscharen erobern Konstantinopel, das Zentrum der orthodoxen Christenheit. Deren Schwerpunkt verlagert sich ins "hölzerne" Moskau, das "dritte Rom". Der türkische Halbmond verdrängt das Kreuz und dringt bis tief in den Balkan vor. Im Westen leiden viele Christen an den Widersprüchen von Kirche, Staat und Gesellschaft. Sie suchen einen Ausweg nach innen und finden neue Formen der "Nachfolge Christi". Italien steht ganz im Zeichen von Humanismus und Renaissance. Philosophen, Wissenschaftler und Künstler machen aufregende Entdeckungen an der Welt und an sich selbst. Immer häufiger und immer mutiger durchstoßen sie die traditionellen Grenzen. In den oberitalienischen Stadtrepubliken entsteht ein selbstbewusstes Bürgertum. Neue Wirtschaftsmethoden häufen enorme Reichtümer an. Die Adelsfamilien wetteifern als Förderer von Kunst und Wissenschaft. Kaum anders verstehen sich die Päpste in Rom. Sie führen das ausschweifende Leben kleiner Fürsten, treiben skrupellose Familienpolitik und schrecken auch vor Gift und Dolch nicht zurück. Gleichzeitig sind sie unersättliche Auftraggeber und Kunstmäzene. Das im Mittelalter zerfallene Rom ist jetzt eine einzige Baustelle. Es soll aller Welt den Triumph der Kirche vor Augen führen. Die größten Künstler der Epoche wirken mit. Was für den Papst der neue Petersdom, ist für die kleinen Leute der "Peterspfennig". Sie zahlen die Zeche. In Florenz klagt der Dominikanermönch Savonarola Papst und Kurie wegen ihres sündigen Treibens an. Rom schlägt zurück. Der "heilige Ketzer" wird verbrannt. Auch ein Wissenschaftler kommt in große Gefahr. Galilei gelingt es, das Weltmodell des Kopernikus zu beweisen. Ein Inquisitionsprozess zwingt ihn zum Widerruf. Naturwissenschaft und Glaube gehen getrennte Wege.
Teil 7 - Allein der Glaube
Amtsmissbrauch von Papst und Kurie, sittliche Verwahrlosung des Klerus und hemmungslose Vermarktung der Seelsorge: Die Leitung der Kirche steckt in der eigenen Sackgasse und scheint unfähig, sich zu befreien. Der Augustinermönch Martin Luther quält sich mit der Frage nach der Rechtfertigung des Menschen vor Gott. Im Römerbrief des Hl. Paulus findet er eine lange verschüttete Antwort: Die Gnade Gottes ist unverdientes Geschenk. Nicht fromme Werke, sondern allein der Glaube führt zum Heil. Eine Ablasskampagne Roms zündet den Funken. Mit 95 Thesen wendet sich Luther an die Öffentlichkeit. Der junge Buchdruck verbreitet sie in ganz Deutschland. Der Papst droht mit dem Bann. Luther bestreitet das Recht der Kirche, sich zwischen die Gläubigen und Gott zu stellen. Vor dem Reichstag in Worms soll er widerrufen. Er weigert sich standhaft, und man erklärt ihn für vogelfrei. Sein Kurfürst versteckt ihn auf der Wartburg. Hier übersetzt er die Bibel ins Deutsche und schafft ein Sprachdenkmal von hohem Rang.
Inzwischen entstehen in der Schweiz weitere Reformationen. Zwingli in Zürich und Calvin in Genf finden eigene Varianten und können sie politisch absichern. Ab 1525 erschüttern Aufstände der unterdrückten Bauern das Reich. Sie bauen auf Luthers Unterstützung. Der entscheidet sich jedoch für die Gegenseite. Der Bauernkrieg endet in einem blutigen Strafgericht. Die Reformation beginnt, den Alltag der Menschen umzugestalten. Luther heiratet die Nonne Katharina von Bora. Er ist jetzt glücklicher Familienvater, führt Tischgespräche mit seinen Freunden und verfasst geistliche Lieder. 1530 legen die lutherischen Stände dem Reichstag in Augsburg eine umfassende Bekenntnisschrift vor. Der Kaiser setzt jedoch auf Krieg, um die Glaubensfrage mit Waffengewalt zu beantworten. Vergeblich. Die Zeit der Kirche ist in Deutschland vorbei. Die Zeit der Kirchen hat begonnen.
Teil 8 - Himmel und Hölle
Der große Reformstau bringt viele Reformationen hervor. Sie verbinden sich mit den regionalen Bestrebungen nach Unabhängigkeit. Das Konzil von Trient kann die Kirchenspaltung nicht mehr verhindern, es modernisiert jedoch die Innenwelt des Katholizismus. Neuartige Orden wie die "Gesellschaft Jesu" des spanischen Ritters Ignatius von Loyola werden zur Elitetruppe der Gegenreformation. Während der Augsburger Religionsfrieden in Deutschland eine gespannte Ruhe erzeugt, toben in Frankreich die grausamen Hugenottenkriege. In England führen die Eheprobleme Heinrichs VIII. zur Trennung von Rom. Eine düstere Rolle spielt das reiche und mächtige Spanien. Philipp II. setzt alle Mittel ein, um die mittelalterliche Einheit von Macht und Glaube zu rekonstruieren. Die Inquisition führt einen Vernichtungskampf gegen jeden freien Gedanken. Als sich die niederländischen Provinzen dem Calvinismus öffnen, antwortet Philipp mit beispiellosem Terror. Der Freiheitskampf der Niederlande wird zum Vorbild aller künftigen Freiheitsbewegungen in Europa.
Teil 9 - Neue Welten
Die überlieferten Aufzeichnungen und Tagebücher geben nachhaltig Auskunft über die Beweggründe der spanischen und portugiesischen Seefahrer, die dem Westkurs des Kolumbus folgten: Ruhm, Reichtum und Abenteuer. Innerhalb von nur vier Jahrzehnten entdeckten und eroberten sie Mittel- und Südamerika. Welche Rolle spielte die Kirche dabei? Zunächst einmal sah sie ihre wichtigste Aufgabe in der Missionierung der riesigen Gebiete. Der neue Kontinent sollte zum christlichen Glauben bekehrt werden. Die Eroberung, Befriedung und Verwaltung der neuen Länder überließ sie den Konquisatoren, getreu dem Grundsatz: "Die Seelen für Gott, das Land dem König"! Die Missionsarbeit der Bettelorden, der Franziskaner und Dominikaner, wurde allerdings durch materielle Interessen der Eroberer stark behindert.
Teil 10 - Altar der Vernunft
Der Mensch ist sein eigener Herr. Zu einer glücklichen Entwicklung der Gesellschaft braucht es weder Gott noch Gebete, es genügen vernünftige Gesetze. - Die neue Zeit entsteht in den Köpfen. "Ich denke, also bin ich" schreibt René Descartes und gibt dem europäischen Geist eine neue Strömungsrichtung. Das Universum erscheint jetzt als ein mechanisches Uhrwerk. Wer seine Gesetze versteht, kann es beherrschen. Gott ist darin nur noch eine unbeweisbare Annahme, die Kirche allenfalls eine moralische Anstalt zur sittlichen Erziehung der Bürger. Glaubenskriege, Inquisition und Aberglaube werden vor der Sonne der Vernunft wie alter Schnee vergehen. Die neuen Ideen dringen bis in die höchsten Kreise des Adels vor. In Preußen und Österreich kommen aufgeklärte Regenten an die Macht. Sie werben für Bildung und Toleranz und drängen den Einfluss der Kirche zurück. Im Staat Friedrichs des Großen soll jeder "nach seiner Fasson" selig werden. 1789 hebt der unterdrückte Dritte Stand sein Haupt. In einem Jahrzehnt fegt die Französische Revolution die Reste des Mittelalters beiseite. Unter heftigen Wehen wird der moderne Nationalstaat geboren. Die Kirche war Stütze des alten Regimes und sitzt nun mit diesem auf der Anklagebank. Die Priester sollen einen Eid auf die Verfassung leisten. Wer sich weigert, stirbt unter der Guillotine. Die Volksheere Napoleons exportieren die neuen Ideen weit über die Grenzen Frankreichs hinaus. 1803 werden fast alle geistlichen Fürstentümer abgeschafft und Kirchengut im großen Stil enteignet. 1804 "zitiert" der Korse den Papst nach Paris, um sich vor dessen Augen selbst zum Kaiser zu krönen, eine Gebärde, die den alten Anspruch der Päpste verhöhnt. Der Wiener Kongress versucht, die Zeit zurückzudrehen. Auf den Barrikaden von 1848 stehen - vereinzelt - auch Christen und kämpfen für Pressefreiheit, Menschenrechte und Demokratie.
Teil 11 - Mensch und Maschinen
Die Romantik träumt sich in ein legendäres Mittelalter zurück. Die katholische Kirche mit ihren Bräuchen und sinnenfrohen Inszenierungen kommt wieder in Mode, zumindest bei Künstlern und Literaten. Sie trauert jedoch den verlorenen Privilegien nach und sieht im Streben der Völker nach Demokratie und nationaler Unabhängigkeit gefährliche Entwicklungen. Darwins Entdeckung der Evolution ist für viele Christen ein Schock. Der Mensch, das "Ebenbild Gottes", in gemeinsamer Ahnenreihe mit Einzellern und Schimpansen? Das ist schwer zu verkraften. Wissenschaft und Glaube erscheinen als unversöhnliche Gegensätze. Der Atheismus, früher eine gefährliche Verrücktheit am Rande - wird jetzt zur selbstverständlich lebbaren Alternative.
Säkulare Regierungen versuchen, die Kirche aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen. In Preußen kommt es zu einem Kulturkampf, aus dem die katholische Kirche jedoch mit neuer Geschlossenheit und gewachsenem Ansehen hervorgeht. Das unabhängige Italien beseitigt den Kirchenstaat. Schmollend vergräbt sich der Papst hinter die Mauern des Vatikans. Die wirklichen Probleme der Zeit liegen woanders. Die Dampfmaschine löst eine industrielle Revolution aus. In den explosiv wachsenden Städte sammeln sich entwurzelte Menschen. Ihre Suche nach Lebenssinn bleibt lange ohne Antwort. Die Kirchen sind blind für das Elend der Arbeiterschaft. Marxismus und Sozialdemokratie bieten ideologischen Ersatz. Einzelne Christen übernehmen jedoch Verantwortung. Heinrich Wichern, Adolf Kolping oder Bischof Ketteler in Mainz kämpfen gegen die Not und für die Rechte der Arbeiter. Erst die Sozialenzyklika Leos XIII. versucht einen großen Entwurf für die Neuordnung der Gesellschaft. Die europäischen Kolonialmächte gebärden sich als Heilsbringer der Welt und versuchen, sich gegenseitig zu verdrängen. Am Horizont steigen düstere Wolken auf.
Teil 12 - Pforten der Hölle
Das 20. Jahrhundert beginnt voller Optimismus. Technischer Fortschritt und Weltverkehr scheinen ein goldenes Zeitalter heraufzuführen. Wenig später taumelt Europa in den Ersten Weltkrieg. In nationalistischer Verblendung fallen die "christlichen" Völker übereinander her. In der "Blutmühle" von Verdun werden die Menschen zum anonymen Objekt der Materialschlacht. Der Zusammenbruch stürzt vor allem das landeskirchliche Luthertum in eine tiefe Krise. In Russland bringt die Oktoberrevolution eine atheistische Diktatur an die Macht. Für Stalin ist die Vernichtung des Christentums erklärtes Ziel. Zahlreiche Priester, Mönche und Gläubige fallen den großen Säuberungen zum Opfer. In Italien findet die "Römische Frage" in den Lateranverträgen eine Lösung. Der Vatikan wird zum unabhängigen Staat.
Unter dem Nationalsozialismus verwandelt sich Deutschland in eine rassistische Diktatur. Alle Großgruppen der Gesellschaft werden gleichgeschaltet. Der Vatikan hofft über ein Konkordat auf berechenbare Verhältnisse. Die Evangelische Kirche soll in eine rassisch reine "deutsche Reichskirche" verwandelt werden. "Pfarrernotbund" und "Bekennende Kirche" organisieren den Widerstand. Inzwischen sind die jüdischen Mitbürger der systematischen Vernichtung ausgesetzt. Die Kirchen wagen keinen öffentlichen Protest. Widerstand oder Anpassung? Das persönliche Bekenntnis zu Christus und zum christlichen Menschenbild wird zur inneren und äußeren Überlebensfrage. Während die Kirchenorganisationen versuchen, mit mancherlei Kompromiss zu überwintern, gehen einzelne Christen in den Widerstand. Viele werden verhaftet und ermordet. Menschen wie Dietrich Bonhoeffer, Maximilian Kolbe, Edith Stein oder die Widerstandsgruppe der "Weißen Rose" setzen dem verbrecherischen Staat eine unwiderrufliche Grenze und retten das Christentum über den Untergang der Diktatur hinweg.
Teil 13 - Chancen und Gefahren
Am Ende des Zweiten Weltkriegs steht der Blitz über Hiroshima. Seitdem bedroht die Atombombe alles Leben auf dem Planeten, seine Vergangenheit und seine Zukunft. Die christlichen Kirchen stellen sich nur langsam auf die neue Situation ein. Sie bekennen sich mitschuldig an der Katastrophe. Sie beginnen zögernd, sich aus der engen Verbindung mit der weltlichen Macht zu lösen. Die verschiedenen Bekenntnisse gehen aufeinander zu. Fernziel: Einheit der Christen. Die Bevölkerungsexplosion in der Dritten Welt verschiebt die Gewichte. Die "jungen" Kirchen finden und behaupten eigene Gestaltungen der christlichen Botschaft. Das 2. Vatikanische Konzil stößt die Türen der Katholischen Kirche auf. Sie hofft auf eine wichtigere Rolle in der modernen Welt, ohne sich dem Zeitgeist zu unterwerfen. Für den polnischen Papst Johannes Paul II. ist der Vatikan nur noch die Basis für Reisen in zahlreiche Länder der Erde. Gegen Ende der 80er Jahre bricht das Ost-West-System zusammen. Damit wachsen die Chancen einer friedlichen Weltgesellschaft, es brechen aber auch ethnische Bürgerkriege aus.
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